
© Foto: Symbolbild mithilfe von KI generiert
Auftragseingang fast verdoppelt, Auftragsbestand über 10 Milliarden Euro, Umsatz zweistellig gewachsen. Eigentlich klingt das nach einer Erfolgsgeschichte. Trotzdem hat die Hensoldt-Aktie in den letzten Wochen kursmäßig nicht wirklich was auf die Reihe bekommen. Seit dem Rekordhoch im Oktober letzten Jahres bei 117,70 Euro fehlt ein Drittel. Woran liegt das, und was kann man aus dem Chart herauslesen? Wir schauen uns die Zahlen, die Nachrichtenlage und die technische Situation genau an. Am Ende steht die Frage, ob sich hier gerade eine Chance auftut oder ob der Markt weiß warum der Kurs da steht, wo er gerade steht!
Neuer Auftrag, aber Kurs unbeeindruckt
Hensoldt bleibt operativ ziemlich rege. Zuletzt kam ein neuer Auftrag vom BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) über 15 Millionen Euro für die Weiterentwicklung von Optarion, einem System, das Hubschrauber wie Tiger und NH90 digital vernetzt. Dazu gesellen sich Meldungen zu einer Missionsplanungsstation bei einem NATO-Partner und zur Plattform MDOCore, die Bundeswehr-Daten in Echtzeit bündeln soll. Auch ein ziviler Auftrag für ein elektrisches Lufttaxi ist dabei. Trotz dieser Auftragsserie zeigt sich der Kurs unbeeindruckt. Innerhalb von 30 Tagen verlor die Aktie von knapp 96 Euro teilweise fast 20 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch in 2025 von über 117 Euro aus dem Oktober beträgt der Abstand mittlerweile ein Drittel. Und die Analysten sind sich uneinig wohin es geht. Morningstar z. B. stufte auf Buy hoch, MWB Research dagegen auf Sell herunter. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 90 bis 96 Euro, da wäre ja Potenzial vorhanden nach oben. Ein Blick in die Bilanz zeigt aber, warum viele Beobachter und Investoren trotz der Kursschwäche gelassen bleiben. Der Auftragseingang kletterte im ersten Halbjahr auf 2,812 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz wuchs um 23,6 Prozent auf 1,167 Milliarden Euro. Besonders das Optronik-Geschäft legte kräftig zu, hier stieg der Auftragseingang von 164 auf 971 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigt Hensoldt einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro. Was den Kurs eher bremst, ist die politische Unsicherheit rund um künftige Verteidigungsbudgets in Deutschland. Nach der starken Rally der Rüstungswerte in den vergangenen Jahren fragen sich viele Investoren, wie tragfähig die politisch getriebene Nachfrage langfristig ist. Diese Zweifel wiegen an der Börse derzeit offenbar schwerer als einzelne positive Auftragsmeldungen aus dem Unternehmen selbst.

Charttechnik
Der Chart zeigt gerade ein recht deutliches Bild. Der Kurs notiert unter dem 50er SMA und auch unter dem 200er SMA. Das ist grundsätzlich ein schwaches Signal, zeigt aber dass die Aktie im Abwärtstrend notiert. Aber dennoch ist es so, dass das Bild jetzt deutlich ist. Schon ein Anstieg über 83,15 Euro, dort verläuft der 200er SMA, würde etwas ändern. Dann läge der Kurs über beiden wichtigen Durchschnittslinien. Dann wäre die Aktie per Definition im Aufwärtstrend. Solange das aber nicht passiert, bleibt die Aktie im Abwärtstrend, bestenfalls in einer Seitwärtsbewegung. Nach unten besteht weiterhin Rückschlagpotenzial bis in die Zone von 65 bis 70 Euro. Der RSI von rund 43 signalisiert eher nichts, weder eine überverkaufte noch überkaufte Lage, das reicht aber allein noch nicht für eine Trendwende.
Was tun?
Fundamental ist Hensoldt ziemlich stabil aufgestellt. Die Auftragsbücher sind voll, der Umsatz wächst deutlich, und die Jahresprognose wurde bestätigt. Charttechnisch sieht es dagegen angeschlagen aus, zumindest solange die Marke von 83,15 Euro nicht zurückerobert wird. Die politische Debatte über Verteidigungsausgaben dürfte kurzfristig weiter für ein hin- und her sorgen. Wer die Aktie bereits im Depot hat, kann die operative Stärke als Argument fürs Durchhalten nehmen. Wer hingegen neu einsteigen möchte, könnte noch abwarten, ob sich der Kurs über die wichtigen Linien zurückkämpft, bevor er zugreift, oder auf einen Rücksetzer warten und dann auf ermäßigtem Niveau zuschlagen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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