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Die Infineon-Aktie stand in den vergangenen Wochen unter erheblichem Verkaufsdruck, doch das Chartbild beginnt, sich zunehmend aufzuhellen. Ist das eine Chance?
Infineon mit neuem Erholungsversuch: Klappt es dieses Mal?
Halbleiterwerte gehörten zu den in diesem Börsenjahr erfolgreichsten Wetten. Zwar mussten viele Werte aus der Branche in den vergangenen Wochen Federn lassen, doch zahlreiche Unternehmensanteile haben sich gegenüber dem Jahresauftakt verdoppelt oder gar vervielfacht. Dieses Kunststück war zeitweise auch Infineon gelungen. Nach einer schmerzhaften Korrektur seit Juni steht jedoch "nur" noch ein Plus von rund 50 Prozent zu Buche.
Seit rund zwei Wochen befindet sich die Aktie jedoch in einem kurzfristigen Bodenbildungsprozess. Dieser scheint am Freitag endlich Früchte zu tragen, denn mit einem Plus von rund 2,5 Prozent gehört Infineon vor dem Wochenende zu den Spitzenwert im Deutschen Leitindex DAX. Besteht damit bereits die Gelegenheit, wieder in die Aktie einzusteigen und auf einen neuen Aufwärtstrend zu setzen oder sind die Gefahren zur Unterseite noch zu groß?

Erst die Party, dann der (monatelange) Kater ...
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr notiert die Aktie trotz der 40-Prozent-Korrektur seit Juni mit einem Plus von über 80 Prozent. Das demonstriert die hohe Dynamik, mit welcher die Infineon-Aktie aus dem zwischen 30 und 40 Euro zwischen 2023 und Anfang 2026 verlaufenden Seitwärtstrend ausgebrochen ist. Verantwortlich hierfür war vor allem, dass sich die Wahrnehmung gegenüber dem Unternehmen geändert hat von einem Halbleiterhersteller für Industrie- und Automotive-Anwendungen hin zu einem KI-Profiteur, der mit seinen Energiemanagement- und Sensortechniksystemen vom Rechenzentrumsausbau profitiert.
Zwar sorgte der Iran-Krieg für eine erste deutliche Korrektur in diesem Jahr, doch die konnte rasch wieder wettgemacht werden, nachdem es zu einer bullishen U-Konsolidierung und einem starken Branchentrend gekommen war. Sogar die uralten Kursrekorde aus den Zeiten der Dotcom-Blase konnten im Mai/Juni eingestellt und übertroffen werden. Seither herrscht jedoch eine hartnäckige Korrektur, die auf bearishe Divergenzen im Relative-Stärke-Index (RSI) sowie eine zeitweise deutlich zu hohe Unternehmensbewertung zurückzuführen ist.
... doch inzwischen sieht die Aktie wieder deutlich besser aus!
Trotz der starken Kursverluste mit klaren Verkaufssignalen, wie dem Unterschreiten der 50-Tage-Linie sowie der Bruch des Unterstützungsbereichs zwischen 60 und 63 Euro, konnte die Infineon-Aktie ihren Abwärtstrendkanal inzwischen verlassen. Damit hat die Verkaufsbewegung bereits spürbar an Momentum eingebüßt. Eine erste Zwischenerholung entpuppte sich zwar nicht als nachhaltig, doch im Bereich von 56 Euro ist es zu einem Dreifachboden gekommen.
Der wurde unterstützt durch bullishe Divergenzen im RSI sowie im Trendstärkeindikator MACD. Beide befinden sich inzwischen in Aufwärtstrends, welche die Erholung der Anteile unterstützten. Zwar ist vor allem der MACD noch schwach mit einer Notierung deutlich unter der Nulllinie, was einen intakten Abwärtstrend anzeigt. Seine Signallinie hat er bereits jedoch überwinden können, was den Verlust von Abwärtsmomentum anzeigt und nach heftigen Korrektur häufig schon für eine Erholung ausreicht. Gleichzeitig hat der RSI den überverkaufen Bereich verlassen. Er zeigt jetzt einen neutralen Trend an.
Klare Einstiegs- oder Kaufsignale liegen damit zwar noch keine vor, doch die Chancen auf eine Erholung wachsen täglich - zumindest solange der Dreifachboden bei rund 56 Euro oder gar die 200-Tage-Linie bei rund 53,40 Euro nicht nachhaltig aufgegeben werden. Vor allem antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger finden jetzt eine Chance mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis vor. Wer lieber prozyklisch handelt und investiert sollte hingegen darauf warten, bis Infineon den Widerstandsbereich zwischen 60 und 63 Euro geknackt sowie die 50-Tage-Linie bei 63,87 Euro zurückerobert hat.
Fazit: Einstiegschance für antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger!
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung haben die Anteile von der scharfen Korrektur enorm profitiert. Zwar steht für 2026 noch immer ein KGVe von 43,6 zu Buche, doch die Gewinne dürften vor allem im kommenden Geschäftsjahr zügig wachsen. Nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten führt das zu einem KGVe 2027 von 23,1 - ein Wert deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 33,4. Auch beim EV/EBITDA-Verhältnis kann Infineon mit 11,5 glänzen. Hier liegt der Branchendurchschnitt gegenwärtig bei 14,3. Allerdings ist die Cashflow-Rendite noch deutlich verbesserungsbedürftig.
Insgesamt hellt sich Ausgangslage für die Infineon-Aktie deutlich auf. Über den sprichwörtlichen Berg ist sie zwar noch nicht, doch ein kurz- und mittelfristiger Boden könnte bereits gefunden sein, womit die Anstiegschancen wieder überwiegen. In der Halbleiterbranche mag es zwar noch günstigere oder charttechnisch konstruktiver handelnde Aktien geben, doch wer mit einer Vorliebe für den deutschen Heimatmarkt handelt, kann langsam wieder zugreifen.
Gastautor: Max Gross
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