
© Foto: Nic Wood auf Pexels (Symbolbild)
Eigentlich läuft es bei Infineon gerade richtig gut. Rekordumsatz im dritten Quartal, ein cleverer Zukauf in Indien, der die KI-Sparte pusht, dazu ein gerade abgeschlossenes Aktienrückkaufprogramm. Trotzdem bricht die Aktie ein Stück nach dem anderen weg, mittlerweile schon recht deutlich unter dem zuletzt markierten Hoch bei fast 90 Euro. Der Grund liegt nicht im eigenen Haus, sondern im Sektor: Alle starren gebannt auf die Nvidia-Zahlen, die am heutigen Mittwoch nach Börsenschluss kommen sollen. Bis dahin bleibt Infineon eine Zitterpartie. Wir schauen uns an, was hinter dem Kursrutsch steckt und wo es jetzt hingehen könnte.
Zukauf in Indien trotz schwerem Umfeld
Infineon hat sich C2i Semiconductors geschnappt, ein Unternehmen aus Bangalore, spezialisiert auf softwaredefinierte Stromsteuerung für KI-Rechenzentren. Genau das Segment, das gerade explodiert, weil überall neue Serverfarmen für KI-Anwendungen aus dem Boden schießen. Der Deal soll noch in diesem Quartal abgeschlossen werden, einen Kaufpreis nennt der Konzern nicht. Mit dem Zukauf baut Infineon seine Präsenz in Indien weiter aus, dort arbeiten schon rund 2.800 Menschen für die Münchner. Eigentlich eine gute Nachricht. Trotzdem reagierte die Börse mit einem Schulterzucken, die Aktie gab am Ankündigungstag weiter nach.
Nvidia-Angst drückt auf den ganzen Sektor
Der eigentliche Belastungsfaktor sitzt woanders. Vor den Nvidia-Zahlen am heutigen Mittwoch ist die Nervosität im gesamten Chipsektor greifbar. Schon in der vergangenen Woche rauschte der Philadelphia Semiconductor Index um mehr als 5 Prozent runter, dazu kommen steigende US-Zinsen und geopolitische Unsicherheit. Infineon leidet als Zulieferer für KI-Stromversorgung besonders, schließlich hängt ein gutes Stück der eigenen Wachstumsstory an der Partnerschaft mit Nvidia. Binnen 7 Handelstagen hat die Aktie rund 13 Prozent verloren, mehrere Analysten senkten zuletzt ihre Kursziele, von UBS bis Morgan Stanley. Goldman Sachs dagegen hält unbeirrt an seinem Ziel von 91 Euro fest.

Charttechnik
Der Chart zeigt eine handfeste Korrektur. Erst kletterte die Aktie im Juni über ihr altes Allzeithoch aus dem Jahr 2000, dann ging die Luft raus. Seitdem geht es Stück für Stück abwärts, aktuell notiert der Kurs schon weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI pendelt bereits im Bereich um 30, klassisch ein Anzeichen für eine überverkaufte Situation. Fällt der Kurs weiter, wäre die Marke von knapp unter 50 Euro ein mögliches Ziel, dort verläuft ungefähr (2,50 Euro darüber) auch der 200er-SMA. Genau dort könnte dann ein Rebound ansetzen. Nach einer möglichen Übertreibung nach oben und einem erneuten Rücksetzer wäre grundsätzlich auch der Weg zurück in Richtung der UBS-Zielmarke von 64 Euro denkbar.
Was tun?
Fundamental steht Infineon eigentlich gar nicht schlecht da. Der Rekordumsatz von 4,172 Milliarden Euro im dritten Quartal und die bestätigte Jahresprognose von rund 16,3 Milliarden Euro sprechen für sich, auch die Marge von 19,1 Prozent kann sich sehen lassen. Der Zukauf von C2i passt strategisch ins Bild und stärkt das Zukunftsfeld KI-Infrastruktur. Charttechnisch bleibt der Titel aber angeschlagen, der Abwärtstrend ist intakt, auch wenn der überverkaufte RSI eine Gegenbewegung nahelegt. Die Analystenmeinungen gehen weit auseinander, zwischen 64 und 91 Euro liegen die Kursziele. Wer schon investiert ist, kann die Nerven behalten und die Nvidia-Zahlen abwarten. Wer neu einsteigen will, sollte auf eine erste Stabilisierung warten, statt jetzt blind ins noch fallende Messer zu greifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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