8. bis 14. August 2026
Gute Unternehmenszahlen ließen internationale Aktien diese Woche fast auf neue Rekordhochs steigen, zumal Zinserhöhungen der Fed unwahrscheinlicher wurden. Die US-Zehnjahresrendite stieg zwischenzeitlich auf 4,73%, war am Freitag mit 4,65% aber wieder etwa so hoch wie vor einer Woche. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 4 US-Dollar auf 81,40 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 18,7 auf 18.
Konjunktur
Niedrige US-Inflation und schwache Einzelhandelsumsätze verschaffen der Fed Zeit
Am Mittwoch wurde bekannt, dass die amerikanischen Verbraucherpreise im Juli nur um 0,1% z.Vm. gestiegen waren, bei einer Kernrate von 0,2%. Im Vorjahresvergleich gingen wie prognostiziert sowohl die Inflation als auch ihre Kernrate um 10 Basispunkte auf 3,4% bzw. 2,5% zurück. Die Produzentenpreisdaten von Donnerstag lagen unter den Erwartungen; der Gesamtindex blieb unverändert, der Kernindex stieg um 0,2%. Am Markt rechnet man jetzt damit, dass die Fed die Zinsen nicht so bald anhebt. Hatte man die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im September zu Wochenbeginn noch auf fast 50% geschätzt, waren es jetzt nur noch knapp 28%. Eine Zinserhöhung bis zum Jahresende gilt keinesfalls mehr als ausgemacht.
Die Renditen gingen aufgrund der Zahlen zwar zurück, doch wurde die Zinsstrukturkurve in den letzten Wochen steiler. Die guten Konjunkturdaten zu Jahresbeginn, der anhaltende Irankrieg, die schwer einzuschätzende Geldpolitik unter dem neuen Notenbankchef Warsh und die langfristig unhaltbaren Haushaltsdefizite ließen die Laufzeitprämie steigen - und die höheren Renditen schadeten den Staatsfinanzen weiter. Die höheren Realrenditen haben auch etwas mit dem zunehmenden internationalen Wettbewerb um Anlagekapital zu tun, zumal steigende Haushaltsdefizite auf einen hohen Investitionsbedarf treffen. Die Emissionsrendite der neuen US-Zehnjahresanleihen betrug diese Woche 4,683%, so viel wie seit 2007 nicht mehr. Bei den neuen 30-Jahres-Anleihen waren es sogar 5,216%, der höchste Wert seit 2001.
Viele Vertreter der Fed äußerten sich diese Woche recht scharf. Laut Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, braucht die Wirtschaft wohl "einige" Zinserhöhungen. Die Inflationszahlen seien jetzt zwar etwas besser, doch rechne sie nicht mit weiteren Fortschritten. Austan Goolsbee aus Chicago nannte die Inflation "das größte Risiko für die Wirtschaft". Tom Barkin aus Richmond meinte, dass eine übertriebene Forward Guidance der Fed zwar Flexibilität nähme, es aber auch nicht schaden könne, wenn Anleger die Denkweise der Notenbank verstünden.
Nach den sehr schwachen Einzelhandelszahlen vom Freitag wurde eine baldige Zinserhöhung noch unwahrscheinlicher. Im Juli fielen die Umsätze um 0,6% z.Vm., obwohl 0,1% Anstieg erwartet worden waren. Die Kernrate war mit -0,4% ebenfalls negativ; erwartet worden waren 0,3%. Volkswirte meinen, dass die Verschiebung des Amazon Prime Day von Juli auf Juni zu Vorzieheffekten geführt haben könnte. Außerdem verweisen sie darauf, dass die Umsätze den Kreditkartendaten zufolge Ende Juli und Anfang August zugenommen hätten. Offensichtlich geht es den amerikanischen Verbrauchern noch immer gut.
Irankonflikt weiter ungelöst
Diese Woche beruhigte sich die Lage im Nahen Osten etwas. Am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump angedeutet, dass er wirtschaftlichen Druck einer neuen Militäroffensive vorzöge. Dem Vernehmen nach ist er auch ohne Nuklearabkommen zu einer Verständigung bereit, solange die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Der Iran schob unterdessen neue Forderungen nach. Er bestand auf einer Schließung der Meerenge bis zum Ende der amerikanischen Seeblockade und der Sanktionen. Erst müssten die eingefrorenen Aktiva freigegeben, Reparationen eingeleitet und die US-Truppen aus der Region abgezogen werden. Trump konterte mit eigenen Entschädigungsforderungen.
Am Freitag kündigte US-Finanzminister Scott Bessent dann neue beispiellose Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an. Sie sollen nächste Woche bekannt gegeben werden.
Nach Einschätzungen von US-Energieminister Chris Wright passieren jeden Tag zwischen 14 und 15 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge, gegenüber 20 Millionen Barrel vor Kriegsbeginn. Die Tanker müssten aber in der Straße von Hormus ihre Transponder abschalten.
Weiterhin beeindruckende Unternehmensgewinne
Entscheidend für den Aktienmarkt bleiben die Unternehmensgewinne: Laut FactSet waren die Zweitquartalsgewinne der S&P-500-Aktien nach derzeitigem Stand um 50,4% höher als vor einem Jahr, deutlich über den am Vorquartalsende erwarteten 23,2%. Selbst ohne Alphabet und Amazon wären es noch immer ordentliche 32,0%. Etwa 86% der Unternehmen haben die Konsensschätzungen übertroffen, was sowohl über dem 1- als auch über dem 5-Jahres-Durchschnitt liegt. Die Umsätze haben gegenüber dem Vorjahr um fast 15% zugelegt, so stark wie zuletzt während der Erholung nach Corona Ende 2021.
Laut Financial Times könnten die Unternehmensgewinne des STOXX Europe 600 im 2. Quartal um 22% steigen, so viel wie zuletzt 2022. Der Index legte daher ebenso zu wie der DAX, der britische FTSE 100, der französische CAC 40 und der spanische IBEX. Sie alle stiegen an den letzten Handelstagen auf neue Allzeithochs. An der Spitze lagen Banku2011, Technologie- und Energiewerte.
Noch immer hat die gute Marktstimmung viel mit KI zu tun. NVIDIA kündigte Partnerschaften mit Wall-Street-Instituten an, um etwa 500 Milliarden US-Dollar für weitere KI-Investitionen einzuwerben. Das könnte ein Vorbild für die Finanzierung von KI-Chips sein. Andererseits könnte NVIDIA Probleme bekommen, wenn Kredite ausfallen. Man fragt sich auch, ob Grafikprozessoren wirklich eine so gute Sicherheit sind, könnten sie doch schnell veralten.
Kurz gefasst
Nach den jüngsten Beschäftigungsdaten ist der US-Arbeitsmarkt zwar stabil, aber keineswegs mehr unangefochten. Volkswirte verweisen darauf, dass Probleme der Saisonbereinigung zu Verzerrungen geführt haben können. Vielleicht sind sowohl die jüngste Schwäche als auch die vorangegangene Stärke übertrieben. Bei genauerer Betrachtung scheinen die Julizahlen nicht so schwach wie zunächst befürchtet.
Angesichts des immer noch schwachen Yen plant Japan dem Vernehmen nach eine baldige Zinserhöhung.
Die Strategen von JPMorgan hoben ihre Jahresendprognose für den S&P 500 auf 8.000 an, die zweite Erhöhung in zwei Monaten. Sie begründeten das mit hohen Unternehmensgewinnen und Anzeichen für allmähliche Erträge der KI-Investitionen.
Der US-Senat verabschiedete ein kurzfristiges Finanzierungsgesetz, um einen Government Shutdown vor den Zwischenwahlen im November zu verhindern.
Die Trump-Administration verständigte sich mit Syrien auf den Abtransport von Nuklearmaterial - Überreste des geheimen Kernwaffenprogramms des gestürzten Assad-Regimes. Das Material lagert jetzt in einem Versteck; die Internationale Atomenergie-Organisation soll die Übergabe überwachen.
Nach Daten der Bank of America haben sich seit Mai sowohl der Anstieg der Ausgaben als auch der Anstieg der Löhne in den einzelnen Einkommensgruppen einander angenähert. Bis vor Kurzem war vor allem der Konsum der Reichsten gestiegen. Nach den neuesten Zahlen holen Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen jetzt auf. Das könnte den Konsum insgesamt stabilisieren.
Nach dem Household Debt and Credit Report der Fed sind die aggregierten Zahlungsausfälle im 2. Quartal auf 4,7% gefallen. Insgesamt gingen die Haushaltsschulden um 13 Milliarden auf 18,77 Billionen US-Dollar zurück.
Die Verkäufe amerikanischer Bestandsimmobilien fielen im Juli um 1,7%, und der Juniwert wurde nach unten korrigiert. Hohe Preise und Hypothekenzinsen dämpften weiter das Geschäft. Der Median-Verkaufspreis war mit 434.100 US-Dollar um 2% höher als vor einem Jahr.
Der Energietransport aus dem Nahen Osten normalisiert sich weiter. Wie es heißt, transportieren die Vereinigten Arabischen Emirate täglich gut 2 Millionen Barrel eigenes und irakisches Öl durch die Straße von Hormus.
Die Trump-Administration hat die Aussetzung des Jones Act um 90 Tage verlängert, allerdings jetzt beschränkt auf Energierohstoffe und Dünger.
Die Zollrückerstattungen lassen das US-Haushaltsdefizit weiter steigen. Letzten Monat betrug es 432 Milliarden US-Dollar, so viel wie noch nie in einem Juli.
Amerikanische und kanadische Unterhändler sprechen dem Vernehmen nach über eine Handelsvereinbarung, die nächste Woche Präsident Trump vorgelegt werden könnte.
Die britische Wirtschaft ist im 2. Quartal überraschend stark um 1,2% z.Vj. gewachsen. Im 1. Quartal waren es nur 0,9%. Die Hitzewelle im Juni, fallende Energiepreise und die Fußball-WM sorgten für mehr Wachstum.
Südkoreas KOSPI hat sich seit seinem Tief Ende Juli um fast 25% erholt.
Es heißt, die Trump-Administration wolle vor den Zwischenwahlen die Besteuerung von Kapitalgewinnen mit der Inflation bereinigen und realisierte Wertsteigerungen von Häusern bis zu einem Preis von 2 Millionen US-Dollar von der Steuer befreien.
Laut Fitch betrug die Ausfallquote von Private Credit in den USA im Juli 9,5%, so viel wie noch nie. Vor einem Jahr waren es noch 6,9%.
Nächste Woche
Montag: japanisches Zweitquartals-BIP, kanadische Verbraucherpreise
Dienstag: britische Arbeitslosenquote, Industrieproduktion und schwebende Hausverkäufe in den USA
Mittwoch: Euroraum-Inflation
Donnerstag: Philly Fed Index in den USA
Freitag: vorläufige Einkaufsmanagerindizes weltweit, japanische Inflation, britische Einzelhandelsumsätze, kanadische Einzelhandelsumsätze
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
