clearvise hat seine strategische Neuausrichtung zur YieldCo in den vergangenen Monaten deutlich konkretisiert. Im Kern geht es nicht mehr darum, das Wind- und Solarportfolio möglichst schnell zu vergrößern. Stattdessen sollen die vorhandenen Assets optimiert, die Kapitalstruktur verbessert und die erwirtschafteten Mittel so eingesetzt werden, dass der Unternehmenswert und perspektivisch auch die Ausschüttungen steigen. Das hat der seit März amtierende Alleinvorstand Bernhard Gierke jetzt in einem Interview mit SmartCaps erläutert.
Interessant ist dabei vor allem die Kapitalallokation. Für 2025 soll es noch keine Dividende geben, da clearvise die verfügbaren Mittel aktuell für andere Maßnahmen als wertsteigernder erachtet. Dazu zählen die Optimierung des Portfolios und ein geplantes Aktienrückkaufprogramm. Angesichts des erheblichen Abschlags des Aktienkurses zum Eigenkapitalwert könnte gerade ein Rückkauf ein wirkungsvoller Hebel sein. Langfristig hält das Management aber ausdrücklich am Ziel einer nachhaltigen Ausschüttungspolitik fest.
Parallel wird das Portfolio stärker auf Rendite getrimmt. 13 kleine PV-Anlagen mit zusammen 8,6 MW, die nur 2,2 Prozent des Portfolios ausmachten, aber vergleichsweise hohe Verwaltungskosten verursachten, wurden bereits verkauft. Den Erlös will clearvise überwiegend zum Schuldenabbau verwenden. Weitere Verkäufe sind möglich, wenn sich das freigesetzte Kapital an anderer Stelle rentabler einsetzen lässt.
Einen wichtigen Investitionsschwerpunkt könnten Batteriespeicher bilden. Sie sollen künftig an bestehenden Standorten helfen, Strom stärker in lukrative Preisphasen zu verschieben und die Folgen von Abregelungen zu reduzieren. Das Potenzial ist erheblich: Ohne Redispatch-Eingriffe hätte clearvise allein 2025 rund 58 GWh mehr Strom produziert. Hinzu kommen mögliche Effizienzgewinne bei Stromvermarktung, IT und KI durch die Zusammenarbeit mit Großaktionär Tion Renewables.
Operativ verfügt clearvise über eine solide Basis für die Transformation. Im ersten Halbjahr 2026 wurden inklusive Ausgleichszahlungen 22,3 Mio. Euro umgesetzt und ein bereinigtes EBITDA von 16,0 Mio. Euro erzielt. Für das Gesamtjahr bestätigt das Management die Prognose von 44,2 bis 46,5 Mio. Euro Umsatz und 26,7 bis 28,7 Mio. Euro bereinigtem EBITDA.
Damit wird der neue Kurs zunehmend greifbar: selektive Investitionen statt Expansion um jeden Preis, Verkäufe schwächerer Assets, Schuldenabbau, Aktienrückkäufe und perspektivisch regelmäßige Dividenden. Gelingt es clearvise, diese Strategie konsequent umzusetzen, könnte sich auch der Blick der Börse auf die zuletzt sehr niedrig bewertete Aktie wieder ändern.
(aktien-global.de, erstellt 02.09.26, 10:39 Uhr, veröffentlicht 02.09.26, 10:45 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
Originalmeldung: https://www.aktien-global.de/news-cov/newscov_clearvise/clearvise_batteriespeicher_aktienrueckkaeufe_dividenden__das_ist_der_neue_kurs-24873/



