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Die US Army will ihre Militärbasen unabhängiger von verwundbaren Stromnetzen machen - und setzt dafür auf eine Technologie, die noch vor wenigen Jahren wie ein Nischenmarkt wirkte. Bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar sollen in den kommenden Jahren in militärische Mikroreaktoren fließen. Fünf Unternehmen wurden bereits für die ersten fünf Standorte ausgewählt, darunter Westinghouse, BWXT und General Atomics. Zusammen mit privatem Kapital erwartet die Army, dass mehr als 20 Mikroreaktoren auf Einrichtungen des US-Verteidigungsministeriums entstehen. Der erste von der Army regulierte Reaktor soll nach aktuellem Ziel bereits bis September 2028 in Betrieb gehen. Für Anleger entsteht daraus eine Rohstofffrage, die weit über Uran hinausgeht. Denn bestimmte fortgeschrittene Reaktorkonzepte benötigen extrem reines Graphit. Genau in diesem Spezialmarkt versucht sich Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) zu positionieren: Material aus dem kanadischen Lac-Knife-Projekt erreichte in Tests 99,9996 Prozent Kohlenstoff und einen für nukleare Anwendungen entscheidenden Equivalent-Boron-Concentration-Wert von 2,03 ppm.
Die US Army will eigene Kernkraftwerke
Hinter der neuen Offensive steht das sogenannte Janus-Programm. Am 26. August gab die US Army bekannt, fünf Nuklearunternehmen und fünf erste Militärstandorte ausgewählt zu haben. Antares Nuclear soll einen Mikroreaktor in Fort Bragg in North Carolina entwickeln, BWXT Advanced Technologies in Fort Campbell in Kentucky, General Atomics Electromagnetic Systems in Fort Hood in Texas, Radiant Industries in Fort Benning in Georgia und Westinghouse Government Services in Fort Drum in New York. Gemeinsam mit der Defense Innovation Unit will die Army bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar vergeben, damit diese Unternehmen Mikroreaktoren errichten, besitzen und betreiben. Die Finanzierung soll über die Haushaltsjahre 2027 bis 2031 verteilt werden und zusätzlich erhebliches privates Kapital mobilisieren. Bezahlt wird dabei nach erreichten technischen Meilensteinen. Die Army verfolgt also keine reine Forschungsinitiative: Es sollen Reaktoren entstehen, die über Jahre zuverlässig Strom liefern können.
Warum das Militär plötzlich Atomkraft braucht
Die Begründung ist bemerkenswert. Moderne Militärstandorte benötigen immer mehr Energie, gleichzeitig betrachtet Washington die Abhängigkeit von externen Stromnetzen zunehmend als Sicherheitsrisiko. Ein konventionelles Stromnetz kann durch Naturkatastrophen, technische Ausfälle, Cyberangriffe oder im Konfliktfall durch gezielte Angriffe beeinträchtigt werden. Mikroreaktoren sollen deshalb direkt auf militärischen Einrichtungen zuverlässige Grundlast bereitstellen. Army Secretary Dan Driscoll begründete das Programm ausdrücklich mit der Notwendigkeit, Energie für Ausbildung, Einsatzbereitschaft und globale militärische Handlungsfähigkeit zu sichern, ohne von potenziell verwundbaren externen Netzen abhängig zu sein. Das Janus-Programm ist damit nicht nur ein Energieprojekt. Atomkraft wird zu einem Bestandteil militärischer Resilienz.
Mehr als 20 Reaktoren könnten erst der Anfang sein
Die Größenordnung macht die Meldung besonders interessant. Die ersten fünf Standorte sind lediglich der Beginn. Die Army erwartet unter Einbeziehung privaten Kapitals mehr als 20 Mikroreaktoren auf Einrichtungen des US-Verteidigungsministeriums. Weitere Standorte der Army und anderer Teilstreitkräfte sollen später bekanntgegeben werden. Gleichzeitig verfolgt Washington ein ambitioniertes Zeitfenster: Entsprechend der Executive Order 14299 von Präsident Donald Trump soll bis September 2028 ein erster von der Army regulierter Reaktor auf einem Militärstandort betrieben werden. Das langfristige Ziel reicht sogar über das Militär hinaus. Die Army erklärt ausdrücklich, dass das Programm erst dann vollständig erfolgreich sei, wenn mehrere Unternehmen zuverlässige und bezahlbare Mikroreaktoren entwickelt haben, die anschließend auch an Kunden außerhalb des Militärs verkauft werden können.
Wer über neue Reaktoren spricht, muss auch über Materialien sprechen
Damit beginnt die für Rohstoffanleger interessante zweite Ebene. Ein Kernreaktor besteht nicht nur aus Uran und Stahl. Je nach Reaktordesign werden hochspezialisierte Materialien benötigt, die extreme Temperaturen, Strahlung und lange Betriebszeiten aushalten müssen. Graphit kann bei bestimmten Reaktorkonzepten eine wichtige Rolle spielen, beispielsweise als Moderator oder als strukturelles beziehungsweise thermisches Material. Allerdings ist Graphit nicht gleich Graphit. Material, das für Batterien oder industrielle Anwendungen geeignet ist, erfüllt nicht automatisch die Anforderungen der Nuklearindustrie. Gerade Verunreinigungen können bei nuklearen Anwendungen entscheidend sein.
Warum 99 Prozent Reinheit plötzlich nicht mehr reichen
Genau hier beginnt der Unterschied zwischen normalem hochgradigem Graphit und Material für besonders anspruchsvolle Anwendungen. Ein Graphitkonzentrat mit 95 oder 98 Prozent Kohlenstoff kann für bestimmte industrielle Weiterverarbeitung interessant sein. Für nukleare Anwendungen können dagegen Reinheitsgrade von 99,999 Prozent und darüber relevant werden. Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied. Technologisch liegen zwischen 99 und 99,999 Prozent jedoch Welten. Bei 99 Prozent besteht ein Material noch zu einem Prozent aus anderen Bestandteilen. Bei 99,999 Prozent sinkt dieser Anteil auf wenige Millionstel. Gerade Elemente, die Neutronen stark absorbieren, können bei Graphit für nukleare Anwendungen problematisch sein.
Deshalb ist Bor so wichtig
Ein zentraler Messwert ist die sogenannte Equivalent Boron Concentration, kurz EBC. Dabei werden verschiedene neutronenabsorbierende Verunreinigungen entsprechend ihrer Wirkung in einen vergleichbaren Borwert umgerechnet. Der Grund ist physikalisch: Bestimmte Elemente können Neutronen absorbieren und damit Eigenschaften beeinflussen, die für den Einsatz von Graphit in einem Reaktorsystem entscheidend sein können. Deshalb reicht es nicht, nur den gesamten Kohlenstoffgehalt zu messen. Ein Material kann extrem rein erscheinen und trotzdem problematische Spuren einzelner Elemente enthalten. Focus verweist für Nuclear-Grade-Anwendungen auf einen häufig genannten EBC-Schwellenwert von weniger als 3 ppm. Genau an diesem Punkt werden die bisherigen Testergebnisse aus Lac Knife interessant.
Focus erreicht 99,9996 Prozent und 2,03 ppm EBC
Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) meldete im Dezember 2025 Ergebnisse weiterer Reinigungs- und Materialtests mit Graphit aus seinem Lac-Knife-Projekt in Québec. Dabei wurde nach Unternehmensangaben eine Reinheit von 99,9996 Gewichtsprozent Kohlenstoff, also 5N+, erreicht. Gleichzeitig ergab die nach ASTM C1233-15 berechnete Equivalent Boron Concentration einen Wert von 2,03 ppm. Damit lag das getestete Material unter dem von Focus genannten Schwellenwert von 3 ppm. Bereits im Juni 2025 hatte Focus bei Tests mit der American Energy Technologies Company, kurz AETC, eine Reinheit von rund 5N erreicht. Die späteren Ergebnisse verbesserten diesen Wert nochmals und ergänzten ihn um die für mögliche nukleare Anwendungen wichtige EBC-Analyse.
Der Reinigungsprozess könnte selbst Teil der Geschichte werden
Interessant ist dabei nicht nur das Endergebnis, sondern auch der Weg dorthin. Die 99,9996 Prozent wurden nach Angaben von Focus über elektrothermische Reinigung erreicht, ohne Halogengase wie Chlor und ohne Säuren. Die Verarbeitung des getesteten Materials dauerte zwei Stunden. Focus arbeitet mit AETC an einem elektrothermischen Verfahren und versucht, daraus einen skalierbaren nordamerikanischen Reinigungsprozess zu entwickeln. Bereits die vorherige 5N-Testreihe wurde bei AETC in Illinois unter einer inerten Atmosphäre und bei sehr hohen Temperaturen durchgeführt. Für Focus wäre damit langfristig nicht nur die Graphitlagerstätte selbst relevant. Entscheidend könnte die Fähigkeit werden, Naturgraphit reproduzierbar auf Reinheitsstufen zu bringen, die für hochwertige Spezialanwendungen interessant sind.
Eine Förderung von bis zu 14,1 Millionen kanadischen Dollar soll beim Scale-up helfen
Auch Kanada unterstützt diese Entwicklung. Focus erhielt eine bedingte Zusage für einen nicht rückzahlbaren Beitrag von bis zu 14,1 Millionen kanadischen Dollar aus der Global Partnerships Initiative von Natural Resources Canada. Das Geld ist für die Weiterentwicklung einer elektrothermischen Fluidized-Bed-Demonstrationsanlage vorgesehen. AETC soll dabei weiterhin Verarbeitungs- und thermische Reinigungsleistungen für Kundensampling und Produktqualifizierung bereitstellen. Für Anleger ist das wichtig, weil zwischen einem erfolgreichen Labortest und einer industriellen Produktion ein erheblicher Unterschied besteht. 99,9996 Prozent in einem Test zu erreichen, ist ein technischer Meilenstein. Entscheidend wird jedoch sein, ob ein solcher Prozess reproduzierbar, skalierbar und wirtschaftlich betrieben werden kann.
"Nuclear Grade" ist kein einzelner universeller Standard
Gerade bei der Verbindung zur neuen Army-Meldung ist eine wichtige Einschränkung notwendig. Focus weist selbst darauf hin, dass es kein universelles Nuclear-Grade-Graphit gibt, das automatisch für jeden Reaktor geeignet wäre. Reaktordesigns unterscheiden sich, Hersteller definieren konkrete Materialspezifikationen und ein Endanwender muss das jeweilige Graphit für seine Anwendung qualifizieren. Eine Reinheit von 5N+ und ein EBC-Wert von 2,03 ppm bedeuten deshalb nicht, dass Lac-Knife-Graphit automatisch in einem Kernreaktor eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass das Material technische Eigenschaften erreicht hat, die weitere Untersuchungen für entsprechende hochwertige Anwendungen rechtfertigen.
Focus liefert nicht an die US Army
Auch bei der aktuellen 2,2-Milliarden-Dollar-Offensive muss diese Grenze klar gezogen werden. Es gibt derzeit keine öffentlich bekannte Lieferbeziehung zwischen Focus Graphite und der US Army oder den fünf für das Janus-Programm ausgewählten Unternehmen Antares Nuclear, BWXT Advanced Technologies, General Atomics, Radiant Industries oder Westinghouse. Ebenso ist nicht belegt, dass die ausgewählten Reaktorkonzepte Lac-Knife-Graphit benötigen werden. Je nach Technologie können sich Materialanforderungen erheblich unterscheiden. Die Army-Meldung ist deshalb kein Auftrag für Focus. Sie zeigt vielmehr, wie schnell in Nordamerika ein neuer Markt für fortgeschrittene Kernenergietechnologien entstehen könnte - und weshalb die Lieferketten für spezialisierte Nuklearmaterialien stärker in den Fokus rücken könnten.
Das Militär könnte zum Beschleuniger einer größeren Industrie werden
Genau darin liegt möglicherweise die größere Geschichte. Die US Army möchte mit Janus nicht dauerhaft der einzige Kunde für diese Reaktoren bleiben. Das Programm soll private Unternehmen dabei unterstützen, Systeme zu entwickeln, die später auch außerhalb des Militärs verkauft werden können. Militärische Nachfrage könnte damit eine Rolle spielen, die staatliche Programme in anderen Hochtechnologiesektoren bereits häufiger übernommen haben: Der Staat finanziert einen Teil der frühen Entwicklung, schafft erste Abnehmer und hilft dabei, eine heimische Industrie aufzubauen. Sollte dieses Modell funktionieren, könnten Mikroreaktoren später auch für abgelegene Industrieanlagen, Rechenzentren, kritische Infrastruktur oder andere Standorte mit hohem Bedarf an zuverlässiger Energie interessant werden.
Nicht jeder Mikroreaktor braucht dieselbe Art von Graphit
Für Anleger ist dabei entscheidend, nicht aus dem Wachstum des Mikroreaktormarktes automatisch eine bestimmte Graphitnachfrage abzuleiten. Unterschiedliche Reaktortechnologien verwenden unterschiedliche Brennstoffe, Moderatoren und Strukturmaterialien. Einige fortgeschrittene Reaktordesigns nutzen große Mengen Graphit, andere deutlich weniger oder gar kein nukleares Graphit in vergleichbarer Funktion. Die fünf Janus-Anbieter verfolgen ebenfalls unterschiedliche technologische Ansätze. Wie viel und welche Art von Graphit daraus tatsächlich benötigt wird, hängt von den finalen Reaktordesigns und deren Materialqualifikation ab. Die neue Army-Initiative ist deshalb vor allem ein Signal dafür, dass der Markt für fortgeschrittene Kernenergie größer und strategisch relevanter wird - nicht automatisch eine konkrete Nachfrageprognose für Focus.
Genau deshalb könnte Materialqualifikation zum entscheidenden nächsten Schritt werden
Für Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Das Unternehmen hat gezeigt, dass Lac-Knife-Material in Tests auf 99,9996 Prozent Kohlenstoff gereinigt werden konnte und gleichzeitig einen EBC-Wert von 2,03 ppm erreichte. Nun muss daraus ein reproduzierbarer industrieller Prozess und letztlich ein für konkrete Kunden qualifiziertes Produkt werden. Dazu gehören weitere Materialtests, Skalierung, technische Spezifikationen und letztlich die Zusammenarbeit mit potenziellen Abnehmern. Focus bleibt ein Entwicklungsunternehmen und produziert derzeit nicht kommerziell. Finanzierung, Genehmigungen, Anlagenbau, Skalierung und Kundenqualifikation bleiben deshalb wesentliche Risiken.
Fazit
2,2 Milliarden US-Dollar, fünf Unternehmen, fünf erste Militärbasen und langfristig mehr als 20 Mikroreaktoren: Die neue Initiative der US Army zeigt, dass fortgeschrittene Kernenergie in den Vereinigten Staaten zunehmend von einem Forschungsfeld zu einem strategischen Industrieprojekt wird. Das Militär will unabhängiger von verwundbaren Stromnetzen werden und gleichzeitig eine amerikanische Mikroreaktorindustrie aufbauen, die später auch zivile Kunden beliefern kann. Für Focus Graphite Inc. (ISIN: CA34416E8743) entsteht daraus kein direkter Auftrag. Es gibt derzeit keine bekannte Geschäftsbeziehung zu den ausgewählten Janus-Unternehmen. Trotzdem macht die Entwicklung deutlich, warum Spezialmaterialien für die Kernenergie wieder stärker in den Fokus rücken könnten. Lac-Knife-Graphit erreichte in Tests 99,9996 Prozent Reinheit und einen EBC-Wert von 2,03 ppm - Werte, die nach Unternehmensangaben innerhalb häufig genannter Nuclear-Grade-Spezifikationen liegen. Der entscheidende Schritt steht jedoch noch bevor: Focus muss beweisen, dass sich diese Qualität skalierbar herstellen und für konkrete Anwendungen qualifizieren lässt. Sollte das gelingen, könnte aus einem kanadischen Graphitprojekt mehr werden als ein potenzieller Lieferant für die Batterieindustrie. Denn während Washington Milliarden in neue Reaktoren investiert, könnte sich weiter vorne in der Lieferkette die Frage stellen, wer die hochreinen Materialien liefern kann, ohne die diese Technologien nicht funktionieren.
Quelle:
U.S. Army - Army reaches agreement with private industry for nuclear micro-reactors, 26.08.2026
https://www.army.mil/article/294891/army_reaches_agreement_with_private_industry_for_nuclear_micro_reactors
The White House - Executive Order 14299: Deploying Advanced Nuclear Reactor Technologies for National Security, 23.05.2025
https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/05/deploying-advanced-nuclear-reactor-technologies-for-national-security/
Focus Graphite - Focus Graphite Achieves 99.9996 wt% Ultra-High Purity and 2.03 ppm EBC in Follow-On Testing, 11.12.2025
https://focusgraphite.com/focus-graphite-achieves-99-9996-wt-ultra-high-purity-and-2-03-ppm-ebc-in-follow-on-testing/
Focus Graphite - Focus Graphite Achieves 5N Purity from Lac Knife Graphite, Refined to Nuclear-Grade Purity Levels in AETC Testing, 12.06.2025
https://focusgraphite.com/focus-graphite-achieves-5n-purity-from-lac-knife-graphite-refined-to-nuclear-grade-purity-levels-in-aetc-testing/
Focus Graphite - Focus Graphite Receives Conditional Funding of up to $14.1M to Advance Canada's First Electrothermal Fluidized Purification Demonstration Plant
https://focusgraphite.com/focus-graphite-receives-conditional-funding-of-up-to-14-1m-to-advance-canadas-first-electrothermal-fluidized-purification-demonstration-plant/
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