12. bis 18. September 2026
Internationale Aktien gaben diese Woche etwas nach. Steigende Anleihenrenditen aufgrund von Inflation und Zinserhöhungen dämpften die Stimmung. Die US-Zehnjahresrendite stieg erstmals seit fast drei Jahren kurzzeitig über 5%, und die Zweijahresrendite war so hoch wie seit Mitte 2024 nicht mehr. Offensichtlich rechnet man mit weiteren Zinserhöhungen der Fed. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um etwa 2 US-Dollar auf 102,10 US-Dollar, was die Inflationssorgen weiter anheizte. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) verringerte sich die Volatilität diese Woche leicht von 15,84 auf 15,31. Aktien fanden keine klare Richtung.
Konjunktur
Immer mehr Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung
Am Wochenende forderten mehrere prominente KI- und Technologieunternehmer, darunter Dario Amodei, Sam Altman und Elon Musk, eine langsamere Entwicklung von KI-Modellen. Sie begründeten das mit Sicherheitsbedenken und forderten die Branche zu einer verantwortungsbewussten Modellentwicklung auf. NVIDIA-CEO Jensen Huang, Mark Zuckerberg von Meta und US-Vizepräsident JD Vance kritisierten die Initiative. Der Markt funktioniere gut. Neue Vorschriften seien unnötig, Selbstbeschränkungen könnten dem US-Wirtschaftswachstum schaden und die amerikanische Führungsrolle bei KI gefährden. Chipwerte gaben daraufhin am Montag kräftig nach. Der Philadelphia Semiconductor Index fiel um etwa 6%, machte im Laufe der Woche aber einen Großteil des Verlusts wieder wett. Die Aktien von Software- und Cybersicherheitsfirmen, die gemeinhin als KI-Verlierer gelten, legten nach der Diskussion am Montag kräftig zu.
Starker Energiepreisanstieg nach Drohnenangriff
Drohnenangriffe aus der irakischen Provinz Maysan auf die saudische Ost-West-Pipeline zwangen das Königreich am 10. September, die für die Umgehung der Straße von Hormus so wichtige Pipeline vorübergehend zu schließen. Brent kostete zeitweise mehr als 108 US-Dollar je Barrel, ein Anstieg um 3,7%. Als Saudi-Arabien dann andere Exportwege nutzte und ankündigte, die Pipeline innerhalb weniger Tage zumindest teilweise zu reparieren, ging der Ölpreis wieder auf etwa 102 US-Dollar zurück. Vermutlich stecken vom Iran unterstützte Milizen hinter dem Angriff. Neue diplomatische Bemühungen stabilisierten die Märkte zuletzt wieder etwas. Dennoch bleiben die Risiken hoch.
Fed hebt Leitzins an und signalisiert weitere Erhöhungen
In einer einstimmigen Entscheidung erhöhte der Offenmarktausschuss die Federal Funds Rate um 25 Basispunkte, auf 3,75% bis 4,00%. Begründet wurde das mit einer weiter boomenden Wirtschaft und der Inflation über dem 2%-Ziel. Damit wurden die Zinsen seit 2023 jetzt erstmals erhöht. Die meisten Offenmarktausschussmitglieder erwarten noch einen weiteren Zinsschritt bis zum Jahresende, und vier rechnen sogar mit zwei. Aktien legten nach dem Zinsentscheid zunächst zu, gaben aber wieder nach, weil Kevin Warshs Worte als sehr scharf wahrgenommen wurden. Am Mittwoch schloss der S&P 500 so niedrig wie seit Juli nicht mehr, und der Dow Jones fiel um 1,2%. Kurz laufende Staatsanleihen waren ebenfalls schwach - die Zweijahresrendite stieg auf den höchsten Wert seit 2024 -, und der US-Dollar wertete gegenüber den meisten Währungen auf. Interessant ist, dass sich in Asien wie in den USA die Investmentgrade-Spreads verengten. Offensichtlich geht man jetzt davon aus, dass die Fed die Inflation ernsthaft bekämpft.
Bank of England lässt Leitzins zunächst unverändert
Mit 6 zu 3 stimmte der geldpolitische Ausschuss der Bank of England für einen unveränderten Leitzins von 3,75%. Er schloss aber spätere Erhöhungen nicht aus, wenn die Weltlage die Inflation weiter anheize. Notenbankchef Andrew Bailey verlas eine vorbereitete Erklärung. Demnach habe der Energiepreisschock bislang kaum für eine höhere Teuerung gesorgt. Zugleich warnte er aber - je länger Energie so teuer sei, desto schwieriger würde die Lage. Überraschend kündigte die Bank of England auch an, im Rahmen des Quantitative Tightening keine lang laufenden Anleihen mehr zu verkaufen. Die Folge war eine kräftige Rallye; die britische 30-Jahres-Rendite fiel zunächst um 12 Basispunkte auf 5,74%.
Bank of Japan erhöht, aber keine einstimmige Entscheidung
Die Bank of Japan hat ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25% erhöht und eine weitere Straffung angekündigt, damit die Inflation das 2%-Ziel nicht überschreitet. Die Entscheidung war aber nicht einstimmig. Die Erhöhung war weithin erwartet worden, nicht aber die Uneinigkeit. Anleger fragen sich jetzt, ob die Zinsen wirklich noch einmal angehoben werden. Der Yen gab nach; die Märkte schienen über die milden Äußerungen von Notenbankchef Ueda enttäuscht.
Kurz gefasst
Im August betrug Kanadas Verbraucherpreisinflation wie erwartet unverändert 3,0% z.Vj. Der Kernindex der Notenbank lag mit 1,95% knapp unter dem 2%-Ziel. Benzinpreisbereinigt legte die Teuerung aber zu; offensichtlich ist die Inflation noch nicht überwunden. Da die Bank of Canada ihren Leitzins unverändert bei 2,25% beließ und Zinserhöhungen bei einem noch stärkeren Energiepreisanstieg nicht ausschloss, ist der Ausblick für die kanadische Geldpolitik insgesamt vorsichtig optimistisch.
Der britische Arbeitsmarkt schwächte sich weiter ab. Im August fiel die Beschäftigtenzahl um 26.000 und damit um deutlich mehr als die erwarteten 5.000. Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,9% unverändert; sie liegt damit nur knapp unter einem 5-Jahres-Hoch.
Der US-Senat hat den Digital Asset Market Clarity Act erst einmal nicht an das Repräsentantenhaus weitergeleitet. Nur 49 Senatoren stimmten dafür, 50 dagegen. Nötig wären 60 Stimmen gewesen. Grund für das Scheitern waren ungelöste Fragen zu Ethik und nationaler Sicherheit. Während der Abstimmung fiel der Bitcoin um über 5%, erholte sich dann aber wieder. Kryptowährungsnahe Aktien standen weiter unter Druck; Coinbase und Robinhood fielen kräftig.
In einer Anhörung vor dem Financial Services Committee des Repräsentantenhauses verteidigte US-Finanzminister Scott Bessent am 15. September die US-Beteiligung an der koordinierten Yen-Intervention. Sie sei im nationalen Interesse gewesen, da ein stärkerer Yen US-Exporte wettbewerbsfähiger mache und Japan dann weniger US-Staatsanleihen zur Stärkung seiner Währung verkaufen müsse. Bessent nannte den amerikanischen Anteil an den Interventionen "symbolisch". Die Märkte reagierten kaum.
Die Intel-Aktie legte zur Wochenmitte kräftig zu. Dem Vernehmen nach verhandelt Intel mit SK Hynix über die erstmalige Herstellung von Speicherchips in den USA. Intel könnte einen Teil seiner Produktionsstätten in Ohio an SK Hynix vermieten oder gemeinsam ein Joint Venture mit großen Cloud-Anbietern eingehen.
Im August stiegen die amerikanischen Einzelhandelsumsätze um 1,2% z.Vm.; der größte Zuwachs seit fünf Monaten und deutlich mehr als die erwarteten 0,8%. Wesentlichen Anteil daran hatten Autos, Benzin und der Onlinehandel. Die Preise der sogenannten Kontrollgruppe, ein wichtiger Faktor für die BIP-Berechnung, stiegen um 1,4% statt der erwarteten 0,5%. Offensichtlich ist der US-Konsum noch immer stabil.
Die amerikanische Industrieproduktion blieb im August unverändert (0,0% z.Vm.). Sie blieb damit hinter den Konsenserwartungen von +0,3% z.Vm. zurück, vor allem, weil die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe um 0,3% fiel. Im Vorjahresvergleich stieg die Industrieproduktion um 1,42%. Die Kapazitätsauslastung blieb mit 76,3% unverändert. Die Industrie dürfte die Inflation eher nicht antreiben.
Die britischen Einzelhandelsumsätze stiegen im August um 0,5% z.Vm., statt wie erwartet um 0,2% zu fallen. Damit wurde der Rückgang vom Juli vollständig ausgeglichen. Wesentlichen Anteil an den guten Zahlen hatten das warme Wetter, der Onlinehandel und zahlreiche Werbemaßnahmen. Durch den überraschend guten August stiegen die Einzelhandelsumsätze im Vorjahresvergleich um 2,4%. Offensichtlich ist auch der britische Konsum trotz hoher Energiepreise und Inflation noch immer stabil.
Nächste Woche
Montag: Fed-Vorstand Goolsbee spricht in London über "Geldpolitik in einer unsicheren Welt"
Dienstag: Konsumklima im Euroraum, UN-Generalversammlung in New York
Mittwoch: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) im Euroraum, dem Vereinigten Königreich, den USA und Japan, australischer Arbeitsmarktbericht
Donnerstag: Leitzinsentscheidungen in Schweden, der Schweiz und Norwegen, Beschäftigungsbericht und Einzelhandelsumsätze in Kanada, Gipfeltreffen von Trump und Chinas Staatschef Xi
Freitag: Geldmenge im Euroraum, Bestellungen langlebiger Güter in den USA
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
