An der Börse richtet sich der Blick oft auf die bisherigen Gewinner. Interessant könnten derzeit aber gerade Unternehmen sein, deren Aktien an der langjährigen Hausse kaum teilgenommen haben. Dazu zählen mehrere deutsche Beteiligungsgesellschaften wie etwa Blue Cap, Mutares oder GESCO. Ihre Portfolios entwickeln sich zum Teil deutlich besser, als es die niedrigen Kurse vermuten lassen.
Unterschiedliche Wege zur Wertsteigerung
Besonders ausgeprägt ist die Diskrepanz bei Blue Cap. Nach drei lukrativen Beteiligungsverkäufen in den Jahren 2024 und 2025 verfügt die Gesellschaft über eine hohe Nettoliquidität, auf deren Basis mit einer großen Akquisition inzwischen die nächste Wachstumsphase eingeleitet wurde. Der Zukauf dürfte Umsatz und Ergebnis des Konzerns deutlich erhöhen. Trotzdem notiert die Aktie weit unter dem zuletzt ausgewiesenen Net Asset Value von 27,94 Euro je Anteilsschein.
Bei GESCO steht hingegen die operative Verbesserung des bestehenden Portfolios im Mittelpunkt. Die Holding erwirbt gesunde mittelständische Industrieunternehmen und entwickelt sie langfristig weiter. Das schwierige Umfeld hat diesen Ansatz zuletzt allerdings belastet. Unter einem neuen Vorstandsvorsitzenden und mit einem umfassenden Optimierungsprogramm hat GESCO aber entschlossen dagegen gesteuert und erntet langsam die Früchte. Nach der deutlichen Gewinnerholung 2025 stellt das Management für 2026 einen weiteren Ergebnisanstieg um 50 bis 100 Prozent in Aussicht.
Mehr Exitfantasie
Mutares verfolgt indes einen offensiveren Ansatz. Der Sanierungsspezialist hat sein Portfolio durch zahlreiche Übernahmen stark ausgebaut und bereitet mehrere größere Verkäufe vor. Ein freundlicheres Konjunkturumfeld könnte dabei doppelt helfen: Die Beteiligungen ließen sich leichter restrukturieren und zugleich zu attraktiveren Konditionen veräußern. Angesichts eines Aktienkurses nahe dem Tief der letzten drei Jahre bietet der Titel erhebliches Erholungspotenzial, bleibt wegen der Komplexität des Portfolios aber risikoreich.
Vor allem wegen der geringen Größe noch spekulativer ist DEWB. Die Gesellschaft konzentriert sich auf Digital Finance und litt nach dem Branchenhoch 2021 unter ungünstigen Exitbedingungen. Inzwischen haben sich die Perspektiven der beiden wichtigsten Beteiligungen verbessert. Der Asset-Manager LAIQON wächst kräftig, während Stableton seine Investmentplattform für Beteiligungen an großen, noch nicht börsennotierten Technologieunternehmen weiterentwickelt. Fortschritte oder Transaktionen bei diesen Unternehmen könnten auch der DEWB-Aktie neue Impulse geben.
Das Umfeld könnte drehen
Die Schwäche vieler Beteiligungstitel hat nachvollziehbare Gründe. Zahlreiche Portfolios sind stark vom deutschen industriellen Mittelstand geprägt, der mehrere schwierige Jahre hinter sich hat. Zudem profitieren Beteiligungsgesellschaften häufig erst spät von steigenden Börsenbewertungen, wenn sich die Bedingungen für Unternehmensverkäufe verbessern.
Nun könnten beide Belastungsfaktoren an Bedeutung verlieren. Frühindikatoren signalisieren eine mögliche Stabilisierung der deutschen Industrie. Gleichzeitig erhöht das gestiegene Bewertungsniveau an den Kapitalmärkten die Chance auf lukrative Exits. Damit eröffnen sich bei Mutares, Blue Cap, GESCO und DEWB unterschiedliche Möglichkeiten für eine Neubewertung. Die Aktien sind keine einheitliche Wette, bieten nach ihrer langjährigen Schwäche aber jeweils interessante Ansatzpunkte für antizyklisch orientierte Anleger.
(aktien-global.de, erstellt 14.09.26, 09:51 Uhr, veröffentlicht 14.09.26, 10:00 Uhr, es wird auf unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten hingewiesen: https://www.aktien-global.de/impressum/)
Originalmeldung: https://www.aktien-global.de/news-cov/newscov_mutares/beteiligungsgesellschaften_vier_kandidaten_fuer_ein_comeback-24969/



