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Eine Drohne muss möglichst lange fliegen und möglichst spät entdeckt werden. Genau an diesen beiden Herausforderungen arbeiten Entwickler mit einem Material, das aus extrem dünnen Kohlenstoffstrukturen besteht: Graphen. In Portugal entstehen radarabsorbierende Materialien. In Australien untersuchen Unternehmen graphenverstärkte Solarzellen. Für Anleger stellt sich damit eine interessante Frage: Wie viel wirtschaftlicher Wert steckt künftig in den Materialien hinter modernen Verteidigungssystemen?
Die Anwendungen befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Doch sie zeigen, weshalb Graphen über klassische Einsatzgebiete wie Beton und Kunststoffe hinaus strategische Bedeutung gewinnen könnte.
Weniger sichtbar für Radar
Das portugiesische Unternehmen GTechPlasma, eine Ausgründung aus dem Forschungsumfeld des Instituto Superior Técnico in Lissabon, entwickelt graphenbasierte Materialien zur Absorption elektromagnetischer Strahlung. Dazu gehören Beschichtungen, die die Erfassung von Flugzeugen und Drohnen durch Radar erschweren sollen.
In einem Euronews-Bericht vom Juni erklärte Mitgründer Bruno Soares Gonçalves, nach eigenen Schätzungen könnte ein entsprechend behandelter F-16 eine Radarsignatur ähnlich der eines Vogels erreichen. Das ist eine Entwicklungsprognose, kein öffentlich belegter Nachweis für ein einsatzfähiges Flugzeug.
Greifbarer ist die Materiallieferung: Nach dem Bericht wurden bereits 260 Gramm an einen portugiesischen Drohnenhersteller abgegeben. Der industrielle Ausbau soll mit Plasmaphene erfolgen. Fertige Beschichtungen bleiben ein Entwicklungsziel.
Für Investoren verdeutlicht das Beispiel den langen Weg zwischen einem vielversprechenden Werkstoff und einem qualifizierten Luftfahrtprodukt.
Energieversorgung als zweiter Engpass
Neben der Erkennbarkeit begrenzt die Energieversorgung den Einsatz vieler Systeme. Zusätzliche Batterien erhöhen das Gewicht. Treibstoff benötigt Transport und Nachschub. Leichte Solarfolien könnten deshalb perspektivisch eine ergänzende Energiequelle bieten.
Hier setzt die Zusammenarbeit von First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) mit dem australischen Solarzellenentwickler Halocell an. Die Unternehmen arbeiten an graphenverstärkten Perowskit-Solarzellen.
First-Graphene-Chef Michael Bell berichtete im März in einem Gastbeitrag über Forschungsarbeiten, bei denen Graphenzusätze die Effizienz gegenüber den jeweiligen Vergleichszellen um mehr als 30 Prozent steigern konnten. Das bedeutet keine Steigerung um 30 Prozentpunkte. Zudem beschreibt der Beitrag mögliche Kostenvorteile durch einen geringeren Einsatz teurer Leitermaterialien.
Der aktuelle Zielmarkt liegt zunächst bei kleinen elektronischen Geräten. Anwendungen für militärische Drohnen sind eine längerfristige Perspektive. Haltbarkeit, zuverlässige Leistung und die Integration in reale Systeme müssen dafür weiter nachgewiesen werden.
First Graphene liefert bereits für industrielle Anwendungen
Die wirtschaftliche Brücke entsteht über Anwendungen, die heute bereits Kunden erreichen. Laut Unternehmenspräsentation vom Juli verfügt First Graphene über eine Verarbeitungskapazität von bis zu 100 Tonnen jährlich und mehr als 35 aktive kommerzielle Kunden. Kapazität entspricht allerdings weder tatsächlicher Produktion noch Absatz.
Am 10. September meldete das Unternehmen einen ersten Produktionsauftrag von Pacific Urethanes. PureGRAPH soll die flammhemmenden Eigenschaften von Polyurethanformulierungen für den australischen Bergbau verbessern. First Graphene bezeichnet den Erstauftrag ausdrücklich als finanziell nicht wesentlich. Er belegt dennoch den Übergang dieser Anwendung von der Entwicklung zur kommerziellen Herstellung.
Am 30. September folgte eine dreijährige strategische Partnervereinbarung mit der britischen Vector Companies Group. Gleichzeitig brachte Vector unter der Marke Peltyr gedruckte Wärmestromsensoren mit PureGRAPH auf den Markt. Sie sollen den tatsächlichen Wärmedurchgang durch Bauteile messen.
Beide Entwicklungen erweitern die kommerziellen Einsatzfelder. Sie sind keine bestätigten Rüstungsaufträge und begründen keine Verbindung zum portugiesischen Tarnmaterialprojekt.
Fazit
Graphen könnte für die Verteidigungsindustrie interessant werden, weil es an zwei grundlegenden Anforderungen ansetzt: Systeme schwerer erkennbar zu machen und ihre Energieversorgung zu verbessern. Die portugiesischen Arbeiten und die australische Solarzellenentwicklung zeigen unterschiedliche technische Wege. Einen gemeinsamen kommerziellen Erfolg belegen sie bislang nicht.
First Graphene bringt industrielle Verarbeitungskapazität, zahlende Kunden und die Zusammenarbeit mit Halocell mit. Die September-Meldungen liefern zusätzliche Hinweise darauf, dass einzelne Anwendungen die Entwicklungsphase verlassen. Der zunächst geringe wirtschaftliche Umfang des Pacific-Urethanes-Auftrags zeigt zugleich, wie viel Wachstum noch umgesetzt werden muss.
Anleger sollten deshalb vor allem wiederkehrende Bestellungen, steigende Umsätze, Margen und Kapitalbedarf beobachten. Für mögliche Verteidigungsanwendungen kommen technische Qualifikation, Haltbarkeit und konkrete Kundenverträge hinzu. Die attraktive Perspektive liegt in einer breiteren Nachfrage nach leistungsfähigen Werkstoffen. Entscheidend wird sein, ob First Graphene daraus dauerhaft profitables Geschäft entwickeln kann. Der Weg vom Labor in industrielle Lieferketten ist bereits sichtbar; der Weg in einsatzfähige Verteidigungssysteme bleibt zu beweisen.
Quellen:
https://api.investi.com.au/api/announcements/fgr/01a821b3-749.pdf
https://www.airbus.com/en/products-services/commercial-aircraft/passenger-aircraft/a350-family
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Land: Australien
ISIN: AU000000FGR3
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