
© Foto: Anna Tarazevich auf Pexels (Symbolbild)
Bei Evotec brennt es, nicht erst seit heute, lichterloh. Die Zahlen zum ersten Halbjahr waren bitter, die Prognose wurde zusammengestrichen, und der Aktienkurs dümpelt nur noch am Rand seines Mehrjahrestiefs herum. Doch genau jetzt könnte es auch spannend werden bei so viel Pessimismus. Rutscht der Titel unter die entscheidende Marke bei 3,17 Euro, drohen neue Verkaufswellen, vielleicht sogar der Fall unter 3 Euro. Oder ist genau das die Falle für die Bären, aus der heraus ein Rebound Richtung 3,50 oder sogar 4 Euro entsteht? Wir schauen uns die Lage genau an.
Zahlen unter Druck, Sparprogramm soll retten
Ganz so leicht macht es Evotec seinen Aktionären gerade nicht. Im ersten Halbjahr 2026 brach der Umsatz um fast ein Fünftel ein, auf 300,1 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA steht ein Minus von 42,7 Millionen Euro. Die einst hoffnungsvolle Jahresprognose musste das Management drastisch zurückschrauben und statt eines Gewinns rechnet Evotec nun mit einem operativen Verlust von bis zu 105 Millionen Euro. Im Bereich Wirkstoffforschung wuchsen jedoch die Erlöse und mit dem Sparprogramm "Horizon" will der Konzern bis 2027 kräftig Kosten senken. Erste Fortschritte gibt es bereits, komplett ist die Wende aber noch lange nicht.
Dazu kommt eine personelle Änderung im Aufsichtsrat: Camilla Macapili Languille hat ihr Mandat niedergelegt. Ein Nachfolger steht bisher nicht fest. Frisches Geld holte sich Evotec zuletzt über eine Wandelanleihe, über 116 Millionen Euro sollen den Umbau finanziell absichern. Auch strategisch tut sich was, mit Odyssey Therapeutics ist gerade eine neue Kooperation im Bereich KI-gestützter Forschung gestartet, mit Blick auf Autoimmun- und Entzündungserkrankungen. Solche Partnerschaften könnten mittelfristig neue Erlösquellen erschließen, kurzfristig ändern sie aber nichts an der derzeitigen Misere.

Charttechnik
Seit dem Hoch in 2021 geht es fast nur noch bergab, minus 90 Prozent und mehr stehen zu Buche. Zuletzt näherte sich der Kurs gefährlich der Zone bei 3,17 Euro, drehte dann aber nach oben und rettete sich über die Marke. Der Kapitalfluss bleibt trotzdem schwach, echte Kaufkraft ist kaum zu spüren. Fällt die Aktie doch noch unter 3,17 Euro, könnte es ungemütlich werden, dann rückt sogar ein Rutsch unter 3 Euro in den Bereich des Möglichen. Bleibt die Zone dagegen stabil, wäre das ein starkes Signal. Dann könnte sich genau hier eine Bärenfalle bilden, aus der ein Rebound Richtung 3,50 Euro oder sogar 4 Euro entstehen könnte.
Was tun?
Fundamental drückt der operative Verlust und das Sparprogramm braucht noch Zeit, um wirklich Früchte zu tragen. Charttechnisch ist die Aktie aber schon extrem ausgebombt, was Chancen für eine Gegenbewegung bietet, aber ebenso Risiken für weitere Rückschläge birgt. Analysten wie RBC sehen langfristig durchaus Erholungspotenzial und bestätigten ihr Kursziel von 10 Euro. Wer schon investiert ist, sollte die 3,17-Euro-Marke im Blick behalten, sie ist die Schaltstelle. Neueinsteiger könnten abwarten, ob sich diese Zone wirklich als Boden bestätigt, bevor sie zugreifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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