DJ KONJUNKTUR IM BLICK/EZB hebt Leitzins an - US-Inflation sinkt
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte am Donnerstag beschließen, den Satz für Bankeinlagen um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anzuheben. ESTR-Forwards preisen einen solchen Schritt voll ein, und dafür gibt es gute Gründe: Die Inflation hat sich zuletzt weiter vom EZB-Zielwert 2 Prozent entfernt, der Iran-Krieg mit weitgehender Sperrung der Straße von Hormus setzt sich fort, und die Kommunikation der EZB lässt ebenfalls keinen Zweifel daran, dass sie den Leitzins auf ein Niveau anheben wird, das zuletzt im März 2025 herrschte.
Analysten und Marktteilnehmer werden das geldpolitische Statement und die Aussagen von Präsidentin Christine Lagarde genau nach versteckten Hinweisen auf den weiteren Zinskurs absuchen und die aktuellen Stabsprojektionen für Inflation und Wachstum einer genauen Prüfung unterziehen. Die Zinsentscheidung wird um 14.15 Uhr bekanntgegeben, die Pressekonferenz mit Lagarde beginnt gegen 14.45 Uhr. Darüber hinaus stehen in der Woche Zahlen zur deutschen Produktion und den Exporten, sowie US-Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten an.
Inflation steigt im August auf 3,3 Prozent
Die Inflation im Euroraum ist im August zum zweiten Mal in Folge gestiegen, die Verbraucherpreise lagen um 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. In der Nähe des EZB-Inflationsziels von 2 Prozent befand sich die Teuerung zuletzt vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar. Zwar liegt das bisher vor allem an den Energiepreisen, doch mehren sich die Anzeichen für eine Ausbreitung des Preisdrucks auf andere Bereiche.
Noch sind die längerfristigen Inflationserwartungen einigermaßen verankert, und der Lohndruck dürfte abnehmen. Allerdings planen die Unternehmen weiterhin, höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben, und je besser die Wirtschaft läuft, desto besser wird ihnen das gelingen. Und die Wirtschaft läuft viel besser, als bis vor kurzen gedacht. Wie sich das Geschehen am Golf weiter entwickeln wird, ist nicht absehbar. Eine Deeskalation zeichnet sich aber nicht ab. Im Gegenteil: Der Iran hätte durchaus Anreize, im Vorfeld der US-Zwischenwahlen neue Angriffe zu starten.
Die wichtigste Zahl der Woche wird die US-Inflationsrate für August sein, die am Freitag um 14.30 Uhr veröffentlicht wird. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gestiegen sind und um 3,3 (Juli: 3,4) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,2 und 2,3 (2,5) Prozent prognostiziert. Die Reise ginge damit aus Sicht der Fed zumindest in die richtige Richtung.
Fed-Funds-Futures preisen unterdessen eine Zinserhöhung der Fed am 16. September inzwischen nur noch zu 50 Prozent ein: Der Offenmarktausschuss (FOMC) scheint in der Frage gespaltener denn je. Sechs Mitglieder haben eine Präferenz für unveränderte Zinsen zu erkennen geben, fünf wollen eine Anhebung, so dass es auf das Votum von Fed-Chairman Kevin Warsh ankommen könnte. Und der hat sich zuletzt eher "hawkish" geäußert. Am Donnerstag (14.30 Uhr) kommen die US-Erzeugerpreise. Teile beider Indizes gehen in die Berechnung des Preisindex' der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) ein, den die Fed für das geeignetste Inflationsmaß hält.
Außerdem kommen Konjunkturdaten aus Deutschland:
Deutsche Produktion steigt im Juli marginal
Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands dürfte mit einem marginalen Zuwachs ins dritte Quartal gestartet sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Produktion in der Industrie, am Bau und in der Energiewirtschaft gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen ist. Der Industrieumsatz, der allerdings kein ganz verlässlicher Vorlaufindikator der Produktion ist, ist im Juli um 1,4 Prozent gesunken. Die Daten werden am Montag (8.00 Uhr) veröffentlicht. Am Dienstag kommen zur gleichen Zeit die deutschen Außenhandelszahlen.
Deutsche Exporte sinken im Juli
Die deutschen Ausfuhren dürften im Juli leicht gesunken sein. Volkswirte erwarten, dass sie gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent zurückgegangen sind. Im Juni waren die Exporte um 0,9 Prozent gestiegen und im Mai um 1,1 Prozent. Vor allem die gestiegene Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern ist die Ursache des zuletzt überraschend starken Wachstums der deutschen Wirtschaft.
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September 04, 2026 09:03 ET (13:03 GMT)
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