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Vom zunehmend schwachen Gesamtmarktumfeld sind auch die Anteile von Infineon betroffen. Weitere Verluste kann sich die Aktie jetzt nicht mehr erlauben.
Infineon: Das Desaster ist jetzt nur noch eine Haaresbreite weit entfernt!
Das sich vor dem Hintergrund stetig steigender Anleiherenditen und anhaltend hoher Energiekosten eintrübende Gesamtmarktumfeld belastet zunehmend auch Halbleiteraktien. Die standen nach dem vergangenen Wochenende ohnehin unter Verkaufsdruck, da führende Branchenvertreter, wie der Anthropic-CEO Dario Amodei, vor wachsenden Sicherheitsrisiken gewarnt und eine Verlangsamung der Weiterentwicklung von sogenannten Frontier-Modellen angemahnt hat.
Auch für die zwischenzeitlich mit einer aussichtsreichen Erholungschance handelnde Infineon-Aktie hat sich die Lage in den zurückliegenden Tagen wieder eingetrübt. Am Dienstag ist das Papier auf den niedrigsten Stand seit Anfang April gefallen, was ein erstes Indiz für die Fortsetzung des Ende Juni gestarteten Abwärtstrends ist. Ein weiteres Verkaufssignal könnte noch in dieser Woche folgen, nämlich dann, wenn Infineon unter die 200-Tage-Linie fallen sollte, um die aktuell ein harter Kampf entbrannt ist.

200-Tage-Linie unter Druck, Aktie mit 30 Prozent Abwärtspotenzial
Nach einer mehrjährigen Seitwärtsphase ist der Infineon-Aktie Ende letzten Jahres der Ausbruch über den Widerstandsbereich zwischen 38 und 40 Euro gelungen, woraufhin eine gewaltige, durch den Iran-Krieg nur zwischenzeitlich unterbrochene Rallye startete. Die folgte einerseits dem starken Branchentrend und andererseits der Logik einer veränderten Wahrnehmung gegenüber dem Unternehmen als KI-Profiteur. Im Juni folgten dann erstmals seit einem Vierteljahrhundert neue Allzeithochs, die jedoch in eine technische und fundamentale Übertreibung mündeten.
Der seither angelaufene Abwärtstrend ist also als Konsolidierung dieser Übertreibung zu verstehen. Charttechnisch wurde bereits einiger Schaden angerichtet. Zwar konnte der zwischenzeitlich steile Abwärtstrend inzwischen verlassen werden, doch die Infineon-Aktie handelt seit Anfang Juli deutlich unter der 50-Tage-Linie, wodurch ein erstes Verkaufssignal aktiv wurde. Weitere lieferten die eingetrübten technischen Indikatoren, und dort nach seinem Vorzeichenwechsel vor allem der Trendstärkeindikator MACD, der nach wie vor einen intakten Abwärtstrend der Aktie anzeigt.
Im Bereich von 55 bis 56 Euro bemühten sich die Käuferinnen und Käufer zuletzt um eine Bodenbildung. Mit Unterstützung einer Kaufempfehlung durch die Citigroup gelang sogar das Vordringen in den um 60 Euro liegenden Widerstandsbereich. Dort ging den Bullen jedoch die Luft aus und setzten neue Kursverluste ein. Damit ist dieser Bereich als charttechnisch hartnäckige Hürde bestätigt, während gleichzeitig der Druck auf die Marke von 55 Euro sowie die wenig darunter liegende 200-Tage-Linie wächst.
Die Bären haben nach einem Fehlausbruch jetzt die besseren Karten
Wird diese nachhaltig (also mind. auf Wochenschlusskursbasis) unterschritten, droht der Aktie Ungemach. In Ermangelung weiterer Unterstützungen dürfte Infineon in diesem Fall bis zur Ausbruchsmarke zwischen 47 und 48 Euro zurücksetzen. Bei einer weiteren Eintrübung des Gesamtmarktumfelds - etwa in Reaktion auf eine hawkishe Fed oder anhaltend hohe Energiepreise - könnte auch der Ausbruch über 40 Euro getestet werden. Die Abwärtsrisiken sind für den Fall des Unterschreitens der 200-Tage-Linie also substanziell.
Die Wahrscheinlichkeit einer neuen Verkaufswelle ist beträchtlich. Zwar handeln die technischen Indikatoren RSI und MACD in gegen den mehrwöchig seitwärts gerichteten Trend der Aktie in Aufwärtstrends. Doch solche bullishen Divergenzen gelten lediglich als Vorboten möglicher Erholungen und garantieren sie nicht. Vor allem der große Abstand des MACD zur Nulllinie, deren Überwinden einen neuen Aufwärtstrend anzeigen würde, zeigt die große Gefahr weiterer Verluste der Infineon-Aktie just in dem Moment, in dem sie auf Rückenwind angewiesen wäre. Gebannt wäre das aktuell wieder bearish zu bewertende Setup erst für Kurse oberhalb von 62 Euro. Damit ist das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie auf der Long-Seite jetzt nur wenig attraktiv.
Fazit: Jetzt nicht voreilig handeln!
Auch mit Blick auf die Unternehmensbewertung verfügt Infineon über weiteres Abwärtspotenzial. Für das laufende Geschäftsjahr ist das Unternehmen mit einem KGVe von 42,3 bewertet. Das liegt deutlich über dem 10-Jahres-Mittel von 33,4 sowie über dem Branchendurchschnitt von 22,1. Selbst Nvidia ist angesichts eines Gewinnvielfachen von 22,8 derzeit günstiger zu haben. Das könnte sich im kommenden Jahr, für das Analystinnen und Analysten ein KGV von 22,6 prognostizieren, zwar relativieren. Doch die Schätzungen stehen unter dem Vorbehalt einer gewaltigen Margen- und Gewinnexpansion.
Für die ist jedoch ein bei den KI-Investitionen ungebrochener Trend nötig. Genau das ist aber zunehmend in Zweifel zu ziehen, nachdem die stark gestiegenen Anleiherenditen, welche Investitionen deutlich verteuern, die Frage nach der finanziellen Nachhaltigkeit der billionenschweren Ausgaben von Hyperscalern wie Amazon, Microsoft und Oracle immer drängender werden lässt. Gegenwärtig ist daher Zurückhaltung geboten. Bei Infineon sollte derzeit nicht pro-, sondern reaktiv der nächste Impuls gehandelt werden.
Gastautor: Max Gross
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