
© Foto: Behnam Norouzi auf Unsplash (Symbolbild)
Vonovia kämpft seit Wochen an der 20-Euro-Marke. Jetzt könnte sich dort eine Chance auftun. Obwohl die politische Debatte um Enteignung und Mieterschutz weiterläuft, sichert sich der Wohnungsriese Milliarden zu guten Konditionen und saniert kräftig weiter. Die Analysten sind sich zwar nicht ganz einig, doch die Mehrheit sieht mehr Potenzial, als der aktuelle Kurs hergibt. Vereinzelt sogar bis 34 Euro. Hält bei der Aktie ihre wichtigste Unterstützung, dann rückt ein spannendes charttechnisches Ziel in greifbare Nähe. Lohnt sich jetzt der Einstieg für Anleger?
Rückenwind aus Berlin
Vonovia bleibt trotz schwachem Kursjahr operativ auf Kurs. Der Wohnungskonzern hat seit Jahresbeginn rund 4,4 Milliarden Euro refinanziert, mit acht Jahren Laufzeit und einem Kupon von nur 3,2 Prozent, was ein Zeichen dafür ist, dass der Kapitalmarkt dem Unternehmen weiterhin vertraut. Im ersten Halbjahr stieg das bereinigte EBITDA im Kerngeschäft um 3,5 Prozent, der Wert des Portfolios kletterte erstmals seit zwei Jahren wieder leicht an, auf 81,8 Milliarden Euro. Unterstützung kommt zudem aus Berlin, denn die Koalition plant ein Enteignungsverbot für große Wohnungskonzerne, was Vonovia-Chef Luka Mucic als wichtiges Signal für mehr Planungssicherheit begrüßte. Auch operativ tut sich etwas, so z. B. etwa mit der energetischen Sanierung von Wohnungen in Niederkassel. Dies soll die CO2-Emissionen um rund 45 Prozent senken. Bemerkenswert ist auch, wie die Analysten nach den Halbjahreszahlen reagiert haben. Berenberg und J.P. Morgan trauen der Aktie ein Kursziel von 34,50 Euro zu, die Deutsche Bank bleibt mit 26 Euro etwas zurückhaltender, doch alle namhaften Häuser bestätigten ihre Kaufempfehlung. Der Konsens aus acht Analysten liegt bei knapp 31 Euro, was deutlich über dem aktuellen Kursniveau ist. Selbst Skeptiker räumen ein, dass das Vermietungsgeschäft robust bleibt und die Mieten im Bestand weiter steigen, zuletzt um 3,4 Prozent auf 8,32 Euro pro Quadratmeter.

Charttechnik
Der Kurs pendelt aktuell um die 20,50 Euro-Marke. Hält dieses Niveau, könnte die Aktie Fahrt weiter aufnehmen. Ein erstes Ziel wäre der 200er SMA bei 23,42 Euro. Gelingt der Sprung darüber, öffnet sich der Weg in Richtung 25 bis 26 Euro. Dann wäre die Aktie in einem langfristigen Aufwärtstrend. Vielleicht wäre dann bei guten Nachrichten auch der Anstieg in Richtung 30 Euro und darüber hinaus in Richtung der Analystenkursziele bei 34 oder 34,50 Euro denkbar. Ein Stopp lässt sich anfänglich recht eng unterhalb von 20 Euro setzen, um das Risiko überschaubar zu halten.
Was tun?
Die jüngsten Zahlen zeigen ein solides operatives Geschäft, auch wenn steigende Finanzierungskosten den Gewinn bremsen. Die Bewertung liegt weiterhin unter dem Substanzwert. Deshalb sehen auch viele Analysten deutlich mehr Potenzial, wobei die Einschätzungen von vorsichtig bis sehr zuversichtlich reichen. Politisch entspannt sich die Lage durch das geplante Enteignungsverbot, auch wenn Forderungen der Linken für Unsicherheit sorgen. Wer meint, dass die 20 Euro-Unterstützung hält, kann über einen Einstieg mit engem Stopp nachdenken. Dies ergäbe bei einem Kursziel im Bereich 30 Euro ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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