
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Bewertung für Lockheed Martin überdacht und die Aktie jetzt zum Kauf empfohlen. Dafür gibt es gute Gründe!
Trotz neuer Angriffe im Iran: Rüstungsaktien treten auf der Stelle
Ungeachtet der anhaltenden geopolitischen Spannungen, allen voran der erneuten Eskalation im Iran-Krieg, landeten Rüstungs- und Verteidigungsaktien in den vergangenen Wochen überwiegend auf dem Verkaufszettel von Anlegerinnen und Anlegern. Niemand vergegenwärtigt das aktuell so sehr wie Rheinmetall, dessen Anteile am Mittwoch einmal mehr um den Verbleib oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 1.000 Euro kämpfen.
Auch US-Verteidigungswerte stehen unter Druck. Der schier unaufhaltsame Anstieg der Anleiherenditen erhöht den Druck auf Washington, Ausgaben zu Kürzen. Sollten sich bei den Midterm-Wahlen Anfang November wie aktuell erwartet die Demokraten durchsetzen, könnte das vor allem im Verteidigungsbereich der Fall sein, nachdem die Trump-Regierung die Budgets hier zuletzt deutlich angehoben hatte.
Die UBS empfiehlt jetzt Lockheed Martin zum Kauf
Mit Lockheed Martin bemühte sich am Dienstag zum Wochenauftakt einer nach dem Labor Day verkürzten US-Handelswoche zumindest ein Rüstungswert um eine Gegenbewegung. Das Unternehmen profitierte von einer Kaufempfehlung der Schweizer Großbank UBS mit einem stark angehobenen Kursziel.
Bislang hatte die UBS den vor allem für seine Mehrzweckkampflugzeuge (F-35) und Raketenartilleriesysteme (Patriot, HIMARS, Javelin) bekannten Konzern neutral mit einem Kursziel von 581 US-Dollar bewertet. Jetzt sieht Analyt Gavin Parsons, der laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten TipRanks als überdurchschnittlich zuverlässiger Experte gilt, erhebliches Aufwärtspotenzial, weswegen er seine Bewertung auf "Kaufen" angehoben hat. Im Basisszenario sieht er Lockheed Martin vor einem Anstieg auf 674 US-Dollar (+25,7 Prozent), im besten Fall sogar auf 870 US-Dollar. Sollte sich seine Anlagethese jedoch nicht bewahrheiten, sieht er den Kurs durch die gegenwärtig moderate Unternehmensbewertung bei 452 US-Dollar abgesichert.
Vor allem das Raketengeschäft soll für Rückenwind sorgen
Bislang vom Markt unterschätzte Chancen sieht Parsons vor allem im Raketengeschäft des Unternehmens. Angeführt von dieser Sparte erwartet er ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum (CAGR) von 9 Prozent bis nach 2028 und von 8 Prozent bis 2030. Er verweist hierbei auf die jüngsten Vertragsabschlüsse des Unternehmens zur Lieferung von Abfangraketen, THAAD-Raketen und Präzisionsmunition. Vor allem zwei Großauftrage mit dem Pentagon im Wert von 35 und 59 Milliarden US-Dollar werden seiner Einschätzung nach über viele Jahre hinweg für zuverlässige Erlöse und Cashflows sorgen.
Er rechnet damit, dass die Erlöse aus dem Raketen- und Feuerleitsystemgeschäft zwischen dem Geschäftsjahr (GJ) 2025 und 2030 um über 150 Prozent steigen könnten, was die Abhängigkeit des Unternehmens von F-35-Auslieferungen und Instandhaltungsverträgen drastisch reduzieren könnte, welche im abgelaufenen GJ für 27 Prozent der Konzernerlöse verantwortlich waren. Für weitere Impulse könnten außerdem der Transporthelikopter CH-53K sowie seegestützte Interkontinentalraketen vom Typ Trident sorgen.
Angesichts dieser zahlreichen Wachstumsmöglichkeiten erwartet Parsons für 2026 Erlöse in Höhe von 81,05 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 30,69 US-Dollar. Diese sollen bis zum GJ 2028 auf 96,13 Milliarden US-Dollar und 39,34 US-Dollar klettern. Seine Schätzungen liegen damit um 6 beziehungsweise 12 Prozent über dem aktuellen Wall-Street-Konsens. Die Barmittelzuflüsse könnten bis zum Ende des Jahrzehnts auf fast 10 Milliarden US-Dollar steigen, was viel Spielraum für Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen bietet.

Aktie nach Korrektur mit Schwierigkeiten, aber nicht ohne Chancen
Vom Upgrade der UBS zeigten sich Anlegerinnen und Anleger am Dienstag angetan, die Lockheed-Martin-Aktie legte gegen einen schwachen Gesamtmarktrend rund 2 Prozent zu. Sie profitierte gleichzeitig vom Erhalt eines Großauftrags aus Schweden, das seine Verteidigungskapazitäten mit 10 neuen HIMARS-Systemen verstärken wird.
Charttechnisch befindet sich die Aktie gegenwärtig in schwierigem Fahrwasser. Nach neuen Allzeithochs Anfang März ging es für Lockheed Martin vorwiegend nach unten. Zuletzt scheiterte ein Erholungsversuch im Bereich von 600 Euro, wodurch die Aktie zurückgesetzt hat und wieder unter die gleitenden Durchschnitte gefallen ist. Gleichzeitig wurde eine noch offene Kurslücke geschlossen und im Bereich von 500 bis 520 US-Dollar wartet ein substanzieller Unterstützungsbereich. Das wiederum eröffnet gemeinsam mit dem etwas erholten RSI die Chancen auf einen weiteren Anstiegsversuch.
Fazit: Wall Street insgesamt noch zurückhaltend, trotzdem einen Kauf wert!
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung kommt Lockheed Martin auf Basis der von UBS erhobenen Schätzung auf ein KGVe 2026 von 17,5. Das entspricht fast genau dem 5-Jahres-Mittel von 17,7. Beim Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis ist die Aktie mit 0,92 sehr vorteilhaft bewertet, bereits ein Wert von 1 gilt als günstig. Bei den übrigen Kennzahlen bestehen gegenüber er der historischen Norm Abweichungen zwischen 5 und 10 Prozent und gegenüber dem Branchendurchschnitt von 15 bis 25 Prozent. Das deutet auf eine strukturelle Unterbewertung der Aktie ein.
Im Mittel nennen Analystinnen und Analysten einen fairen Wert von 637,84 US-Dollar, was einer Upside von knapp 20 Prozent entspricht. Die UBS reiht sich mit ihrem Kursziel also am oberen Ende der Schätzungen ein. Insgesamt ist die Expertenschar jedoch geteilter Meinung. Bei insgesamt 21 Einschätzungen überwiegen mit 12 Nennungen derzeit die neutralen Bewertungen. 6 Mal ist die Aktie zum Kaufen, zwei weitere Male zum Übergewichten empfohlen, während ein Analystenteam den Verkauf empfiehlt. Das ergibt insgesamt ein Votum zum Halten der Anteile. Die günstige Unternehmensbewertung sowie der technisch zunehmend verbesserte Chart sprechen jedoch klar für den Kauf der Aktie.
Gastautor: Max Gross
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