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Das Vertrauen in die KI-Strategie von Oracle schwindet angesichts gigantischer Schulden rasant. Der Aktie gelingen selbst die geringsten Erfolge nicht mehr.
Wenn Schulden schneller als der Umsatz wachsen, kann das nicht lange gut gehen
SAP-Rivale Oracle setzt mit seinem Konzernumbau zu einem AI-as-a-Service-Anbieter alles auf eine Karte - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die hierfür benötigten Investitionen in Rechenzentren kosten das ohnehin hochverschuldete Unternehmen Dutzende Milliarden US-Dollar. Auf 169,1 Milliarden US-Dollar summierten sich zum Ende des vergangenen Quartals die Gesamtverbindlichkeiten. Selbst unter Berücksichtigung von Vermögenswerten belaufen sich die Schulden auf 132,1 Milliarden US-Dollar. Dafür werden pro Quartal inzwischen Tilgungskosten von mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar fällig.
Zwar führen die gigantischen Investitionen gegenwärtig tatsächlich zu einem beschleunigten Unternehmenswachstum. Im zuletzt gemeldeten Quartal legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahresquartal um 29,6 Prozent auf 19,35 Milliarden US-Dollar und damit so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr zu. Doch die Schulden sind gleichzeitig um mehr als 30 Prozent gestiegen. Die Rechnung von Oracle geht also nicht auf. Das bezahlt das Unternehmen mit anhaltenden Kursverlusten seiner Aktie - und steigenden Kosten für Kreditausfallversicherungen, denn die Zweifel an der finanziellen Nachhaltigkeit des Expansionskurses nehmen auch am Geldmarkt zu. Inzwischen werden Risikoprämien verlangt, welche das Niveau der großen Finanzkrise von 2007/08 übersteigen.
Oracle will sich um Zahlungen drücken, auch Entlassungen zeigen die Finanznot
Wie zum Beweis für die These der Kritikerinnen und Kritiker hat sich das Unternehmen in der vergangenen Woche für ein verzögertes Datencenter-Projekt im US-Bundesstaat auf höhere Gewalt berufen, um ausstehende Projektkosten zurückhalten zu können. Gleichzeitig hat Oracle im laufenden Jahr immer wieder Tausende Mitarbeitende entlassen. Das zeigt, wie verzweifelt die Lage inzwischen ist. Am Dienstag versuchte das Unternehmen zwar sich mit positiven Schlagzeilen zurückzumelden, Oracle gab bekannt, dass die jährlich wiederkehrenden Umsätze inzwischen 70 Milliarden US-Dollar übersteigen würden. Daraufhin legte die Aktie kräftig zu. Allerdings scheiterte sie an entscheidenden Widerständen. Damit könnte sich die Kursmisere jetzt fortsetzen.

Bei Oracle ist die KI-Blase längst geplant - zeitweise zwei Drittel einfach weg
Von der grenzenlosen Begeisterung gegenüber Oracle aus dem vergangenen Jahr ist inzwischen nichts mehr zu spüren. Feierten Anlegerinnen und Anleger den Anfang September 2025 präsentierten Cloud-Backlog von über 500 Milliarden US-Dollar noch mit Rekordnotierungen von fast 350 US-Dollar, hat die Aktie auf dem Höhepunkt des seither anhaltenden Ausverkaufs zeitweise mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren. Das entspricht einem Crash wie aus dem Lehrbuch. Und trotzdem liegt Oracle noch um rund 30 Prozent über dem Stand vor 3 Jahren. Das zeigt, wie stark der KI-Boom die Aktie befeuert hat.
Seit Ende Januar hat sich die Verkaufsdynamik etwas verlangsamt, wozu vor allem bullishe Divergenzen in den technischen Indikatoren beigetragen hatten. Zeitweise gelang sogar eine beachtliche Bärenmarktrallye mit einem Anstieg zurück über die 200-Tage-Linie und Kursen von rund 250 US-Dollar. Die wurde allerdings rasch abverkauft, sodass Oracle Ende Juli auf den tiefsten Stand seit April 2024 zurückgefallen ist. Seither versuchen die Bullen erneut das Ruder zu übernehmen, was ihnen bislang allerdings nicht gelungen ist.
Zwar konnte die 50-Tage-Linie wiederholt überwunden werden, an der 200-Tage-Linie war jedoch kein Vorbeikommen, wofür vor allem die Abwärtstrends in den technischen Indikatoren beigetragen haben. In den vergangenen Tagen wurde Oracle dann wieder unter der 50-Tage-Linie gehandelt, nachdem die Skepsis gegenüber dem gesamten KI-Trade weiter zugenommen hat, womit eine der wenigen überhaupt noch verbliebenen Unterstützungen unterschritten wurde.
Selbst die niedrigsten Hürden können jetzt nicht mehr überwunden werden
Genau hier sowie am Widerstandsbereich zwischen 140 und 150 US-Dollar scheiterten die Käuferinnen und Käufer mit ihrem Erholungsversuch am Dienstag. Das ist ein Zeichen ausgeprägter Schwäche und dürfte jetzt zu weiteren Kursverlusten führen, denn offensichtlich ist die Skepsis gegenüber Oracle so ausgeprägt, dass selbst die am einfachsten zu nehmenden Hürden nicht mehr überwunden werden können. Das Ausbleiben prozyklischer Kaufsignale dürfte vor dem Hintergrund der ausgeprägten technischen Schwäche daher zu weiteren Verkäufen führen.
Zwar hat sich der Relative-Stärke-Index (RSI) von überverkauften Zuständen erholt, doch der Trendstärkeindikator MACD hat seine Verluste unterhalb der Nulllinie weiter ausgebaut, gleichzeitig notiert er auch unter seiner Signallinie. Das zeigt einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend an, sodass das Anlaufen der bisherigen Jahrestiefs bei 114,50 US-Dollar nur eine Frage der Zeit sein dürfte. Sollte dieses unterschritten werden, läge gleichzeitig auch ein neues Mehrjahrestief und damit ein starkes Verkaufssignal vor. Die nächste Anlaufstelle wären dann 100 US-Dollar. Prozyklische Kaufsignale ergeben sich erst oberhalb von 150 US-Dollar sowie der bei rund 164 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie. Für einen Anstieg in diesen Bereich gibt es jedoch keine Indizien.
Fazit: Anlegerinnen und Anleger sollten hier auf Abstand gehen!
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung wirkt Oracle optisch günstig. Hier steht für 2026 ein KGVe von 16,9 zu Buche, was um rund ein Viertel unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 22,2 liegt. Doch der Abschlag hat einen guten Grund, denn mit einem Verschuldungsgrad von 5,5 (Unternehmenswert/EBITDA) ist Oracle äußerst ungesund und riskant verschuldet - bereits 4,0 gelten als hoch. Dementsprechend liegt die Kreditwürdigkeit von Oracle derzeit nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau. Auch die Zahlungsfähigkeit der Dividende steht inzwischen in Zweifel.
Dazu kommt ein weiteres Problem. Einer der wichtigsten Kunden des Unternehmens ist OpenAI. Das hat seinen geplanten Börsengang jetzt aber zum wiederholten Mal verschoben, weil das Management um Gründer Sam Altman angesichts der noch desaströsen und vollkommen unprofitablen Geschäftsentwicklung selbst Zweifel hegt, dass ein solcher erfolgreich sein könnte. Der gewaltige Cloud-Backlog von Oracle ist daher genau wie die übrigen Wachstumsaussichten mit einem gewaltigen Fragezeichen zu versehen - ebenso wie die Fähigkeit des Unternehmens, seine Schulden jemals zurückzahlen zu können. Anlegerinnen und Anleger halten sich von der Aktie fern. Selbst für Trading-Spekulationen gibt es geeignetere Wertpapiere.
Gastautor: Max Gross
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