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Das US-Research-Haus Raymond James hat die Aktie von Nvidia-Rivale AMD hochgestuft und sie mit einem bemerkenswert hohen Kursziel versehen.
Raymond James stuft AMD hoch - einen Tag vor den Zahlen von Rivale Nvidia!
Die Spannung vor den Quartalszahlen von KI-Überflieger Nvidia, der am Mittwochabend Einblicke in seine Geschäftsentwicklung gewähren wird, steigt. Das Unternehmen gilt als Gradmesser für den gesamten KI-Boom. Dementsprechend hoch sind nicht nur die Erwartungen, sondern auch die Risiken, sollte Nvidia Zweifel an der Nachhaltigkeit der Entwicklungen in der Branche aufkommen lassen.
Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Aufmerksamkeit hat das US-Research-Haus den Dauerrivalen AMD einer näheren Untersuchung unterzogen - und das Papier von "Übergewichten" auf "Kaufen" hochgestuft. Dabei wurde das Kursziel stark von 565 auf 641 US-Dollar angehoben, was gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstagabend eine Upside von 40,3 Prozent impliziert.
Hohe Upside durch starkes Wachstum auf dem Markt für CPU-basierte KI-Server
In seiner Studie verweist Lead-Analyst Simon Leopold, der laut TipRanks, einem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten, als äußerst zuverlässig gilt, auf die Chancen, die sich aus dem Geschäft mit KI-Servern und Rechenzentren ergeben.
Seiner Einschätzung nach sind nach GPUs jetzt aufgrund der wachsenden Bedeutung von Inferenzberechnungen vor allem CPUs gefragt. Er rechnet für den CPU-Server-Markt mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 44 Prozent bis 2030. Insgesamt soll diese Nische ein Marktvolumen von 201 Milliarden US-Dollar erreichen.
Diese Schätzung liegt zwar unter dem von AMD prognostizierten Wert von 220 Milliarden US-Dollar, Leopold sieht aber dennoch viel Wachstumspotenzial, da AMD einer der technologisch führenden CPU-Hersteller ist und Intel in den vergangenen Jahren viele Marktanteile abjagen konnte. Seiner Einschätzung nach verfügt AMD über die "stärkste Kombination" aus operativem Hebel, Marktposition und Marktanteilsgewinnen.
Er verweist zwar darauf, dass auch Nvidia zuletzt in das CPU-Geschäft eingestiegen ist, betont aber, das dessen Bedeutung gegenüber dem KI-Beschleunigergeschäft (GPUs) noch vernachlässigbar klein ist und es auch bleiben dürfte, was etablierten Unternehmen wie Arm, Intel und AMD Wettbewerbsvorteile schaffen könnte.
Analystensentiment gegenüber AMD fast uneingeschränkt positiv ...
Sein Kursziel von 641 US-Dollar liegt deutlich über dem Konsens von 612,29 US-Dollar. Insgesamt kommt die AMD-Aktie bei 53 Einschätzungen 38 Mal auf "Kaufen", 5 Mal auf "Übergewichten" sowie 10 Mal auf "Halten". Empfehlungen zum "Reduzieren" oder "Verkaufen" von Positionen liegen dagegen keine vor.
Das gegenwärtig niedrigste Kursziel liegt bei 365 US-Dollar und suggeriert substanzielle Abwärtsrisiken. Dem steht ein Street-High-Target von 1.250 US-Dollar gegenüber, was fast einer Verdreifachung entsprechen würde. Dieses Kursziel ist besonders bemerkenswert, nicht nur weil es so hoch ist, sondern weil es auch aus der Feder eines renommierten Analysten stammt: Tristan Gerra von Baird gilt laut TipRanks mit einer Trefferquote von 57 Prozent und einer durchschnittlichen Rendite von 33,8 Prozent ebenfalls als äußerst treffsicherer Experte.

... durch technisch überwiegen aktuell die Herausforderungen
In der US-Vorbörse konnte AMD stark von der zuversichtlichen Prognose profitieren, die Aktie legte rund 2,5 Prozent auf knapp 470 US-Dollar zu. Charttechnisch bleibt die Situation jedoch angespannt. Das Papier befindet sich seit Ende März zwar in einem steilen Aufwärtstrend, allerdings ist inzwischen deutlich eine Top-Bildung zu erkennen. Außerdem liegt auf Sicht der vergangenen Wochen ein kurzfristiger Abwärtstrend vor, der bereits zum Unterschreiten der 50-Tage-Linie geführt hat.
Zwischen 425 und 450 US-Dollar verfügt AMD gegenwärtig über eine starke Unterstützung. Erst wenn dieser Bereich nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unterschritten werden sollte, wäre die Top-Bildung vollendet und AMD könnte vor einer Korrektur in Richtung der 200-Tage-Linie bei rund 330 US-Dollar stehen. Gelingt hingegen ein Anstieg über 505 bis 510 US-Dollar könnte der aktuelle Abwärtstrend als Teil einer Bullenflagge und damit als Trendfortsetzungssignal interpretiert werden.
Fazit: Auch die Bewertung könnte weiteren Gewinnen im Wege stehen
Der größte Gegenwind für weitere Kursgewinne kommt unabhängig vom positiven Analystensentiment von der inzwischen weit fortgeschrittenen Unternehmensbewertung. Nach der aufsehenerregenden Rallye ist AMD für das Geschäftsjahr 2026 bereits mit einem KGVe von 60,4 bewertet. Selbst für 2027 steht ein Gewinnvielfaches von 29,5 zu Buche, was deutlich über dem Vergleichswert von Rivale Nvidia (23,1) liegt. Gleichzeitig ist das Gewinnwachstum bei AMD nicht ganz so günstig zu haben, wie bei anderen Mitbewerbern; das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis suggeriert mit 0,95 einen fairen Wert.
Damit AMD in die bereits großzügige Unternehmensbewertung hineinwachsen kann, muss das Wachstum in den kommenden Quartalen die Analystenerwartungen nicht nur treffen, sondern auch übertreffen. Ob das gelingen kann, dafür dürften die Quartalszahlen von Nvidia am Mittwochabend ein Fingerzeig sein. Wenngleich Raymond-James-Analyst Simon Leopold die Aktie jetzt hochgestuft hat, ist sie auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau nicht mehr uneingeschränkt empfehlenswert.
Gastautor: Max Gross
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