
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Zur Wochenmitte muss sich SAP mit einem Platz am DAX-Ende begnügen. Ein Downgrade der UBS sowie schwache Vorgaben von Intuit belasten das Sentiment und gefährden die jüngste Erholungsrallye.
Belastender Newsflow: SAP-Aktie bricht Erholung ab
Um fast 50 Prozent hat sich die SAP-Aktie in den vergangenen Wochen erholen können, nachdem sie noch Ende Juli auf ein neues Mehrjahrestief gefallen war. Zufriedenstellende Quartalszahlen und eine Erholung in der gesamten Software-Branche befeuerten die Aufholjagd. Doch die wird am Mittwoch auf eine harte Probe gestellt. Mit Verlusten von rund 4 Prozent finden sich die Anteile am Ende des deutschen Leitindex DAX ein.
Belastet wird die Aktie einerseits durch ein Downgrade der Schweizer Großbank UBS und anderseits durch schwache, am Dienstagabend von Intuit vorgelegte Quartalszahlen, welche die gesamte Software-Branche einmal mehr in Misskredit bringen und zu einem flächendeckenden Abverkauf führen.
UBS stuft ab, bemängelt schleppende KI-Integration
UBS-Analyst Michael Briest hat zwar sein Kursziel von 164 auf 201 Euro angehoben, das Bullenlager aber verlassen und SAP von "Kaufen" auf "Neutral" herabgestuft. Er sieht die Unternehmensbewertung als vernünftig an, verweist in seiner Einschätzung aber auf eine "fragile" Anlegerstimmung. Außerdem bemängelte er eine schleppende Integration von agentischer KI in das bestehende Softwaregefüge. Das begrenze Monetarisierungsmöglichkeiten und treibe Unternehmenskunden in die Arme von Mitbewerbern. Als kurzfristiges Abwärtsrisiko hat er eine Verlangsamung bei den vertraglich zugesicherten Cloud-Umsätzen identifiziert, die "im zweiten Halbjahr das wahrscheinlichste Szenario" sei.
Briest gilt laut TipRanks, einem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten, als überdurchschnittlich zuverlässiger Experte mit einer Trefferquote von 53 Prozent. Er gehört damit zu den Top-25-Prozent seines Fachs. Sein neues Kursziel von 201 Euro liegt etwas unter dem Konsenswert von 205,77 Euro, welches eine Upside von knapp 11 Prozent auf den Kurs vom Mittwochmittag impliziert. Insgesamt überwiegen mit 25 von 28 Einschätzungen unverändert die Empfehlungen entweder zum "Kaufen" oder "Übergewichten" der Aktie.
Intuit belastet mit schwachem Ausblick die gesamte Softwarebranche
Zusätzlich zum UBS-Downgrade sorgen die von Intuit vorgelegten Quartalszahlen für schlechte Stimmung. Der Spezialist für Finanzbuchhaltungs-, Steuer- und Compliance-Software konnte die Erwartungen der Analystinnen und Analysten zwar übertreffen, allerdings enttäuschte der Ausblick auf das kommende Quartal.
Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten die Erlöse um 14,9 Prozent auf 4,4 Milliarden US-Dollar zu. Damit wurden die Schätzungen um 130 Millionen US-Dollar übertroffen. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 erwirtschaftete Intuit einen Konzernumsatz von 18,91 Milliarden US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahresergebnis von 16,4 Milliarden US-Dollar einem Anstieg von 15,3 Prozent entspricht.
Der bereinigte Gewinn pro Aktie landete mit 4,03 US-Dollar um 44 Cent über den Erwartungen. Insgesamt erzielte Intuit in den vergangenen 3 Monaten einen auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettogewinn in Höhe von 363 Millionen US-Dollar nach 381 Millionen US-Dollar im Jahr zuvor. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Nachsteuerertrag von 4,57 Milliarden US-Dollar.
Trotz verbesserter Geschäftszahlen zeigten sich Investoren in der US-Nachbörse unversöhnlich und sorgten für zweistellige Kursverluste, nachdem sowohl der Ausblick auf das kommende Quartal als auch das gesamte Geschäftsjahr 2027 hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Intuit rechnet mit Erlösen zwischen 23,3 und 23,5 Milliarden US-Dollar gegenüber einer Markterwartung von 23,7 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich dabei auf 22,58 bis 23,12 US-Dollar belaufen, was weit hinter den Schätzungen von 27,30 US-Dollar zurückblieb.
Die Korrektur dürfte gerade erst begonnen haben
Die Kombination aus Downgrade und schwacher Guidance eines Peers verfehlten ihre Wirkung am Mittwoch nicht. Mit einem Minus von knapp 4 Prozent landete die SAP-Aktie am Ende des deutschen Leitindex DAX. Dadurch verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die Erholungsrallye ihren Höhepunkt bereits erreicht hat und nun ein korrektiver Abwärtstrend folgt. Dieses Szenario wurde bereits am vergangenen Freitag skizziert.
Best-Case-Szenario ist, dass die Aktie Halt bereits im Bereich zwischen 165 und 175 Euro und damit an der 200-Tage-Linie findet. Mit Blick auf den zuletzt überverkauften RSI, der außerdem bearishe Divergenzen geliefert hat, sowie den Trendstärkeindikator MACD, der jetzt unter seine Signallinie gefallen ist, sollte ein Rücksetzer bis mindestens zur 50-Tage-Linie jedoch als das wahrscheinlichere Szenario betrachtet werden. Immerhin: Hier wäre die Aktie auch fundamental wieder deutlich attraktiver.
Fazit: Auf Verluste - und eine neue Einstiegsgelegenheit einstellen!
Beim deutschen Software-Primus SAP deutet jetzt alles auf ein Ende der Erholungsrallye hin. Technisch liegen erste Verkaufssignale vor, während der Newsflow am Mittwoch mit einem Downgrade und einem branchenweiten Abverkauf infolge des schwachen Ausblicks von Intuit negativ ist. Kurzfristig orientierte Traderinnen und Trader dürften gut beraten sein, ihre in den vergangenen Wochen erzielten Gewinne mitzunehmen.
Wer sich als Anlegerin, als Anleger langfristig an die Aktie gebunden hat, muss sich auf eine mehrwöchige Konsolidierungsphase einstellen - die aber könnte noch nicht investierten Akteuren eine Einstiegsgelegenheit verschaffen; für einen Kurs von 154 Euro, wo aktuell die 50-Tage-Linie verläuft, wären die Walldorfer für 2026 mit einem KGVe von 21,9 und für 2027 von 18,9 und damit attraktiv bewertet.
Gastautor: Max Gross
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