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Europa will den Energieeinsatz vermehrt auf Strom umstellen. Der Anteil von Elektrizität am Endenergieverbrauch liegt in der EU derzeit bei rund 23 Prozent. Für 2040 nennt der neue Electrification Action Plan der Europäischen Kommission ein indikatives Ziel von 46 Prozent. Industrie, Verkehr und Gebäude stehen damit vor einem erheblichen Umbau. Wie groß die daraus entstehende Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur bereits ist, zeigt Siemens (ISIN: DE0007236101). Der Technologiekonzern investiert 300 Millionen Euro in Deutschland, um die Produktion von Energieverteilungssystemen für Rechenzentren, E-Mobilität und industrielle Automatisierung auszubauen. Auch für Energieversorger wächst der Infrastrukturbedarf. Die EVN AG (ISIN: AT0000741053) will bis 2030 jährlich rund eine Milliarde Euro investieren. Ein Schwerpunkt liegt auf den Stromnetzen.
Europa will den Stromanteil auf 46 Prozent erhöhen
Am 17. Juli hat die Europäische Kommission ihren Electrification Action Plan vorgestellt. Ausgangspunkt ist eine erhebliche Lücke: Auf Elektrizität entfallen bislang lediglich rund 23 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs. Bis 2030 nennt die EU einen Referenzwert von 32 Prozent. Für 2040 sieht der Aktionsplan ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46 Prozent vor. Sollte dieses erreicht werden, könnten nach Berechnungen der Kommission die jährlichen Ausgaben der EU für Importe fossiler Brennstoffe bis 2040 um 260 Milliarden Euro sinken. Der Umbau betrifft gleich mehrere Bereiche. Produktionsprozesse in der Industrie sollen stärker elektrifiziert werden, Elektrofahrzeuge ersetzen Verbrennungsmotoren und Wärmepumpen kommen in der Raumwärme zum Einsatz, die bislang häufig durch Gas- oder Ölheizungen bereitgestellt wird.
Damit entsteht allerdings eine zweite Herausforderung: Mehr elektrische Anwendungen benötigen leistungsfähige Infrastruktur.
Siemens investiert 300 Millionen Euro
Siemens reagiert bereits auf diese Entwicklung. Anfang Juli kündigte das Unternehmen Investitionen von 300 Millionen Euro in seine deutschen Produktionskapazitäten für elektrische Schaltanlagen an. Ausgebaut werden die beiden bestehenden Werke in Frankfurt am Main. Zusätzlich entsteht im benachbarten Offenbach ein neuer Zulieferstandort. Die Bauarbeiten haben im Juli begonnen, die Produktion in Offenbach soll im Frühjahr 2027 starten. Bis Ende 2030 sollen durch das Programm bis zu 700 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Hinter der Investition steht die wachsende Nachfrage nach hocheffizienten Energieverteilungssystemen. Siemens produziert in Frankfurt Schaltanlagen, mit denen Strom unter anderem in Fabriken und Rechenzentren verteilt und gesteuert wird. Wachstumstreiber sind nach Angaben des Unternehmens Rechenzentren, E-Mobilität, die zunehmende Elektrifizierung von Fabriken und der Ausbau der Technologieindustrie.
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei Rechenzentren. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verbuchte das Smart-Infrastructure-Geschäft von Siemens Rekordaufträge aus diesem Bereich in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz mit entsprechenden Technologien um mehr als 45 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Elektrifizierung wird damit zunehmend zu einem industriellen Investitionsthema.
KI trifft auf industrielle Elektrifizierung
Die Entwicklung wird durch den Ausbau von KI-Infrastruktur zusätzlich beschleunigt. Neue Rechenzentren benötigen nicht nur Server und Chips. Sie brauchen Stromanschlüsse, Schaltanlagen, Transformatoren, Kühlsysteme und eine zuverlässige Energieversorgung. Gleichzeitig steigt auch in klassischen Industriebetrieben der Bedarf an elektrischen Lösungen. Wo fossile Prozesse durch elektrische Antriebe oder andere strombasierte Technologien ersetzt werden, verändert sich die Energieversorgung ganzer Produktionsstandorte.
Die Europäische Kommission sieht in der Industrie erhebliches Potenzial. Eine im Zusammenhang mit dem Electrification Action Plan veröffentlichte Analyse beziffert das technische Potenzial für industrielle Elektrifizierung bis 2040 auf mehr als 2.000 TWh. Der tatsächliche Ausbau ist allerdings kein Selbstläufer. Zu den von der Kommission genannten Hindernissen gehören hohe Stromkosten, begrenzte Netzkapazitäten, erheblicher Investitionsbedarf und teilweise lange Wartezeiten auf Netzanschlüsse.
Mehr Elektrifizierung bedeutet höhere Anforderungen an die Netze
Genau hier treffen Industrie und Energieversorger aufeinander. Ein neues elektrisch betriebenes Produktionsverfahren kann nur dann genutzt werden, wenn am Standort genügend Netzkapazität zur Verfügung steht. Dasselbe gilt für Rechenzentren, Schnellladeparks, Wärmepumpen und andere neue Stromverbraucher. Die Europäische Kommission weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Europas Stromnetze mit der Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie nicht nur größer, sondern auch intelligenter werden müssen. Für Netzbetreiber bedeutet das Investitionen in Leitungen, Umspannwerke, Trafostationen und digitale Steuerung.
Bei der EVN ist dieser Ausbau bereits einer der größten Bestandteile des Investitionsprogramms.
EVN investiert jährlich rund eine Milliarde Euro
Bis 2030 will die EVN jährlich rund eine Milliarde Euro investieren. Rund vier Fünftel des Investitionsprogramms sollen nach Niederösterreich fließen. Der größte Einzelbereich sind die Netze. Nach den aktuellen Unternehmensplanungen entfallen rund 50 bis 55 Prozent der Investitionen auf die Netzinfrastruktur. Weitere Mittel fließen unter anderem in erneuerbare Erzeugung, Batteriespeicher, E-Ladeinfrastruktur, Wärme und Trinkwasserversorgung. Die Größenordnung zeigt, wie stark sich die Anforderungen an regionale Stromnetze verändern.
Die EVN plant, die Netzkapazität in Niederösterreich bis 2030 auf rund 6.000 MW zu erhöhen. Das Investitionsprogramm umfasst unter anderem den Neu- oder Ersatzneubau von rund 55 Umspannwerken einschließlich Anschlussleitungen. Hinzu kommen jährlich etwa 700 neue Trafostationen und rund 1.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungskabel. Allein Netz Niederösterreich investiert im laufenden Geschäftsjahr nach EVN-Angaben rund 520 Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur.
Erzeugung und Verbrauch verändern sich gleichzeitig
Der Netzausbau wird dabei von zwei Seiten getrieben. Auf der einen Seite wächst die dezentrale Stromerzeugung. Photovoltaik- und Windkraftanlagen speisen Strom zunehmend an Standorten ein, an denen das Netz ursprünglich nicht für diese Mengen ausgelegt wurde. Auf der anderen Seite entstehen neue elektrische Verbraucher. Industrieanlagen, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Rechenzentren verändern damit nicht nur die Menge des benötigten Stroms, sondern auch die Anforderungen an dessen Verteilung. Für die EVN kommt ein weiterer Infrastrukturbaustein hinzu: Batteriespeicher. Bis 2030 will das Unternehmen ein Portfolio von 300 MW Speicherleistung aufbauen. Speicher können zusätzliche Flexibilität schaffen, wenn Stromerzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderfallen. Damit wird deutlich, warum Elektrifizierung für Energieversorger mehr bedeutet als lediglich einen steigenden Stromabsatz. Entscheidend ist, ob Netze und weitere Infrastruktur mit der neuen Nachfrage Schritt halten können.
Der Infrastrukturboom hat Grenzen
Für Anleger ist allerdings wichtig, zwischen hohem Investitionsbedarf und hoher Profitabilität zu unterscheiden. Siemens profitiert derzeit von einer starken Nachfrage nach Technologien für Stromverteilung und Rechenzentren. Ob sich dieses Wachstum dauerhaft in entsprechenden Margen niederschlägt, hängt unter anderem von Wettbewerb, Investitionszyklen und der tatsächlichen Geschwindigkeit der Elektrifizierung ab. Bei Versorgern stellt sich die Frage anders. Netzausbau benötigt erhebliche finanzielle Mittel. Baukosten, Finanzierungskosten, Genehmigungsverfahren und regulatorisch festgelegte Renditen beeinflussen die Wirtschaftlichkeit.
Auch die EU selbst benennt Hindernisse. Strom kostet in Europa häufig deutlich mehr als Gas, während Netzanschlüsse teilweise Jahre dauern können. Das Ziel, den Stromanteil am Energieverbrauch bis 2040 auf 46 Prozent zu erhöhen, ist deshalb noch keine Garantie dafür, dass die Elektrifizierung in allen Bereichen gleich schnell voranschreitet.
Fazit
Europa will den Anteil von Elektrizität am Endenergieverbrauch langfristig von derzeit rund 23 auf 46 Prozent erhöhen. Gelingt dieser Schritt, verändert sich nicht nur die Energieversorgung. Es entsteht erheblicher Bedarf an Schaltanlagen, Stromnetzen, Umspannwerken, Speichern und digitaler Steuerung.
Siemens investiert bereits 300 Millionen Euro in zusätzliche Produktionskapazitäten für Energieverteilungssysteme in Frankfurt und Offenbach. Die Rekordaufträge aus dem Rechenzentrumsbereich zeigen, dass die Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur schon heute steigt. Auf der anderen Seite des Systems stehen Netzbetreiber und Energieversorger. Die EVN investiert bis 2030 jährlich rund eine Milliarde Euro, wobei rund 50 bis 55 Prozent des Programms auf die Netze entfallen sollen. Bis 2030 soll die Netzkapazität in Niederösterreich auf rund 6.000 MW steigen.
Für Anleger könnte damit neben der Frage, wer künftig mehr Strom produziert, eine zweite immer wichtiger werden: Wer stellt die Infrastruktur bereit, über die der zunehmend elektrifizierte Energieverbrauch überhaupt erst möglich wird? Genau hier treffen die Investitionen von Industrieunternehmen wie Siemens auf den Ausbau von Versorgern wie der EVN AG (ISIN: AT0000741053).
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Quellen:
Siemens
· Siemens - "Siemens investiert 300 Millionen Euro in Deutschland und schafft bis zu 700 Arbeitsplätze bis 2030", 1. Juli 2026
https://press.siemens.com/global/de/pressemitteilung/siemens-investiert-300-millionen-euro-deutschland-und-schafft-700-arbeitsplaetze
· Siemens - Basisdaten und Aktienkennzahlen / ISIN
https://www.siemens.com/de-de/company/investor-relations/share-bonds-rating/basic-data-key-share-figures/
Europäische Kommission
· Europäische Kommission - "Europa soll der erste Elektrokontinent werden", 17. Juli 2026
https://commission.europa.eu/news-and-media/news/plan-make-europe-first-electro-continent-2026-07-17-0_de
· Europäische Kommission - Electrification / Electrification Action Plan
https://energy.ec.europa.eu/topics/eus-energy-system/electrification_en
· Europäische Kommission - Electrification Action Plan, COM(2026) 595 final, 17. Juli 2026
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=COM%3A2026%3A595%3AFIN
· Europäische Kommission - "Digital technologies to power Europe's clean energy transition", 20. Juli 2026
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/digital-technologies-power-europes-clean-energy-transition
EVN
· EVN - "EVN investiert in die Zukunft", 25. August 2026
https://www.evn.at/home/presse/evn-investiert-in-die-zukunft
· EVN - Bilanzpressekonferenz Geschäftsjahr 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/383c54a0-77c6-410f-aaea-bf9dbc2552ab/EVN-Bilanzpressekonferenz-2024-25.pdf
· EVN - Geschäftsbericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/7d759ba3-20d7-42cf-8095-34987047fc50/EVN-GHB-2024-25_online.pdf
· EVN - "Zwischen Windspitzen und Dunkelflauten" - Netzausbau und Infrastruktur
https://www.evn.at/home/presse/zwischen-windspitzen-und-dunkelflauten
· EVN - Strategie 2030
https://www.evn.at/home/uber-evn-konzern/strategie-2030
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