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Die Anteile deutscher Autobauer sind wieder gefragt, denn der geplante Konzernumbau von VW wirkt wie ein Befreiungsschlag für die gesamte Branche. Auch Mercedes-Benz profitiert.
Deutsche Autobauer erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf
Die Stimmung in und gegenüber der deutschen Automobilbranche ist schlecht. Zu teuer die Produktion, wichtige Innovationen verschlafen, die Fahrzeuge entweder zu teuer oder am Kundenwunsch vorbei produziert, sowie wachsender Wettbewerbsdruck durch chinesische Konkurrenten - die Liste vielzitierter Herausforderungen und Belastungsfaktoren ist lang.
Doch auch operativ zeigen sich längst Risse. Eine anhaltend schwache Nachfrage sowie sinkende Margen haben die Unternehmens in den vergangenen Jahren einbrechen lassen. Die Aktienkurs von BMW, Mercedes-Benz und VW spiegeln das wider. Vor allem gegenüber den Wolfsburgern war das Sentiment zuletzt enorm schlecht, von einer existenziellen Krise war auch aus dem VW-Management die Rede.
Inzwischen konnte sich der Aufsichtsrat einstimmig auf einen weitreichenden Konzernumbau, im Zuge dessen bis zu 50.000 Stellen gestrichen und Werke entweder verkauft oder umgewidmet werden könnten, einigen. Das führte bei der VW-Aktie zu einer Erleichterungsrallye, welche inzwischen die gesamte deutsche Automobilbranche erfasst hat. Auch die Anteile von Mercedes-Benz profitierten davon - hier liegen mittlerweile erste prozyklische Kaufsignale vor. Bietet die Aktie damit noch eine Einstiegsgelegenheit oder ist der Zug bereits abgefahren?

Aktie halbiert - und trotzdem noch glimpflich davon gekommen
Gegenüber dem Jahreswechsel notiert die Mercedes-Benz-Aktie trotz weiterer Erholungsgewinne zum Wochenauftakt (+1,5 Prozent) noch immer mit einem Minus von rund 20 Prozent. Gegenüber den auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie erzielten Mehrjahreshochs von mehr als 90 Euro haben sich die Anteile des Luxusherstellers sogar mehr als halbiert. Damit sind die Stuttgarter sogar noch gut bedient, denn gegenüber dem Rekord im Geschäftsjahr 2021 ist der Gewinn um mehr als 75 Prozent eingebrochen.
Im Rahmen der allgemeinen Branchenschwäche sind die Anteile noch vor kurzem auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gefallen. Solche Mehrjahrestiefs gelten in der technischen Analyse als starke Verkaufssignale. Auch die Notierungen weit unter den gleitenden Durchschnitten demonstrieren, wie groß der durch den zum Jahreswechsel gestarteten Abwärtstrend angerichtete Schaden war, nachdem sich die Käuferinnen und Käufer in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres noch um eine Aufholjagd und einen Aufwärtstrend bemüht hatten.
Nach Bodenbildung: Erste Kaufsignale liegen bereits vor
Diese Bemühungen fielen jedoch einem Rounding-Top und bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren zum Opfer. Inzwischen liegt jedoch der gegenteilige Fall vor. Bereits seit rund einem Jahr bestehen sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im Trendstärkeindikator MACD bullishe Divergenzen. Die blieben im Hinblick auf eine Trendwende der Aktie zwar lange folgenlos, verhinderten jedoch, dass die Aktie nach dem Ende Juni markierten Mehrjahrestief noch tiefer fallen konnten.
Inzwischen stellt sich die Lage deutlich verändert dar. Das Chartbild hinterlässt zwar weiter einen schwachen Eindruck, durch die bullishen Divergenzen mündeten zunächst in eine Bodenbildung im Bereich von 45 bis 46 Euro, der ein Erholungstrend gefolgt ist. Dieser konnte mit dem Sprung sowohl über die 50-Tage-Linie als auch die Abwärtstrendlinie erste Erfolge erzielen, womit sogar prozyklische Kaufsignale vorliegen.
Attraktives Chance-Risko-Verhältnis auf der Long-Seite
Diese werden begleitet von einem starken RSI sowie einem MACD, der sein Vorzeichen gewechselt hat und außerdem über der (roten) Signallinie liegt. Damit zeigt er einen an Fahrt gewinnenden Aufwärtstrend der Aktie an. Zwar scheiterten Versuche, den Aufwärtstrendkanal nach oben zu verlassen, in den vergangenen Woche noch, doch zum Wochenauftakt scheint genau das zu gelingen. Damit setzt die Mercedes-Benz-Aktie Kurspotenzial bis 50 Euro und anschließend auch bis zu 200-Tage-Linie bei 52,36 Euro frei. Der Sprung darüber wäre dann gleichbedeutend, mit einer übergeordneten Trendwende.
Dieses bullishe Setup dürfte aktiv bleiben, solange der Bereich um 45 Euro nicht nachhaltig aufgegeben wird. Ist das doch der Fall, drohen neue Mehrjahrestiefs und Verkaufssignale. In diesem Szenario stünde erst im Bereich von 41 Euro die nächste Horizontalunterstützung bereit. Wer der Aktie auf der Long-Seite also eine Chance geben will, sollte einen Stopp-Loss knapp unterhalb von 45 Euro platzieren.
Fazit: Da geht jetzt tatsächlich was!
Anlegerpsychologisch ist die sich abzeichnende Kehrtwende nicht nur der Mercedes-Benz-Aktie, sondern der gesamten deutschen Automobilbranche nicht überraschend. Üblicherweise bilden stark unter Druck geratene Märkte genau dann einen Boden aus, wenn die Stimmung maximal schlecht ist und die Käuferinnen und Käufer kapituliert haben. Wenn nämlich der schlimmstmögliche Fall bereits eingepreist wurde, richtet sich der Blick wieder nach vorne und das bedeutet in aller Regel die Wette auf eine erfolgreichere Zukunft.
Doch auch fundamental gibt es Gründe für eine anhaltende Erholung der Anteile von Mercedes-Benz. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Stuttgarter mit rund dem 9-Fachen ihrer erwarteten Gewinne bewertet. Das entspricht dem langfristig Durchschnitt und deutet auf ein faires Bewertungsniveau hin. Schon für das nächste Geschäftsjahr wird jedoch mit einer operativen Erholung gerechnet, welche das KGV unter 7 drücken könnte, was eine Bewertung deutlich unter der historischen Norm darstellen würde. Gelingen also die von Analystinnen und Analysten erwarteten operativen Verbesserungen, könnte der Startschuss für eine dauerhafte Erholung tatsächlich bereits gefallen sein, die aktuell aber noch gekauft werden kann.
Gastautor: Max Gross
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