21.09.2026 -
Restriktive Notenbanken, ausufernde Staatsschulden und der Kreditbedarf im Zuge der Künstlichen Intelligenz lassen die Renditen steigen. Lars Conrad erklärt, wie sich Anleger jetzt aufstellen.
Das Wichtigste in Kürze- Anleihen bieten nach dem Renditeanstieg wieder attraktivere laufende Erträge. Anleger werden für Zins-, Haushalts- und Refinanzierungsrisiken inzwischen besser entschädigt.
- Hohe Staatsschulden machen eine sorgfältige Auswahl wichtiger. Nicht bei allen Ländern und Emittenten stimmt das Verhältnis von Rendite und Risiko.
- Im Fokus stehen Anleihen mit hoher Bonität. Chancen sieht Lars Conrad unter anderem bei inflationsgebundenen Staatsanleihen und ausgewählten Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Segment.
- Auch die Laufzeit kann wieder wichtiger werden. Sollten sich die Marktsorgen von der Inflation auf die Folgen restriktiver Finanzierungsbedingungen verlagern, könnten Anleihen mit höherer Zinssensitivität profitieren.
Die Schulden der Staaten steigen schon seit Jahren rasant an. Wie reagieren die Märkte darauf?
Früher galten Staatsanleihen der großen Industrienationen als absolut sichere Anlage. Anleger sind zuletzt aber vorsichtiger geworden und haben die Risiken neu bewertet. Das zeigt sich vor allem an Renditen, die sowohl vor als auch nach Inflation kräftig gestiegen sind.
Wachsende Schuldenberge müssen zu hohen Zinsen bedient werden - da können die Kosten aus dem Ruder laufen. Welche Lösungen gibt es für dieses Problem?
Die Basis ist natürlich immer eine solide Politik. Für die aktuelle Situation gibt es da wohl keine schmerzfreie Lösung. Stärkeres Wirtschaftswachstum, eine Konsolidierung der Haushalte und niedrigere Finanzierungskosten können in der aktuellen Lage helfen. Ein potenzieller positiver Faktor ist auch die Künstliche Intelligenz (KI). Ein nachhaltiger Produktivitätsschub könnte das Potenzialwachstum steigern und damit die Tragfähigkeit der Verschuldung verbessern. Glaubwürdige Haushaltspolitik und Strukturreformen bleiben aber unerlässlich.
Warum Anleihen wieder attraktiver geworden sindWas bedeutet das aktuelle Umfeld für Anleger?
Paradoxerweise haben die fiskalischen Sorgen dazu beigetragen, Anleihen attraktiver zu machen. Die Renditen sind gestiegen, Anleger werden für mögliche Haushalts- und Refinanzierungsrisiken wieder angemessen entschädigt. Das gilt für verschiedene Marktszenarien.
Erklären Sie uns das etwas genauer.
Die laufende Rendite und die Aufschläge für längere Laufzeiten bieten einen wirksamen Puffer für den Fall, dass die Zinsen weiter steigen sollten. In einem konstanten Zinsumfeld locken attraktive Erträge, während fallende Renditen Durationsgewinne mit sich bringen würden. Aktive Fonds kommen aktuell auf laufende Renditen von fast fünf Prozent.
Risiken bei Anleihen durch Bonität und Diversifikation begrenzenWie können Anleger Risiken vermeiden?
Wir diversifizieren global und investieren äußerst selektiv. Derzeit halten wir beispielsweise keine japanischen, französischen oder italienischen Staatsanleihen, da wir deren Risiko-Rendite-Profile nicht für ausreichend attraktiv halten. Eine aktive und opportunistische Anlagestrategie ist zumindest aus unserer Sicht hier entscheidend. Nicht zuletzt sollte die finanzielle Stabilität jedes Emittenten professionell analysiert werden.
Wie investieren professionelle Anleger?
Unser Haus fokussiert sich im aktuellen Umfeld vor allem auf Anleihen mit hoher Bonität. Bei Staatsanleihen finden wir insbesondere inflationsgebundene Anleihen attraktiv, mit Blick auf attraktive Realrenditen inklusive Inflationsschutz.
Unternehmensanleihen zwischen KI-Investitionen und KreditrisikenUnd bei Unternehmensanleihen?
Hier hat die starke Emissionstätigkeit im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) selektive Chancen im Investment-Grade-Segment geschaffen, während der High-Yield-Bereich das Kreditrisiko aus unserer Sicht nicht ausreichend vergütet.
Geben Sie uns einen Ausblick?
Die jüngsten Entwicklungen am Anleihemarkt waren mit Blick auf die kurzfristige Wertentwicklung herausfordernd, haben die Attraktivität von Anleihen aber erhöht. Aktuell sind bereits einige weitere Zinserhöhungen der Notenbanken eingepreist. Wenn sich der Fokus des Marktes von den Inflationsrisiken hin zu den Folgen der restriktiven finanziellen Rahmenbedingungen verschieben würde, könnte sich eine kluge Aufstellung bei der Duration auszahlen.
