
© Foto: Samuele Errico Piccarini auf Unsplash (Symbolbild)
Ganz leise, fast unbemerkt, hat Mercedes-Benz einen kleinen, aber wichtigen Schritt gemacht. Der Kurs hat sich über den 50er SMA geschoben, nur um ein paar Cent zwar, aber immerhin. Während in China der Wettbewerb härter wird und ein Rückruf in den USA für Schlagzeilen sorgt, halten gleich zwei Großbanken an ihrer Kaufempfehlung für Mercedes fest. Jetzt kommt es darauf an, ob die Stuttgarter diese frisch eroberte Marke auch verteidigen können. Gelingt das, lauern oberhalb spannender Ziele, die so manchen Investor interessieren dürften. Lohnt sich jetzt ein Blick auf die Aktie? Wir denken ja! Lesen Sie weiter!
China ist noch eine offene Baustelle
Mercedes-Benz hat zuletzt gezeigt, dass im operativen Geschäft mehr steckt, als der Kurs derzeit den Anschein hat. Die Marge im Pkw-Geschäft lag im zweiten Quartal bei 4 Prozent und damit über den Erwartungen der Analysten, der Konzerngewinn kletterte auf 1,09 Milliarden Euro und auch die Transportersparte lieferte mit einer Rendite von 10,2 Prozent ein starkes Ergebnis ab. Goldman Sachs und die Deutsche Bank bekräftigten daraufhin ihr Kaufvotum, RBC hob das Kursziel zumindest leicht an, auch wenn die Einstufung vorsichtig bleibt. Auch auf der Produktseite tut sich etwas. Der neue Marco Polo, die Kooperation mit ChargePoint für die Elektromobilität in Flotten und die Rückkehr zu physischen Bedienelementen zeigen, dass der Konzern an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet und diese nach vorne bringen möchte. Der Blick nach China offenbart zwar eine Baustelle, doch Mercedes reagiert darauf nicht tatenlos. Der Wettbewerb dort hat spürbar zugenommen, und lokale Anbieter mit günstigeren Elektromodellen setzen Mercedes unter Druck, gleichzeitig zeigt sich aber, dass Europa als Ausgleich fungieren kann. Mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für Flottenkunden schafft Mercedes zusätzliche, planbare Erlösquellen abseits des reinen Fahrzeugverkaufs. Genau solche Projekte und strategische Bausteine könnten helfen, die Marge auch dann stabil zu halten, wenn einzelne Märkte schwächer tendieren. Der Rückruf in den USA wiederum betrifft in erster Linie ältere Modelljahre und dürfte sich, sofern keine weiteren Überraschungen folgen, eher als Kostenfaktor denn als grundsätzliches Vertrauensproblem erweisen.

Charttechnik
Der wichtigste Schritt ist gemacht: Der Kurs steht nun über dem 50er SMA, wenn auch nur knapp. Diese Marke gilt es jetzt zu verteidigen. Gelingt das, rückt die runde 50 Euro-Marke ins Blickfeld. Theoretisch wäre sogar noch mehr Luft nach oben, denn bei 53,25 Euro verläuft der 200er SMA, eine Hürde, die es in sich hat. Schafft die Aktie auch diesen Sprung, könnten einige Widerstände umgehend wegfallen. Dann wäre ein Lauf Richtung 60 bis 65 Euro durchaus denkbar und die Aktie würde in einen langfristigen Aufwärtstrend wechseln.
Was tun?
Die Zahlen zum zweiten Quartal fielen besser aus als befürchtet, die Margen überraschten eher positiv, auch wenn China weiter Kopfzerbrechen bereitet, Europa steht parat. Charttechnisch hat die Aktie mit der Rückeroberung des 50er SMA ein positives Signal gesendet, entscheidend wird nun, ob sie sich dort behaupten kann. Fundamental sprechen die bestätigten Jahresziele und der Rückenwind durch zwei Großbanken für die Aktie, während der Rückruf in den USA und der harte Wettbewerb in China belasten. Wer an die fortgesetzte Stabilisierung über dem 50er SMA glaubt, kann den aktuellen Bereich als Einstiegschance sehen. Das könnte ein interessantes Setup für einen Longtrade sein mit einem entsprechend passenden "engen" Stopp.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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