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BYD fährt Exportrekorde ein, und trotzdem rutscht die Aktie wieder ab. Mit knapp 8,80 Euro steht das Papier schon wieder so tief wie lange nicht mehr. Gleichzeitig meldet der chinesische Autobauer einen neuen Bestwert im Auslandsgeschäft und schraubt seine eigenen Ziele nach oben. Das ist wieder so ein Widerspruch, der viele Anleger und Investoren ratlos macht. Charttechnisch nähert sich die Aktie einer Marke, die schon mehrfach für Stabilität gesorgt hat. Hält diese und reicht das für eine Wende, oder drohen doch noch neue Tiefs? Wir haben Zahlen, Chart und Nachrichtenlage genauer für Sie angeschaut.
Rekorde aber auch ein paar Risse
Wer nur auf den Kurs schaut, glaubt an eine Krise bei BYD. Wer auf die Zahlen schaut, sieht eher das Gegenteil und könnte meinen, die Aktie müsse nahe ihrer Höchstkurse stehen. BYD hat im August 189.000 Fahrzeuge exportiert, ein neuer Rekord. Der Konzern hebt sein Jahresziel für den Export sogar an, auf 1,9 bis 2 Millionen Fahrzeuge. Trotzdem steht die Aktie bei rund 8,80 Euro, ein gutes Stück unter dem Niveau vom Jahresanfang. Dabei setzt der Autobauer in Europa auf eine klare Strategie. Der neue Dolphin G DM-i hat bis zu 1.040 Kilometer Gesamtreichweite und dies soll Käufer überzeugen, die noch nicht ganz auf den Verbrenner verzichten wollen. Auch an der Batterietechnik wird gefeilt, ein Dauertest über 30.000 Kilometer soll Sorgen vor schneller Alterung ausräumen. Ganz ohne "Kratzer bzw. Risse" geht es dabei bei BYD aber auch nicht. Ein Rückruf betrifft mehr als 183.000 ältere Fahrzeuge der Reihen Tang und Qin. Defekte Bremspedal-Puffer sind der Grund. Dazu kommen Lieferverzögerungen, weil die neue Blade-Batterie noch nicht in voller Stückzahl vom Band läuft. Citigroup warnt zudem vor einer schwächelnden Nachfrage im Heimatmarkt und möglichen neuen Zöllen in Europa. Das drückt auf die Stimmung, auch wenn das Auslandsgeschäft rundläuft.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart zeigt, warum viele Anleger vorsichtig geworden sind. Der Kurs notiert klar unter beiden SMAs (50er und 200er). Das ist ein ernstzunehmendes Warnsignal für jeden Trendfolger-Investor. Zuletzt ist auch der RSI im bearischen Lager mit einem Wert von 35. Wichtige Widerstände nach oben liegen bei 9,10 und 9,50 Euro, erst darüber würde sich das Bild spürbar aufhellen. Auf der anderen Seite gibt es Grund zur Hoffnung. Die Marke um 8 Euro hat in der Vergangenheit schon mehrfach gehalten und könnte gerade jetzt nochmals einen Mehrfachboden ausbilden. Genau dort, im Bereich des 52-Wochen-Tiefs von um die 8 Euro, entscheidet sich viel. Hält der Boden, wäre ein Rebound Richtung 10, 11 oder sogar 12 Euro durchaus denkbar. Bricht die Marke dagegen bei 8 Euro nachhaltig weg, rücken 7 Euro als nächstes Ziel in den Fokus.
Was tun?
Operativ liefert BYD top ab. Das zeigen die Exportrekorde, die Expansion in Europa und der Ausbau der Ladeinfrastruktur mit inzwischen über 11.500 Schnellladestationen. Fundamental bremsen dagegen der Preiskampf im Heimatmarkt, schrumpfende Umsätze im vierten Quartal in Folge und die Unsicherheit um Zölle und Exportförderung. Analysten bleiben trotzdem mehrheitlich optimistisch, fünf von sechs Häusern raten zum Kauf, das Kursziel liegt im Schnitt bei über 14,50 Euro. Wer über einen Einstieg nachdenkt, könnte deshalb gestaffelt vorgehen bis runter zur 8 Euro-Marke. Wer dann investiert ist, sollte dennoch einen Stopp-Kurs setzen, spätestens wenn die Aktie nachhaltig unter 8 Euro rutscht. Das Chance-Risiko-Verhältnis wirkt auf diesem Niveau recht attraktiv, vor allem wenn man die Analystenkursziele heranzieht. Eine Garantie für die Bodenbildung gibt es aber nicht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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