
© Foto: Symbolbild; Redaktion (KI generiert)
Bei Rheinmetall geht zwar operativ die Post ab, wenn man das so sagen darf. Neue Milliardenaufträge bei Artillerie und Munition, ein Umsatzplus von fast 70 Prozent und ein gut gefüllter Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro sprechen für sich und sind relativ eindeutig. Doch an der Börse zeigt sich zuletzt ein anderes Bild: Während Branchenkollegen wie Hensoldt oder TKMS regelrecht durchstarten, hinkt Rheinmetall etwas hinterher. Reicht die operative Stärke, um auch charttechnisch wieder Fahrt aufzunehmen? Was ist da noch alles so traurig und negativ, dass der Chart nicht so recht nach oben will. Wir werfen einen Blick auf die Zahlen, den Chart und die Frage, ob sich ein Einstieg trotz der Kursschwäche lohnt oder ob es weiter abwärts gehen könnte. Vielleicht sogar wieder deutlich unter die 1.000er Marke.
Auftragsbücher wachsen weiter kräftig
Bei Rheinmetall brummt das operative Geschäft - so könnte man es ohne Zweifel sagen. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um fast 70 Prozent, das operative Ergebnis legte sogar noch stärker zu. Zwar musste der Konzern wegen des geplatzten Fregattenprogramms F126 seine Jahresprognose leicht zurücknehmen, doch das sollte das große Bild kaum trüben - sollte man jedenfalls meinen. Neue Aufträge über mehr als 11 Milliarden Euro sind allein im zweiten Quartal hinzugekommen, darunter ein Vertrag zur Drohnenabwehr und ein SAFE-Paket mit Rumänien. Auch der geplante Ausbau der Artillerie durch die Bundeswehr bis 2030 dürfte Rheinmetall über Jahre hinweg mit Aufträgen versorgen. Allein über das Konsortium ARTEC könnten bis zu 500 Panzerhaubitzen des Typs RCH 155 zusammenkommen. Hinzu kommt ein möglicher Rahmenvertrag über bis zu 500 Raketenwerfersysteme MARS 3. Ganz zu schweigen vom möglichen Milliardendeal beim Boxer-Radpanzer, der sich derzeit in der finalen Entscheidungsphase befindet. Der Auftragsbestand liegt inzwischen bei über 80 Milliarden Euro, ein deutlicher Sprung und einiges mehr gegenüber dem Vorjahr. Auch die Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich. Goldman Sachs z. B. sieht die Aktie weiterhin bei 2.300 Euro, die Deutsche Bank bei 1.800 Euro.

Charttechnik
Charttechnisch tut sich Rheinmetall aktuell jedoch schwer. Verglichen mit anderen Rüstungswerten wie Hensoldt oder TKMS, die gerade regelrecht durchstarten, hinkt die Aktie hinterher. Der Kurs notiert weiterhin unter dem 50er SMA und dem 200er SMA. Damit ist und bleibt das übergeordnete Bild im Abwärtstrend. Ein möglicherweise realistisches Kursziel im negativen Szenario liegt bei rund 800 Euro. Zwar konnte sich die Aktie von ihrem Tief bei rund 940 Euro deutlich erholen, doch echte Entwarnung gibt es erst bei einem nachhaltigen Sprung über 1.500 Euro, und bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Kurzfristig entscheidet sich viel an der Marke von etwa 1.250 Euro, gelingt der Ausbruch, könnte die Erholung Fahrt aufnehmen. Aber es ist kaum vorstellbar, dass eine Aktie mit so einem gigantischen Auftragsbestand nochmal unter die 1.000er Marke fällt und dennoch ist es möglich. Das ist eben die Börse - man muss auf alles gefasst sein, denn der Chart deutet trotz alledem aktuell auf Schwäche hin - zumindest gegenüber den Wettbewerbern.
Was tun?
Fundamental überzeugt der Konzern mit starkem Umsatzwachstum, gut gefüllten Auftragsbüchern und einer intakten langfristigen Wachstumsstory rund um die Aufrüstung Europas. Charttechnisch bleibt die Lage dagegen recht angespannt, die Aktie hinkt der Branche hinterher und notiert weiterhin unter den wichtigen Durchschnittslinien. Investoren sollten die Marke von 940 Euro als wichtige Unterstützung im Blick behalten und könnten abwarten, bis sich die Aktie nachhaltig über den 50er und 200er SMA zurückkämpft, bevor sie zugreifen. Die fundamentale Story bleibt zwar intakt, die Charttechnik deutet aber eher auf Schwäche hin.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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