September 2026 -
Festverzinsliche Wertpapiere bieten wieder attraktive Renditen, aber trotzdem sollten Anleger sich breiter aufstellen und auch die Risiken dieser Anlageklasse berücksichtigen.
40 Billionen Dollar, das ist eine Zahl mit 13 Nullen. Niemand kann sich diese gigantische Summe wirklich vorstellen, aber so hoch sind inzwischen die Staatsschulden der USA. Um das Ausmaß wenigstens grob zu verdeutlichen: Würde jemand dafür hundert Dollarscheine flach aneinanderlegen, käme er mehr als einmal um die Erde. In Trumps Amerika beschleunigten zuletzt die Ausgaben für den Iran-Krieg und die Rückzahlung letztlich doch nicht gültiger Zölle die Entwicklung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen um 5,23 Prozent pro Jahr auf einem interessanten, aber nicht außergewöhnlichen Niveau. Denn auch wenn der Schuldenberg beklemmend ist, noch zweifelt niemand so wirklich daran, dass die USA ihre Anleihen bedienen werden. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) befand sich Amerika laut Internationalem Währungsfonds mit rund 125 Prozent Schuldenquote im April noch in keinem exorbitanten Bereich. Zum Beispiel Frankreich bringt es auf 118, Italien auf 138 und Japan sogar auf 204 Prozent. Hier ist Deutschland mit circa 65 Prozent des BIP international betrachtet eher in der Strebergruppe. Anleger könnten sich jetzt die Frage stellen, wenn es inzwischen sogar bei relativ sicheren Staatsanleihen wieder ordentliche Renditen gibt, ist das nicht eine Alternative zum schwankenden Aktienmarkt?
Besser kalkulierbar und weniger Risiken?Es gibt tatsächlich eine gewisse Bewegung, gerade in der meist auf Stabilität ausgelegten Vermögensverwalterbranche, etwas weniger auf Aktien und dafür etwas mehr auf Anleihen zu setzen. Eine Studie des Münchner Instituts für Vermögensaufbau zeigt diesen Trend, die Aktienquote im durchschnittlichen Depot sank 2025 um etwa drei Prozentpunkte, während Zinspapiere und liquide Guthaben um etwa den gleichen Wert zulegten. Tatsächlich gibt es inzwischen durchaus interessante Anlagemöglichkeiten bei festverzinslichen Papieren, gerade auch wenn sie von Unternehmen emittiert werden. Nicht zuletzt der Kapitalhunger der investitionsintensiven Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt zu einer Konkurrenzsituation, die letztlich den Anlegern nutzt. Also jetzt einfach Anleihen statt Aktien ins Depot holen, um weniger Risiko einzugehen und fest kalkulierbare Renditen zu nutzen? Zumindest die Studie der Vermögensverwalterbranche zeigt hier in eine ganz andere Richtung: Denn, obwohl es eine Entwicklung zu mehr Anleihen in den Depots gibt, haben Aktien im Durchschnittsportfolio mit 59,7 Prozent weiter klar den Löwenanteil. So einfach ist es leider alles mal wieder nicht, denn Anleihe ist nicht gleich Anleihe. Welches Risiko so ein festverzinsliches Wertpapier hat, hängt stark vom Emittenten ab, also demjenigen, der eine Schuldverschreibung anbietet. Je wahrscheinlicher es ist, dass er Schulden inklusive Zinsen zahlen kann, desto besser ist seine Bonität oder anders gesagt, desto geringer wird das Risiko für einen Totalausfall eingeschätzt. Auch im Anleihenbereich gilt letztlich die Grundregel, wer höhere Rendite haben will, muss größere Risiken eingehen. Deswegen bekommen Anleger, die dem relativ hoch verschuldeten US-Staat für 30 Jahre Geld leihen, momentan über fünf Prozent Zinsen im Jahr. Bei deutschen Staatsanleihen gleicher Laufzeit sind es dagegen deutlich unter drei Prozent. Für Anleger aus Europa, die in Euro rechnen, kommt da bei US-Treasuries noch ein Problem dazu: Zumindest die derzeitige US-Regierung scheint bestrebt, die eigene Dollarwährung eher zu schwächen, was dazu führen könnte, dass der Wechselkurs quasi an der Rendite knabbert.
Inflation und ZinsänderungenEin weiteres grundsätzliches Problem kommt dann bei langlaufenden Wertpapieren mit nominalem Wert noch oben drauf: Sie schützen nur teilweise vor Inflation. Ein Teil der Geldentwertung wird durch die Zinsrendite kompensiert, aber gerade bei Langläufern ist das Kapital dort erst einmal gebunden. Kommt es zu unerwartet starken Preisniveausteigerungen und reagieren die Zentralbanken darauf mit Zinserhöhungen - wie wir es erst vor wenigen Jahren erlebt haben - kann es kostspielig werden, die Papiere am Markt vorzeitig loszuwerden. Deswegen bevorzugen wir gerade in nur bedingt kalkulierbaren Zeiten, eher Papiere mit kurzen bis mittleren Laufzeiten, um flexibel reagieren zu können. Natürlich sehen wir die Übertreibungen am Aktienmarkt: So etwas wie die wilde Zukunftswette SpaceX werden Sie in unseren Depots eher nicht finden und wir werden auch einen KI-Hype, wie er sich bei Anthropic abzeichnet, eher nicht mitmachen. Aber wir sind trotzdem weit davon entfernt, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren, die Chancen der Digitalisierung nicht zu sehen und nur noch auf Staatsanleihen zu setzen. Natürlich nutzen wir die sich bietenden Chancen der festverzinslichen Wertpapiere. Gleichzeitig investieren wir aber auch weiter strategisch in solide Unternehmen mit interessanten Zukunftsperspektiven, aus ganz verschiedenen Branchen. Wir sind davon überzeugt, dass eine gut ausbalancierte Verteilung von Vermögen die beste Chance auf Stabilität und reale Rendite bietet. Dazu gehört es für uns auch, Portfolios mit verschiedenen Anlageklassen von Aktien über Anleihen bis zu Edelmetallen wie Gold möglichst breit aufzustellen. Kurz gesagt: Langfristig kommt es auf die richtige Mischung an und nicht auf eine Wahl zwischen Aktien und Anleihen.
