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Jamie Coleman (MFS): Höhere US-Kerninflation, aber Hoffnungen auf diplomatische Lösung

5. bis 11. September 2026

Internationale Aktien gaben diese Woche etwas nach. Weltweit waren die Anleihenrenditen leicht gestiegen, doch zugleich wuchsen die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die US-Zehnjahresrendite stieg um 15 Basispunkte auf 4,92%. Am Freitagmorgen, nach Veröffentlichung der US-Kerninflation, waren es sogar fast 5%, doch dann wurde die Zinsstrukturkurve wieder flacher. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 8 US-Dollar auf 98,50 US-Dollar; zwischenzeitlich hatte es wegen neuer Auseinandersetzungen um die Straße von Hormus über 100 US-Dollar gekostet. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) stieg die Volatilität diese Woche von 16,05 auf 16,60.

Konjunktur

Steigende Inflation macht Zinserhöhung wahrscheinlicher

Am Freitag wurde die amerikanische August-Inflation veröffentlicht. Die Kernrate war mit 0,29% z.Vm. überraschend hoch; man hatte nur mit 0,2% gerechnet. Jetzt schätzt man die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um einen viertel Prozentpunkt am Mittwoch nicht mehr auf etwa 70%, sondern auf 90%. Insgesamt blieb die Teuerung aber mit 3,4% z.Vj. unverändert. Besonders hoch fiel die Kern-Dienstleistungspreisinflation (ohne Wohnkosten) aus. Sie betrug 0,5% z.Vm.

Neue Angriffe, aber Hoffnungen auf diplomatische Lösung im Nahen Osten

Diese Woche eskalierte der Nahostkonflikt erneut. Die USA wollen mit Sanktionen und einer Seeblockade die iranische Wirtschaft lahmlegen. Der Iran revanchierte sich mit Raketenangriffen auf US-Kriegsschiffe, was seit den ersten Kriegstagen nicht mehr vorgekommen war. Außerdem griff er erneut die US-Militärbasis in Jordanien an. Die USA beschossen wiederum iranische Tanker und andere Ziele auf See. Ein iranischer Sprecher nannte den Krieg "existenziell" und signalisierte eine weitere Eskalation. Analysten glauben, dass der Iran für eine unhaltbare Lage sorgen und die USA zu einem Kurswechsel zwingen will. Als die Kämpfe Energielieferungen und Schiffsrouten bedrohten, kosteten sowohl Brent- als auch WTI-Öl zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel. Am Freitag fielen die Ölpreise dann wieder.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal vom Donnerstag vermuten Regierungen im Nahen Osten, dass der Iran in unterirdischen Fabriken neue Raketen baut. Das nötige Material sei vorhanden, und man würde sich auf längere Kämpfe vorbereiten. Zu einer weiteren Eskalation kam es, weil die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen Energieanlagen, Städte und eine Militärbasis in Saudi-Arabien angriffen. Die USA haben dem Vernehmen nach über 100 Militärberater nach Saudi-Arabien entsandt. Sie sollen den Saudis bei der Aufklärung helfen und das Land gezielt unterstützen.

Am Freitag schrieb die Financial Times, dass der Iran am Montag mit den sechs Ländern des Golf-Kooperationsrats über eine vorläufige Regelung für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sprechen wolle. Öl wurde daraufhin wieder billiger.

Steigende US-Renditen nach enttäuschenden Anleihenrückkäufen

Die US-Zehnjahresrendite stieg auf den höchsten Wert seit 2023. Sie reagierte damit auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums, für lediglich 6 Milliarden US-Dollar Titel mit 10 bis 20 Jahren Laufzeit zurückzukaufen. Anleger hatten mit mehr gerechnet. Die hohe US-Kerninflation einige Tage später machte es nicht besser.

Laut Finanzminister Scott Bessent sollen die Rückkäufe den zuletzt schwachen Anleihenmarkt stabilisieren. Unterdessen bestritt er, dass der Ausverkauf etwas mit Zweifeln an den US-Staatsfinanzen zu tun habe. In den USA seien die Renditen zuletzt weniger stark gestiegen als in anderen Industrieländern. Außerdem warnte er Anleger davor, auf steigende Renditen zu setzen; sie könnten dadurch Geld verlieren, da das Finanzministerium schließlich am längeren Hebel sitze. Bis jetzt haben Händler diese Warnungen ignoriert, sodass die Renditen vorübergehend auf neue Allzeithochs stiegen.

EZB erhöht wegen anhaltender Inflation die Zinsen

Am Donnerstag erhöhte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5%. Sie behielt ihre Inflationsprognose von 3% in diesem Jahr bei, hob aber die Prognose für 2027 von 2,3% auf 2,5% an. Der Preisauftrieb werde noch länger über dem Zielwert liegen.

Generell seien die Inflationsrisiken gestiegen, während die Wachstumsrisiken nachgelassen hätten, so die Notenbank. EZB-Chefin Christine Lagarde nannte die Euroraum-Wirtschaft trotz der Energieschocks "stabil"; auch der Arbeitsmarkt sei in guter Verfassung. Laut Lagarde habe man im EZB-Rat nicht über weitere Zinsschritte gesprochen. Nach der Sitzung am Donnerstag schrieb Bloomberg, dass die EZB die Zinsen schon im nächsten Monat erneut anheben könnte.

Kurz gefasst

Die New Yorker Börse beging den 25. Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September am Freitagmorgen um 9.20 Uhr mit einer Schweigeminute zu Ehren aller, die an diesem Tag ihr Leben verloren haben.

Im September war die Anlegerstimmung im Euroraum so gut wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Sentix Investor Confidence Index stieg von 0,9 im August auf 5,1. Das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal wurde auf 0,6% heraufrevidiert, vor allem wegen guter Zahlen aus Irland.

Nach den revidierten Zahlen ist Japans Wirtschaft im 2. Quartal um 1,4% z.Vj. gewachsen. Zunächst war man von 1,1 % ausgegangen. Außerdem stiegen die Nominallöhne so stark wie seit 1997 nicht mehr, sodass es die Bank of Japan vielleicht nicht bei der für Freitag erwarteten Zinserhöhung belässt.

China will staatliche Banken und Versicherungen mit etwa 54 Milliarden US-Dollar unterstützen, um das Finanzsystem zu stabilisieren.

Der britische Notenbankchef Andrew Bailey nannte es angesichts der weltweiten Inflationsrisiken "vernünftig", mit drei weiteren Zinserhöhungen in den nächsten zwölf Monaten zu rechnen.

Die Verkäufe amerikanischer Bestandsimmobilien fielen im Juli um 2% z.Vm. Das Immobilienangebot war unterdessen so groß wie seit 2015 nicht mehr.

Der britische Finanzminister John Healey bekannte sich zu einer disziplinierten Haushaltspolitik, um den Anleihenmarkt zu stabilisieren und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Die britische Zehnjahresrendite stieg am Donnerstag auf 5,34%, so viel wie zuletzt 2007.

Kanada erhöhte wie angekündigt die Zölle auf US-Güter als Reaktion auf die amerikanischen Zollerhöhungen Ende August. Auf viele US-Waren werden jetzt Zölle von 15% bis 50% erhoben. Präsident Trump wies seine Regierung daraufhin an, bestimmte kanadische Produkte so lange nicht mehr zu kaufen, bis die Zölle beider Länder wieder "genau gleich hoch" seien. Man geht davon aus, dass Trumps Maßnahme weniger als 1% der kanadischen Exporte in die USA betrifft.

Für die USA hätten eine höhere Ölförderung und Treibstoffproduktion Priorität - und nicht etwa Exportbeschränkungen für Öl. Das sagte US-Energieminister Chris Wright.

Aufgrund der Probleme in der Straße von Hormus und der Drohungen der Huthi stiegen die Gebühreneinnahmen des Suezkanals um 42%. Viele Schiffe werden jetzt über Ägypten umgeleitet.

Kuwaits Rohölexporte betragen mittlerweile wieder fast zwei Drittel des Vorjahresdurchschnitts, weil Tanker die Straße vom Hormus umfahren.

Die europäischen Erdgaspreise stiegen diese Woche auf den höchsten Wert seit 2023.

Die Spreads von Anleihen mit einem Rating von CCC oder weniger weiteten sich auf über 10,5 Prozentpunkte aus. So hoch waren sie zuletzt nach den Verlusten im April.

Weil sich die Kapitalausstattung der amerikanischen Schadens- und Unfallversicherer immer weiter verbessert, fallen die Prämien.

Deloitte erwartet, dass die Umsätze im amerikanischen Thanksgiving- und Weihnachtsgeschäft um 4,8% höher ausfallen als letztes Jahr.

In Sachsen-Anhalt hat die AfD mit gut 44% ein Rekordergebnis erzielt - ein schwerer Schlag für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU.

Präsident Trump teilte mit, dass jeder erwachsene Amerikaner eine "Dividende" von 5.000 US-Dollar erhalten sollte, wenn die Republikaner die Mehrheit im Kongress im November verteidigten. Der Kongress müsste dem zustimmen. Die Maßnahme würde etwa 1,2 Billionen US-Dollar kosten.

Ebenfalls am Donnerstag ließ das Weiße Haus wissen, dass fast eine Million Amerikaner jeweils 500 US-Dollar erhalten sollten - als Ausgleich für, wie die Regierung es nennt, viel zu hohe "Nutzergebühren" beim Abschluss von Krankenversicherungen nach dem Affordable Care Act in der Biden-Zeit.

Die britische Wirtschaft wuchs im Juli um überraschend starke 0,4%, nicht zuletzt dank KI. Das schreibt das nationale Statistikamt.

Nächste Woche

Montag: japanische Industrieproduktion, kanadische Verbraucherpreise

Dienstag: britische Arbeitslosenquote

Mittwoch: japanische Handelsbilanz, britische Verbraucherpreise, Industrieproduktion im Euroraum, Einzelhandelsumsätze in den USA, Offenmarktausschusssitzung der Fed

Donnerstag: Sitzung der Bank of England, Baubeginne und schwebende Hausverkäufe in den USA

Freitag: Sitzung der Bank of Japan, britische Einzelhandelsumsätze, amerikanische Industrieproduktion

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

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Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Prognosen sind keine Garantien.

Die Performance der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.

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KI braucht Strom
Halbleiter, Speicherchips und Rechenzentren haben Anlegern im KI-Boom bereits enorme Gewinne beschert. Doch jetzt zeichnet sich mit der benötigten Energie der nächste große Flaschenhals ab. Neue KI-Rechenzentren benötigen nicht mehr einige Megawatt, sondern zum Teil mehrere Gigawatt Leistung – so viel wie mehrere moderne Kernkraftwerksblöcke.

Damit beginnt ein weltweites Wettrennen um verfügbare Stromkapazitäten. Hyperscaler sichern sich bereits über langfristige Verträge gewaltige Energiemengen, während Stromnetze und Erzeugungskapazitäten mit dem Ausbau kaum Schritt halten können. Zusätzlich verschärfen geopolitische Risiken rund um den Iran-Krieg und die Straße von Hormus die Situation.

Für Energieversorger und ihre Zulieferer könnte damit ein goldenes Zeitalter beginnen. Steigende Nachfrage, langfristige Abnahmeverträge und wachsende Strompreise schaffen ein Umfeld, in dem ausgewählte Unternehmen zum nächsten großen KI-Trade werden könnten.

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