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Bei Volkswagen geht es drunter und drüber. Es wirkt fast so, als kommt vieles auf einmal. Zehn Milliarden Euro Sonderkosten fressen fast die komplette Jahresrendite auf. Porsche reißt ein tiefes Loch in die Bilanz. In China kämpft der Konzern quasi ums nackte Überleben, während ein Millionen-Rückruf zusätzlich für schlechte Stimmung sorgt. Doch ganz hoffnungslos ist die Lage nicht, denn neue Elektromodelle stehen in den Startlöchern und auch einige Analysten trauen der Aktie noch einiges zu. Zudem hält sich der Kurs hartnäckig über der 70 Euro-Marke. Die Frage wird sein, ob dies für eine Wende reicht oder folgt der nächste Rutsch schon bald nach unten? Wir schauen genauer für Sie hin.
Sonderkosten, China-Sorgen und ein großer Rückruf
Der Schock kam Mitte September. Volkswagen kappte die Renditeprognose für 2026 auf gerade einmal 1 Prozent, vorher waren bis zu 5,5 Prozent im Gespräch. Grund sind Einmalkosten von rund 10 Milliarden Euro! Allein 6 Milliarden davon gehen auf eine Wertberichtigung bei Porsche zurück, der Rest auf Jobabbau und die China-Schwäche. Und genau China bereitet den größten Kopfschmerz. China-Chef Ralf Brandstätter rechnet mit einem Einbruch des dortigen Automarkts um rund 20 Prozent, vergleichbar mit den Corona-Jahren. Gegen BYD und Geely wird der Preiskampf immer härter, aber immerhin soll gemeinsam mit Xpeng von VW der ID. UNYX 09 an den Start gebracht werden. Ende Oktober soll der offizielle Verkauf in China beginnen. Ob das aber ausreicht, um verlorenes Terrain zurückzuholen, muss sich erst noch zeigen. Parallel dazu läuft der große Umbau zu Hause. Rund 16 Milliarden Euro soll die Restrukturierung kosten, inklusive Stellenabbau und dem Verkauf des Werks Osnabrück. Die IG Metall fordert für 130.000 Beschäftigte 5 Prozent mehr Lohn, am 30. September wird weiter verhandelt. Als wäre das nicht genug, müssen Volkswagen, Audi und Seat weltweit fast 2,9 Millionen Fahrzeuge wegen einer möglicherweise korrodierenden Lenkschraube zurückrufen. Die Analystenmeinungen gehen weit auseinander. Berenberg bleibt bei "Buy" mit Kursziel 100 Euro, Jefferies traut der Aktie sogar 120 Euro zu. Bernstein sieht dagegen nur "Market-Perform". Die UBS stuft neutral ein. Zusätzliche Unsicherheit bringt auch das Indien-Geschäft: Der Partner JSW Group verlangt, dass VW eine Steuerlast von 1,4 Milliarden US-Dollar übernimmt. Die schlechten Nachrichten häufen sich somit und VW steht an der Schwelle, wo neue Mehrjahrestiefs lauern.
Charttechnik
Der Kurs pendelt aktuell im Bereich von 70 bis 72 Euro und hat sich dort in den letzten Tagen als recht stabil erwiesen. Seit Jahresbeginn steht trotzdem ein Verlust von über 30 Prozent zu Buche. Die Marke von 70 Euro fungiert momentan als eine Art Boden, mehrere Abwärtsversuche wurden dort bereits abgefangen. Gelingt der Ausbruch nach oben, wäre eine Erholung Richtung 80 bis 85 Euro drin. Rutscht die Aktie aber unter das 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, öffnet sich charttechnisch der Weg weiter nach unten, dann rückt sogar die 60 Euro-Zone in Reichweite. Generell ist aber der Trend abwärtsgerichtet, denn der Kurs liegt sowohl unter dem 200er, als auch dem 50er SMA.

Was tun?
Die fundamentale Lage bleibt höchst angespannt. Eine operative Marge von nur einem Prozent, ein harter Sparkurs und ungelöste Streitpunkte in Indien und China sind reale Risiken. Gleichzeitig ist die Bewertung inzwischen aber auch historisch niedrig, das KGV liegt bei etwa 7, die Dividendenrendite bei knapp 7 Prozent. Die Charttechnik zeigt momentan, vielleicht aber auch nur kurz, Anzeichen einer Stabilisierung, aber noch keine klare Trendwende. Entscheidend dürfte der 29. Oktober werden, wenn die Quartalszahlen vorliegen, dazu der Marktstart des ID. UNYX 09 in China. Bis dahin spricht vieles für eine abwartende Haltung. Keine überhasteten Käufe, sondern ein Blick auf die nächsten Termine für neue Daten, bevor man sich tatsächlich festlegt. Und dann könnte sogar der Kurs noch deutlich günstiger sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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