EMDEN (dpa-AFX) - Nach der Einigung zu den Sparplänen bei Volkswagen ist am Standort im ostfriesischen Emden die Verunsicherung bei den Beschäftigten, wie es mit ihrem Werk weitergeht, nach wie vor groß. Die Beschäftigten und ihre Familien seien nach dem Beschluss des VW-Aufsichtsrats "höchst verunsichert", sagte Betriebsratschef Manfred Wulff. "Wir müssen Ruhe reinbekommen in den ganzen Druck, damit wir endlich arbeiten können." Die Emder Belegschaft sei bereit, weiter an den schon vereinbarten Zielen zu den Kosteneinsparungen zu arbeiten und sei auf gutem Weg diese zu erfüllen.
Der VW-Aufsichtsrat hatte sich am Donnerstagabend überraschend auf einen Sparplan geeinigt. Die Konzernproduktion soll auf neun Millionen Fahrzeuge im Jahr sinken, zudem sollen weltweit 50.000 weitere Stellen wegfallen. Für die VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie für das Audi-Werk in Neckarsulm könne keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden, hieß es. Für diese Werke würden "parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft".
Betriebsratschef pocht auf Tarifvertrag
Der Emder Betriebsratschef zeigte sich kämpferisch. "Es gibt einen gültigen Tarifvertrag", betonte Wulff und verwies auf die Vereinbarung von 2024. Darin sei die Zusage festgehalten, sollte das Emder Werk die vereinbarten Ziele erreichen, würden weiterhin Autos wie etwa der ID.4 Tiguan ab 2031 in der ostfriesischen Hafenstadt produziert werden. "Stand heute gehe ich nach wie vor davon aus, dass dieser Vertrag Gültigkeit hat", sagte der Betriebsratschef.
Im Emder VW-Werk arbeiten rund 7.700 Beschäftigte, es ist der wichtigste industrielle Arbeitgeber in Ostfriesland. Noch sei der Konflikt aber nicht gelöst, sondern ins nächste Jahr reingeschoben worden, sagte Wulff. "Wir haben jetzt ja die Mohrrübe hingehalten bekommen für zwei Jahre und anscheinend wird sie noch mal weiter weggehängt."
Nun komme es auf die weiteren Gespräche zwischen Arbeitnehmern und Vorstand an. "Wir gucken uns die Situation zusammen an und versuchen dann mit allen Standorten, möglichst mit dem Autobau natürlich, dann durch die Tür zu kommen", sagte Wulff. "Das ist unsere Haltelinie und da stehen wir nach wie vor zu. Und diese Tür ist nicht zu."
Land signalisiert Unterstützung
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD), der spontan am Nachmittag das Emder VW Werk besuchte, sagte, man brauche nun schnell Klarheit für den Standort. "Für uns ist völlig außer Frage, dass es hier eine Zukunft geben muss, und darum gilt es jetzt gemeinsam zu ringen."
Niedersachsen ist mit 20 Prozent an dem Konzern beteiligt. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sitzen als Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat.
"Ich kann die Zweifel und auch das Misstrauen verstehen", sagte der Wirtschaftsminister. Gerade mit Blick auf die Einigung 2024 habe die Emder Belegschaft schon einen "Erfahrungsschatz gesammelt". Er sicherte die Unterstützung des Landes zu. "Wir wollen landesseitig mit all den Möglichkeiten, die wir zur Verfügung haben, für eine gute Perspektive und für den Standort kämpfen. Wir wollen mit dem Werk für das Werk uns ins Zeug legen. Das kriegen wir nur gemeinsam hin."/len/DP/zb




