(neu: Kurs aktualisiert, Aussagen Management, weiterer Analyst.)
WEISSACH/STUTTGART (dpa-AFX) - Der schwächelnde Sport- und Geländewagenbauer Porsche AG will in den nächsten Jahren kräftig Kosten sparen und sich stärker auf Fahrzeuge mit besonders hoher Marge ausrichten. Unter anderem dadurch soll Porsche wieder profitabler werden. Das geht aus einer Mitteilung zur strategischen Neuausrichtung namens "Sportwagenschmiede '35" hervor, die am Mittwoch auf einer Investorenveranstaltung im schwäbischen Weissach bei Stuttgart vorgestellt wird.
"Mit unserer Strategie schaffen wir die Voraussetzungen, um Porsche in drei Phasen deutlich effizienter, produktiver und profitabler zu machen", sagte der seit Januar amtierende Konzernchef Michael Leiters laut Mitteilung. Aktuell gehe es vor allem darum, Kosten zu senken und Porsche finanziell robuster zu machen. Das ist nötig, weil der Autohersteller sich vor allem im einst gewinnträchtigen Markt China auf dauerhaft weniger Geschäft einstellt.
Die operative Gewinnmarge im Konzern soll aber nach wie vor mittelfristig 10 bis 15 Prozent erreichen und langfristig das obere Ende dieser Spanne. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 7,8 Prozent. Absolut strebt Porsche in einigen Jahren einen Umsatz zwischen 41 und 45 Milliarden Euro an (2025: 36,4 Milliarden).
Die im MDax notierte Porsche-Vorzugsaktie gewann nach Handelsstart zunächst, schwankte aber und lag gegen Mittag mit rund einem Prozent im Minus. Bisher hat das Papier in diesem Jahr damit gut 7 Prozent an Wert eingebüßt.
Laut Porsche-Finanzchef Jochen Breckner sollen in den kommenden Jahren insbesondere auch bei den Investitionsausgaben und den Forschungs- und Entwicklungskosten die Zügel angezogen werden. In diesem Jahr dürften die Investitionen ihren Höhepunkt erreichen und dann wieder fallen. Aktuell steckt Porsche viel Geld in neue Antriebstechnik und Modelle.
9 bis 12 Prozent des Umsatzes im Autogeschäft - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - sollen mittelfristig regelmäßig als freie Barmittel übrigbleiben, langfristig ist ebenfalls das obere Ende des Korridors angepeilt. Im vergangenen Jahr waren es lediglich knapp 5 Prozent. Die Ausschüttungsquote sieht Breckner nun bei mindestens der Hälfte des Nettogewinns statt wie bisher bei rund der Hälfte.
Aus Sicht von Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan stützen die Aussichten für das Erwirtschaften von Barmitteln künftige Zahlungen an die Aktionäre. Jefferies-Experte Philippe Houchois sprach davon, dass die Erwartungen am Markt generell eher im unteren Bereich der Zielspannen von Porsche gelegen hätten - dass laut Management für das obere Ende der Bandbreiten aber eine deutliche Besserung des Umfelds oder weitere Maßnahmen vonnöten seien.
Porsche will seine Entwicklungskosten für künftige Modellreihen den Angaben nach um bis zu 20 Prozent senken. Die Personalkosten in der Fertigung sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent runter, Verkaufs- und Vertriebskosten um 20 Prozent. Bei den Materialeinzelkosten peilt das Unternehmen ein Senkung von rund zehn Prozent an. Die Anzahl von Modellvarianten soll ebenfalls sinken.
Fokus auf Kerngeschäft und schlankere Organisation
Wesentliche Pfeiler der Strategie seien die Fokussierung auf das Kerngeschäft und eine Verschlankung der Organisation. So werden Managementpositionen mittelfristig um 40 Prozent verringert, wie Porsche mitteilte.
Letztlich strebe Porsche eine deutlich niedrigere Gewinnschwelle an, die bereits bei weniger als 200.000 Einheiten erreicht werden soll. Zuletzt seien viele Teile des Konzerns eher auf die Produktion von 350.000 Autos ausgelegt gewesen, sagte Porsche-Chef Leiters - eine Folge des Wachstumskurses in den vergangenen Jahren. Bei welcher Stückzahl die Gewinnschwelle zuletzt lag, dazu machte er keine Angaben.
Klar ist aber, dass er den Konzern auf weniger Masse trimmen will - das gilt in der Autobranche als schwierig, weil in aller Regel Größenvorteile zum Tragen kommen. Bei Porsche soll nun der Anteil besonders teurer Autos von rund einem Drittel auf fast die Hälfte ausgebaut werden. Das soll bis 2030 den durchschnittlichen Verkaufspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos von 270.000 Euro auf 330.000 Euro heben. Unter anderem ist ein größeres und teureres SUV als der Cayenne vorgesehen, und ein Zweitürer-Supersportwagen über dem 911er dürfte ebenfalls dazukommen.
Gewinneinbruch im vergangenen Jahr
Das Unternehmen aus Stuttgart hatte zuletzt zu kämpfen - unter anderem mit sinkenden Absatzzahlen, insbesondere in China, einer geringeren Nachfrage nach E-Modellen und den US-Zöllen. Hinzu kamen die Milliardenkosten für die Verbrenner-Verlängerung, die den Gewinn des Konzerns 2025 zum größten Teil aufgezehrt haben. Das Ergebnis nach Steuern brach im vergangenen Jahr im Vorjahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr 2026 stabilisierte sich das Ergebnis. Die Krise bei Porsche hatte zuletzt auch die Geschäftszahlen der Konzernmutter Volkswagen kräftig belastet.
Im Sommer hatten sich Management und Arbeitnehmer auf ein Sparprogramm geeinigt, das den Abbau von 5.000 weiteren Jobs in der Region Stuttgart bis 2035 vorsieht. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2035 ausgeschlossen. Bereits zuvor gab es bei Porsche Abbauprogramme - auch im Leipziger Werk und bei Tochterfirmen. "Insgesamt wird die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um 25 Prozent reduziert - mit einem strategischen Ziel von 30 Prozent", hieß es./jwe/rwi/men/tav/stk




