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Eine Fabrik kann moderne Maschinen besitzen, erfahrene Beschäftigte einstellen und technisch überzeugende Produkte herstellen - und trotzdem für bestimmte Aufträge nicht infrage kommen. In regulierten Industrien entscheidet häufig noch eine weitere Ebene über den Marktzugang: dokumentierte Prozesse, externe Audits und Zertifizierungen.
Die Infineon Technologies AG (ISIN: DE0006231004) lässt ihr Qualitätsmanagement weltweit unter anderem nach ISO 9001 und IATF 16949 zertifizieren. Bei der Continental AG (ISIN: DE0005439004) arbeiteten Ende 2025 76% der Beschäftigten an Standorten, die von einem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 oder einem vergleichbaren Standard erfasst waren. Die FACC AG (ISIN: AT00000FACC2) verbindet wiederum mehrere Qualitäts-, Wartungs-, Umwelt-, Arbeitsschutz- und Prüfnormen miteinander.
Eine Norm schreibt nicht vor, wie ein Produkt aussehen muss
Qualitätsstandards werden häufig mit einer staatlichen Produktzulassung verwechselt. Tatsächlich regeln viele Normen vor allem die Prozesse hinter einem Produkt. Unternehmen müssen beispielsweise dokumentieren, wie Änderungen freigegeben werden, wie Fehler behandelt werden, wer bestimmte Entscheidungen treffen darf und wie sich Prozesse überprüfen lassen.
Das schafft Wiederholbarkeit. Ein Kunde soll sich nicht darauf verlassen müssen, dass gerade ein besonders erfahrener Mitarbeiter Dienst hat. Der Prozess soll unabhängig von einzelnen Personen reproduzierbare Ergebnisse liefern.
Ein Zertifikat beweist allerdings nicht, dass niemals ein Fehler auftreten wird. Es bestätigt vielmehr, dass ein überprüftes Managementsystem nach definierten Anforderungen eingerichtet wurde.
Infineon zertifiziert das Qualitätsmanagement weltweit
Infineon erfüllt nach eigenen Angaben weltweit die Anforderungen von ISO 9001 und IATF 16949. Letztere wurde speziell für die Automobilindustrie entwickelt. Hinzu kommen weitere Standards, darunter AS 9100 für entsprechende Hochzuverlässigkeitsanwendungen und ISO 26262 für funktionale Sicherheit.
Besonders interessant ist der Umgang mit Veränderungen. Infineon beschreibt einen eigenen Change-Management-Prozess, über den Änderungen an Produkten oder Produktionsverfahren funktionsübergreifend bewertet werden. Management-Gremien geben Veränderungen erst nach der Prüfung der relevanten Auswirkungen frei. Das Verfahren soll unter anderem die Anforderungen von ISO 9001, IATF 16949 und kundenspezifischen Verträgen erfüllen.
Die Norm wirkt damit nicht erst bei einer Abschlussprüfung. Sie greift bereits dann, wenn ein bestehender Herstellungsprozess verändert wird.
Continental macht Qualitätsmanagement messbar
Continental veröffentlicht im Geschäftsbericht sogar eine Kennzahl zur Zertifizierungsabdeckung. Ende 2025 waren 76% der Beschäftigten des fortgeführten Konzerns an Standorten tätig, deren Qualitätsmanagement nach ISO 9001 oder einem vergleichbaren Standard zertifiziert war. Im gleichen Jahr registrierte Continental 16 neue sogenannte Field Quality Events, nach 17 im Vorjahr.
Das Unternehmen definiert solche Ereignisse als risikominimierende Maßnahmen aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel oder regulatorischer Abweichungen bei bereits eingesetzten Produkten. Beide Kennzahlen sollten nicht miteinander verrechnet werden. Die Zertifizierung beschreibt das vorhandene Managementsystem; ein Qualitätsereignis zeigt dagegen, dass trotz solcher Systeme weiterhin Probleme auftreten können. Gerade deshalb sind regelmäßige Audits und Rezertifizierungen notwendig.
FACC benötigt unterschiedliche Regeln für Entwicklung, Produktion und Wartung
Bei FACC ist die Zertifizierungslandschaft besonders breit. Das integrierte Managementsystem umfasst EN/AS 9100 für Entwicklung und Produktion, EN/AS 9110 für Wartungsorganisationen, ISO 14001 für Umweltmanagement, ISO 45001 für Arbeitsschutz und ISO 17025 für Prüfkompetenz.
Hinzu kommen regulatorische Berechtigungen für unterschiedliche Aufgaben. Die eigene Safety & Quality Policy nennt unter anderem Part 21G für Produktion, Part 21J für Entwicklung und Part 145 für Wartung. Das bedeutet praktisch: Wer ein Produkt entwickeln darf, besitzt nicht automatisch dieselben Berechtigungen für Produktion oder Instandhaltung.
2025 erhielt das FACC-Werk 4 in Reichersberg zusätzlich den Bronze-Status im europäischen Aero-Excellence-Programm. FACC gehörte damit zu den ersten elf Unternehmen weltweit, die diese Stufe erreicht hatten. Bewertet werden unter anderem Ressourcenmanagement, Planung, Logistik, Lieferkette, Industrialisierung und Qualität.
Das Zertifikat öffnet die Tür - den Auftrag gewinnt es nicht
Infineon, Continental und FACC zeigen unterschiedliche Formen derselben industriellen Logik. Je komplexer ein Produkt und je höher die Folgen möglicher Fehler, desto wichtiger werden überprüfbare Prozesse.
Eine Zertifizierung garantiert weder ein besseres Produkt noch einen neuen Auftrag. Sie kann aber die Voraussetzung dafür sein, überhaupt als Lieferant oder Produktionspartner zugelassen zu werden. Erst danach beginnen Preis, Technologie, Lieferfähigkeit und Wettbewerb.
Die unsichtbaren Regeln hinter einer Fabrik sind deshalb wirtschaftlich relevanter, als ihre unscheinbaren PDF-Zertifikate vermuten lassen. Wer in anspruchsvollen Industrien verkaufen will, muss nicht nur zeigen, was er herstellen kann - sondern auch nachweisen, dass er es immer wieder unter kontrollierten Bedingungen herstellen kann.
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Quellen
https://www.infineon.com/quality/certifications-and-standards
https://annualreport.continental.com/2025/en/report/sustainability-report/consumers-end-users.php
https://www.facc.com/de/innovationen-aus-einer-hand-luftfahrt/
https://www.facc.com/de/news/moderne-prozesse-facc-erhaelt-aero-excellence-auszeichnung/
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