(neu: Aktienkurs, Analysten)
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Reisekonzern Tui hat den Iran-Krieg und den Trend zu Last-Minute-Urlaub im Sommer deutlich zu spüren bekommen. Der gebuchte Umsatz lag im Pauschalreisegeschäft fünf Prozent niedriger als im Sommer zuvor, wie das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen am Dienstag in Hannover mitteilte. Für das zu Ende gehende Geschäftsjahr bis Ende September rechnet Vorstandschef Sebastian Ebel nun mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (bereinigtes Ebit) währungsbereinigt von zuletzt gut 1,4 Milliarden auf nun 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. Dies entspricht dem mittleren Bereich der bisherigen Zielspanne.
An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Die Aktie verlor zuletzt um rund 1,7 Prozent auf 6,42 Euro. Seit dem Jahreswechsel summiert sich damit der Kursverlust auf fast 29 Prozent. James Wheatcroft von dem Analysehaus Jefferies monierte, dass der Reisekonzern nicht auf die Auswirkungen der steigenden Kerosinpreise eingegangen sei.
Derweil ist ein Ende der Krise bisher nicht in Sicht: Erste Trends für die Wintersaison deuten dem Konzern zufolge darauf hin, dass Kunden angesichts geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit ihre Reisen nach wie vor später buchen als in der Vergangenheit üblich. Daher lässt sich der Vorstand weiter Spielraum, um das Angebot kurzfristig an die Nachfrage anzupassen.
Obwohl das Geschäftsjahr 2025/26 fast zu Ende ist, nannte Ebel weiterhin keine Umsatzprognose. Das ursprüngliche Ziel hatte er wegen des Iran-Kriegs im April gestrichen und sein Gewinnziel gesenkt. Damals steckten zwei Schiffe der Kreuzfahrtlinie Tui Cruises wegen des Kriegsausbruchs im Persischen Golf fest, und viele Menschen verschoben ihre Urlaubsbuchungen auf später. Die Tui-Führung strich das Reiseangebot daher in der Folge um fünf Prozent zusammen.
Richard Clarke von dem US-Analysehaus Bernstein Research verwies auf die Buchungen für das Sommergeschäft. Der Rückgang sei etwas geringer ausgefallen als im August signalisiert. Die Nachfrage für die Wintersaison sei langsam angelaufen.
Im August hatte der gebuchte Pauschalreise-Umsatz noch sechs Prozent niedriger gelegen als ein Jahr zuvor. In den vergangenen Wochen dämmte sich das Minus folglich noch um einen Prozentpunkt ein. Für den bevorstehenden Winter liegt das Minus derzeit bei sieben Prozent, wie der Konzern berichtete. Allerdings habe sich die Buchungsdynamik in den vergangenen vier Wochen verbessert.
Lichtblicke gab es trotz allem bei den konzerneigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Zwar ging die Auslastung der Häuser wie Riu und Tui Blue im Quartal von Juli bis September etwas zurück, doch Tui konnte höhere Preise durchsetzen. Und die Schiffe von Tui Cruises, Marella und Hapag-Lloyd waren bei höheren Preisen genauso stark ausgelastet wie ein Jahr zuvor.
Die endgültigen Geschäftszahlen will Tui wie geplant am 9. Dezember veröffentlichen./stw/zb/stk/mne/stk




