
© Foto: Redaktion - Symbolbild mithilfe von KI generiert
Bei Rheinmetall stimmt gerade einiges nicht. Die Zahlen entwickeln sich gut, die Auftragsbücher sind prall gefüllt, und trotzdem will die Aktie einfach nicht mehr hoch. Nach dem Absturz vor ein paar Wochen unter die 1.000 Euro-Marke tut sich der Titel schwer, wieder Fuß zu fassen. Zwei Mega-Aufträge stehen im Raum, einer in Deutschland, einer in den USA. Doch der Markt bleibt misstrauisch. Wir schauen uns an, woran es liegen könnte, was die Charttechnik sagt und ob sich ein Einstieg trotzdem lohnen könnte.
Der Wurm ist drin - kommt er wieder raus?
Irgendwie ist der Wurm drin bei Rheinmetall. Seit Monaten "robbt" sich die Aktie mühsam nach oben, nur um kurz darauf wieder abzusacken. Mitte August reichte es noch für ein Hoch von über 1.200 Euro, dann ging die Luft raus. Der September startete kaum besser. Auch eine frische Kaufempfehlung der Deutschen Bank mit Kursziel 1.800 Euro verpuffte praktisch wirkungslos. Der Kurs rutschte trotzdem wieder an, bzw. auch unter die 1.100 Euro-Schwelle. Dabei läuft operativ eigentlich vieles ganz gut. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um rund 70 Prozent, das operative Ergebnis legte sogar um 115 Prozent zu. Der Auftragsbestand liegt bei über 80 Milliarden Euro! Und trotzdem senkte der Konzern seine Umsatzprognose für 2026, nachdem das große Fregattenprojekt F126 an den Konkurrenten TKMS ging. Das war schon hart und der Treffer saß, auch wenn trotzdem die Marge stabil bei etwa 19 Prozent bleiben soll. Zwei Riesenprojekte könnten die Stimmung vielleicht doch noch drehen. In den USA kämpft Rheinmetall gemeinsam mit Partnern um die Erneuerung der Bradley-Schützenpanzerflotte der US Army, ein Auftrag mit einem Volumen von über 45 Milliarden US-Dollar. Die Entscheidung fällt aber wohl erst Ende 2027. In Deutschland steht das "Boxer-Programm Arminius" im Raum, bis zu 3.000 Fahrzeuge, ein Auftragswert von bis zu 40 Milliarden Euro. Hier wird die Entscheidung schon im Dezember erwartet. Dazu kommen kleinere, aber sichtbare Fortschritte. In Kassel baut Rheinmetall für rund 270 Millionen Euro Panzerproduktion, Logistik und ein Drohnen-Testzentrum aus, die Belegschaft soll auf 3.500 Mitarbeiter wachsen. In Litauen sicherte sich der Konzern zudem einen Auftrag über 250 Millionen Euro für ein Militärlager für bis zu 2.000 Soldaten. Verzögerungen bei anderen Projekten, etwa dem Flugabwehrsystem Skyranger 30, sorgen aber weiter für Unsicherheit.

Charttechnik
Der Chart zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise zuletzt ging. Nach dem Jahreshoch im Januar ging es Monat für Monat bergab. Erst Ende Juli gelang der Sprung der Aktie über den 50er SMA, doch die Kraft für einen echten Ausbruch fehlte. Zuletzt fiel der Kurs wieder unter den 50er SMA und aktuell notiert er in etwa dieses gleitenden Durschnitts. Fällt die Aktie jetzt weiter, setzt sich möglicherweise der Abwärtstrend der vergangenen Monate fort. Dann könnte es auch wieder unter die Markt von 1.000 Euro gehen und auch vielleicht ganz schnell Richtung 900 oder gar 800 Euro. Bislang hat sich aber der Boden bei um die 940 Euro als stabil erwiesen.
Was tun?
Fundamental sieht vieles gut aus, Wachstum, Margen, Auftragsbestand, das spricht klar für den Konzern. Die Deutsche Bank sieht bei 1.800 Euro noch reichlich Potenzial, auch Analysten von Morningstar halten die Aktie für unterbewertet und loben den breiten Burggraben des Geschäftsmodells. Charttechnisch sieht es dagegen eher mau aus, der Bruch wichtiger Linien spricht eher für weitere Schwäche. Die gesenkte Umsatzprognose und verzögerte Projekte nähren zudem Zweifel, ob sich die volle Auftragslage tatsächlich zeitnah in Umsatz übersetzt. Wer neu einsteigen möchte oder mit dem Gedanken spielt, sollte die Entwicklung um die 940-Euro-Marke im Blick behalten und vielleicht eher abwarten, bis sich charttechnisch wieder eine klarere Richtung nach oben zeigt. Wenn schon Einstieg, dann vielleicht auch mit einer gestaffelten Strategie. Nicht alles auf einmal auf eine Karte setzten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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