
© Foto: Gopikrishnan M auf Pexels (Symbolbild)
Eigentlich müsste bei Xpeng gerade Feierlaune herrschen. Die Robotik-Sparte holt sich mal eben über 900 Millionen US-Dollar von Schwergewichten wie Tencent und Alibaba. Trotzdem will an der Börse keine Freude aufkommen. Der Kurs rutscht weiter ab, allein am Montag ging es um mehrere Prozent nach unten. Der wahre Ärger sitzt woanders, nämlich im Kerngeschäft. Die Autosparte enttäuscht, der Ausblick klingt zäh, und Analysten kappen reihenweise ihre Kursziele. Während Rivale BYD zuletzt weiter aufs Gas drückt, droht Xpeng den Anschluss zu verlieren. Wir haben genauer für Sie hingeschaut, ob sich ein Kauf der Xpeng-Aktie jetzt lohnen könnte.
Zahlen enttäuschen trotz Wachstum
Zuletzt legte Xpeng seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Umsatz kletterte um acht Prozent auf 19,74 Milliarden Yuan. Das klingt erstmal ordentlich, blieb aber unter dem, was der Markt erwartet hatte. Schwerer wiegt der Blick auf den Verlust. Der hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdreifacht, auf 1,34 Milliarden Yuan. Immerhin zog die Bruttomarge auf 20,7 Prozent an. Die reine Fahrzeugmarge dagegen trat auf der Stelle, bei mageren 12,1 Prozent. Auch der Ausblick fürs dritte Quartal liegt spürbar unter dem, womit Analysten gerechnet hatten. Ein Muster, das sich langsam, aber stetig wiederholen könnte.
Roboter-Milliarde und Rückruf-Risiko
Und dann ist da noch die andere Seite der Medaille. Die Robotik-Tochter Dogotix sammelte in ihrer Finanzierungsrunde über 900 Millionen US-Dollar ein. Bewertet wird diese jetzt mit mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar. Mit dabei sind schwere Namen wie IDG Capital, Tencent und Alibaba. Das Geld soll in Hardware, Software und das Training humanoider Roboter fließen, die Serienproduktion ist bis Jahresende geplant. Klingt nach Zukunftsmusik mit Substanz. Nur leider kommt fast zeitgleich schlechte Post aus einer ganz anderen Ecke. Ein branchenweiter Rückruf wegen einer möglichen Schwachstelle bei der elektronischen Tür-Notentriegelung betrifft Millionen Fahrzeuge in China, und auch Xpeng taucht in der betroffenen Gruppe auf. Details zu den konkreten Modellen fehlen bislang.

Charttechnik
Schön sieht anders aus. Seit fast einem Jahr geht es mit dem Kurs kontinuierlich bergab, ein Ende ist charttechnisch leider derzeit noch nicht in Sicht, aber es gibt Hoffnung, denn der RSI pendelt schon seit Wochen um die 30er-Marke. Klassisch ist dies ein Zeichen für eine überverkaufte Aktie. Trotzdem hat sich daraus bisher kein Boden gebildet. Rutscht der Kurs weiter, wäre die 10-US-Dollar-Marke ein realistisches nächstes Ziel. Genau dort könnte dann aber ein erster Stabilisierungsversuch starten.
Was tun?
Unterm Strich bleibt ein geteiltes Bild. Das Kerngeschäft enttäuscht, der Ausblick ist schwach, und der Verlust wächst schneller als der Umsatz. Die Robotik-Fantasie rund um Dogotix ist strategisch spannend, dürfte sich aber erst in einigen Jahren wirklich auszahlen. Charttechnisch bleibt der Abwärtstrend noch intakt, auch wenn der überverkaufte RSI zumindest eine Verschnaufpause, bzw. auch schon zarte Züge eines Rebounds andeuten könnte. Wer neu einsteigen möchte, sollte lieber auf ein klares Stabilisierungssignal warten, statt jetzt ins fallende Messer zu greifen, oder aber gestaffelt, nicht alles auf einmal, einsteigen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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