
© Foto: von Ellen auf Pixabay (Symbolbild)
Die Vonovia-Aktie kommt einfach nicht zur Ruhe. Kaum stabilisiert sich der Kurs ein wenig, bricht schon die nächste Unterstützung weg. Die Erwartung weiter steigender Zinsen, ein enttäuschender Immobilienverkauf und ein politisches Pulverfass in Berlin setzen dem größten Wohnungskonzern Europas ordentlich zu. Die charttechnische Lage sieht mittlerweile ziemlich düster aus. Wer noch investiert ist, sollte jetzt ganz genau hinschauen. Wir zeigen, warum die Aktie tiefer fallen könnte, als viele denken und was Anleger jetzt wissen müssen.
Kampf an mehreren Fronten
Vonovia hatte und hat es zuletzt wirklich nicht leicht. Der Wohnungsriese kämpft und kämpft und kämpft. Und das an mehreren Fronten gleichzeitig. Und der Aktienkurs bekommt das voll zu spüren. Zwar hält der Konzern an seiner Jahresprognose fest, doch es knirscht gewaltig. Der Cashflow ist im ersten Halbjahr um 45 Prozent eingebrochen! Belastet durch höhere Finanzierungskosten und die Dividendenzahlung. Auch der Verkauf von Wohnungen in Lüneburg sorgte für Stirnrunzeln, denn statt der ursprünglich gebotenen 90 Millionen Euro flossen am Ende nur 55 Millionen Euro. Ein Signal, das viele Anleger als Beleg für schwächere Immobilienbewertungen deuten. Dazu kommt: Die Berlin-Wahl am 20. September wirft ihren Schatten voraus. Rund 138.000 Wohnungen hält Vonovia allein in der Hauptstadt, ein Wert von über 23 Milliarden Euro. Sollte das Thema Vergesellschaftung wieder auf den Tisch kommen, wäre das für die Aktie ein echtes Risiko. Und "Die Linke" legte in den letzten Umfragen zu. Gleichzeitig kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein 15-Jahres-Hoch, was Immobilienwerte grundsätzlich unattraktiver macht.

Charttechnik
Und genau das zeigt sich auch im Chart. Die Aktie ist zuletzt auf ein Mehrjahrestief gerutscht, teilweise bis knapp unter 19 Euro. Damit notiert Vonovia weit unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Besonders schwerwiegend ist aber der Bruch der wichtigen Marke bei 20 Euro. Damit dürfte sich das Kursziel nun weiter nach unten verschieben, in Richtung 15 bis 16 Euro. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 22 Euro, besser noch über 22,50 Euro, würde das Bild wieder aufhellen. Danach sieht es aktuell aber nicht aus. Solange diese Marken nicht zurückerobert werden, bleibt der Trend klar abwärtsgerichtet, und weitere Rücksetzer sind jederzeit möglich.
Was tun?
Operativ läuft es bei Vonovia eigentlich gar nicht so schlecht, Mieteinnahmen und Vermietungsquote sind stabil, das Value-add-Geschäft wächst sogar zweistellig. Doch die Bewertung leidet massiv unter dem Zinsumfeld, dem schwachen Cashflow und der politischen Unsicherheit in Berlin. Die Charttechnik liefert derzeit kein positives Signal, im Gegenteil, denn der Bruch der 20-Euro-Marke öffnet die Tür für weitere Verluste bis in den Bereich von 15 bis 16 Euro. Zwar bleiben viele Analysten mittelfristig optimistisch und das Konsensziel liegt teilweise sehr deutlich über dem aktuellen Kurs. Kurzfristig überwiegen aber die Risiken. Wer die Aktie im Depot hat, sollte zumindest darüber nachdenken, engere Stopps zu setzen und die Berlin-Wahl sowie die weitere Zinsentwicklung im Blick zu behalten. Neueinstiege könnten aktuell verfrüht sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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