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Deutsche Rüstungswerte haben es aktuell schwer, so ist Renk am Donnerstag auf ein neues Jahrestief gefallen. Das kontert am Freitag Goldman Sachs mit einer Kaufempfehlung. Reicht das für einen Turnaround?
Deutsche Rüstungsaktien stecken tief in der Kurskrise
Für deutsche Rüstungswerte verläuft das Börsenjahr 2026 weiterhin enttäuschend. Die Anteile von Hensoldt, Renk und Rheinmetall befinden sich bereits seit Monaten in hartnäckigen Abwärtstrends. Mit Ausnahme auf wenige Wochen begrenzter Gegenbewegungen war von Seiten der Käuferinnen und Käufer bislang nur wenig zu sehen.
Die Branche leidet unter im internationalen Vergleich hohen Unternehmensbewertungen, Zweifeln an der raschen Umsetzung hoher Auftragsbestände in Umsatz- und Gewinnwachstum sowie Sorgen darum, dass die Produktpalette an den Bedürfnissen eines sich im Zusammenhang mit dem Ukraine- und Iran-Krieg veränderten Gefechtsumfeldes vorbeigeht.
Goldman Sachs stuft Renk auf "Kaufen" hoch und sorgt für Gewinne
Am Beispiel der Renk-Aktie markierte der Donnerstag einen weiteren, traurigen Höhepunkt in dieser Entwicklung. Die Anteile fielen unter 40 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit dem Trump-Crash im April vergangenen Jahres. Solche markanten Tiefs bedeuten in der technischen Analyse Verkaufssignale.
Doch vor dem Wochenende zeigt sich der Augsburger Panzer- und Schiffsgetriebehersteller versöhnlich. Mit einem Plus von 4,5 Prozent ist die Aktie einer der Top-3-Performer im deutschen Gesamtmarktindex HDAX. Nur Siltronic und Evotec schnitten bis zum Mittag noch besser ab. Grund für die starken Kursgewinne ist vor allem eine Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs, welche die Aktie von Renk hochgestuft hat.
Nicht nur mehr, sondern auch margenstärkere Erlöse vorhergesagt
Zeigte sich Sam Burgess, der laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten TipRanks als überaus zuverlässiger Experte gilt, in den vergangenen Monaten mit einer neutralen Einstufung der Renk-Anteile zurückhaltend, empfiehlt der die Aktie jetzt mit einem Kursziel von 65 Euro zum Kauf.
Er sieht in der Talfahrt der vergangenen Wochen eine "attraktive" Einstiegsgelegenheit und verweist auf die hohe Visibilität der Wachstums- und Gewinnentwicklung in den kommenden Quartalen. Vor allem in der Nachfrage nach Getrieben und Motoren für Landfahrzeuge sieht er großes Potenzial. Hier verzeichnete Renk in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres einen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43 Prozent höheren Auftragseingang. Gegenwärtig liegt die Book-to-Bill-Rate bei 2,3.
Angesichts des höheren Auftragsbestands rechnet er daher nicht nur mit steigenden Erlösen, sondern auch mit höheren Margen, woraus sich für die Erträge doppelter Rückenwind ergibt. Seine Margenprognose hat Burgess auf 17,7 Prozent im laufenden und auf 21,5 Prozent für das Geschäftsjahr 2030 angehoben. Einen überdurchschnittlich hohen Beitrag hierzu soll die Landsparte liefern.
Zuversichtlicher Analystenkonsens bescheint Aktie hohes Potenzial
Mit seinem Kursziel von 65 Euro bewegt sich der Goldman-Sachs-Experte etwas über dem Analystenkonsens von 63,51 Euro, der damit eine Upside von fast 60 Prozent prognostiziert. Das gegenwärtig niedrigste Kursziel liegt bei 48,00 Euro und signalisiert damit einen 20-Prozent-Anstieg der Aktie, laut der zuversichtlichsten Einschätzung mit einer Fair-Value-Schätzung von 75,50 Euro könnte Renk sogar um fast 90 Prozent zulegen.
Nachdem Burgess seine Einschätzung für die Renk-Aktie angehoben hat, sind die Anteile 11 Mal zum "Kaufen" und 3 Mal zum "Übergewichten" vorgesehen. Dem stehen 3 neutrale Bewertungen gegenüber. Empfehlungen zum "Reduzieren" oder "Verkaufen" von Positionen liegen gegenwärtig nicht vor. Daraus ergibt sich insgesamt eine Empfehlung zum Kaufen des Augsburger Rüstungszulieferers.

Aktie erholt sich, aber vor ihr liegt noch ein weiter Weg
Die Kaufempfehlung von Goldman Sachs machte schon in der Frühbörse Eindruck auf Anlegerinnen und Anleger. Im vorbörslichen Handel legte das Papier um 3 Prozent zu. Diese Kursgewinne konnten bis zum Mittag zeitweise auf über 4,5 Prozent ausgebaut werden, ehe sich Renk bei einem Plus von 4 Prozent einpendelte. Damit gelingt den Käuferinnen und Käufern nach dem neuen Jahrestief am Donnerstag ein respektabler Konter.
Charttechnisch ändert sich an der schwierigen Ausgangslage der Aktie dadurch allerdings nur wenig. Wenngleich die Unterstützung bei 40 Euro auf Wochenbasis verteidigt werden dürfte, ist der seit dem Jahreswechsel herrschende Abwärtstrendkanal die das Kursgeschehen bestimmende Konstante. Anzeichen für eine Trendwende gibt es bislang nur wenige.
Zwar hat im Relative-Stärke-Index (RSI) eine Bodenbildung stattgefunden, bullishe Divergenzen liegen jedoch keine vor. Die gab es zwar zeitweise im Trendstärkeindikator MACD, der seinen Aufwärtstrend aber unterbrochen hat und mit einer Notierung sowohl unter der Null- als auch der Signallinie einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend anzeigt. Damit könnte Renk schon bald unter 40 Euro fallen und weiteres Abwärtspotenzial in Richtung 30 Euro freisetzen. Wer jetzt einsteigt, tut das klar antizyklisch - und sollte sich mit einem Stopp-Loss knapp unterhalb von 40 Euro absichern.
Fazit: Bewertung vor allem mit Blick auf 2027 attraktiv
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung profitiert Renk vom anhaltenden Abwärtstrend. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Augsburger mit knapp dem 30-Fachen ihrer erwarteten Gewinne bewertet. Das ist im internationalen Branchenvergleich sehr weit fortgeschritten. Doch schon für 2027 hellt sich das Bild mit einem KGVe von 21,0 bei einem prognostizierten Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0,5 auf.
Gelingt es Renk, wie von Goldman Sachs vorgesehen, den hohen Auftragsbestand nicht nur in Umsatzwachstum, sondern auch in zusätzliche Margenstärke zu überführen, könnte das aktuelle Kurs- und Bewertungsniveau einen Boden bilden und der Aktie wieder mittel- und langfristige Anstiegschancen verschaffen. Bleibt Renk jedoch hinter den Markterwartungen zurück, ist mit weiter anhaltendem Gegenwind zu rechnen. In diesem Fall sollten sich Anlegerinnen und Anleger im Bereich von 30 bis 32 Euro für einen Einstieg auf die Lauer legen.
Gastautor: Max Gross
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