
© Foto: Symbolbild von Devon Janse van Rensburg auf Unsplash
Von 80 Euro auf unter 60. Bei BMW ging es die letzten Wochen und Monate bergab. Wer die Aktie hielt, hat sich sicherlich nicht gefreut, doch dann passierte etwas Interessantes, denn der Kurs fand einen Boden bei 60, bzw. knapp darunter, tastete sich vorsichtig nach oben und knackte sogar eine wichtige Marke. Gleichzeitig tut sich bei BMW selbst einiges. Neue Modelle, ein hartes Sparprogramm, ein Wechsel im Vorstand. Reicht das für einen weiteren Anstieg, oder eben nicht? Das ist jetzt die alles entscheidende Frage. Wir schauen genauer hin.
BMW: Sparkurs und Neue Klasse
Der Autobauer hat zwei Millionen vollelektrische Fahrzeuge ausgeliefert, seit der erste i3 im Jahr 2013 vom Band lief. Gleichzeitig läuft im Werk München bereits die Serienproduktion des neuen i3 aus der "Neuen Klasse" und das mit ordentlich Tempo. Die Produktionskosten sollen dabei um 10 Prozent gesunken sein, doch die Zahlen aus dem zweiten Quartal erzählen noch eine andere Story. Das Vorsteuerergebnis brach dort um satte 35,1 Prozent ein, im gesamten ersten Halbjahr waren es 29,4 Prozent weniger. Die Marge im Autogeschäft lag zuletzt nur noch bei 2,3 Prozent. Das tut weh und daher ist es kein Wunder, dass der Konzern jetzt weiter kräftig sparen will. Rund 8.000 Stellen sollen bis Ende 2027 wegfallen, freiwillig und ohne Kündigungen. Ab 2028 soll das jährlich eine Milliarde Euro bringen. Parallel dazu gibt es einen Wechsel an der Spitze. Dorothea von Boxberg, früher Chefin bei Brussels Airlines, übernimmt seit dem 1. September das Personalressort. Sie tritt ihr Amt mitten im größten Stellenabbau der jüngeren BMW-Geschichte an. Das ist fürwahr keine leichte Aufgabe, aber am Kapitalmarkttag Ende September dürfte es weitere Details dazu geben.

Charttechnik
Und jetzt zum Kurs und Chart selbst: BMW ist in den letzten Monaten rgelrecht abgestürzt, von rund 80 Euro ging es runter bis unter 60 Euro. Ein heftiger und schmerzhafter Rückgang. Danach folgte erst mal Stillstand. Die Aktie pendelte seitwärts, tastete sich langsam seitwärts und dann nach oben, fand dann einen Boden. Diese Bodenbildung zog sich auch eine Weile hin, ehe zuletzt wieder mehr Käufer zurückkamen. Aktuell steht der Kurs bei etwas über 63 Euro. Wichtig dabei ist, dass der 50er SMA bereits nach oben durchbrochen wurde. Das ist ein positives Signal und deutet darauf hin, dass die kurzfristige Erholung Substanz haben könnte. Wie weit die Gegenbewegung tatsächlich geht, lässt sich noch nicht sicher sagen. Realistisch erscheint aber ein Anlauf in Richtung 70 Euro, sollte der Schwung und das Momentum anhalten. Der 200er SMA liegt jedoch deutlich höher, bei 76,60 Euro. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg mit vielen Widerständen vorher.
Was tun?
Es ist nicht ganz einfach bei BMW. Auf der einen Seite stehen schwache Quartalszahlen und eine dünne Marge im Kerngeschäft. Auf der anderen Seite ein größeres Sparprogramm, technologische Fortschritte bei der Neuen Klasse und mehrere Analysten, die zuletzt optimistischer wurden. Deutsche Bank und Bernstein etwa sehen mehr Potenzial nach oben, während RBC eher zurückhaltend bleibt. Charttechnisch hat sich die Lage zumindest kurzfristig etwas gebessert. Der Sprung über den 50er SMA spricht für weitere Stabilisierung. Ob daraus aber eine nachhaltige Trendwende wird, muss sich erst noch zeigen. Wer überlegt neu einzusteigen, sollte eventuell noch abwarten, ob sich die Erholung tatsächlich fortsetzt. Es kann auch sein, dass alles hier eine Finte ist und der Abverkauf sich dann wieder (unverhofft) fortsetzt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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