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Sechs Minuten laden. Sechs Minuten entladen. Und nach 1.000 Zyklen nach Angaben des Entwicklers noch kein messbarer Leistungsverlust. Graphene Manufacturing Group hat Anfang Oktober neue Batteriedaten veröffentlicht, die selbst in einer Branche voller spektakulärer Laborwerte herausstechen. Besonders interessant wird die Meldung durch den Partner im Hintergrund: Rio Tinto unterstützt die Entwicklung der Graphen-Aluminium-Ionen-Batterie mit bis zu 6 Mio. AUD.
Für First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) ist das keine eigene Erfolgsmeldung. Das Unternehmen entwickelt eine andere Graphen-Technologie für Energiespeicher und arbeitet weder an derselben Zellchemie noch gemeinsam mit GMG. Trotzdem ist die neue Entwicklung relevant: Sie zeigt, dass Graphen bei Batterien zunehmend nicht mehr nur als theoretisches Wundermaterial diskutiert wird, sondern konkrete Schwächen etablierter Speichertechnologien adressieren soll.
Australien entwickelt damit gerade mehrere völlig unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie werden Batterien schneller, langlebiger und leistungsfähiger?
1.000 Zyklen ohne Leistungsverlust
Graphene Manufacturing Group (ISIN: AU0000139990) veröffentlichte am 8. Oktober neue Daten seiner sogenannten G-CELLS. Die 1,5-Ah-Zellen wurden vom Battery Innovation Center im US-Bundesstaat Indiana hergestellt und getestet. Die darin verwendeten Materialien stammen aus GMGs Entwicklungszentrum in Brisbane.
Nach Unternehmensangaben erreichte eine Zelle inzwischen 1.000 Lade- und Entladezyklen ohne messbaren Leistungsverlust. Dabei wurde mit einer hohen C-Rate gearbeitet. GMG spricht von Lade- und Entladezeiten von rund sechs Minuten.
Zum Vergleich testete das Battery Innovation Center unter denselben schnellen Bedingungen auch eine bekannte Lithium-Titanat-Zelle. Diese sank bereits nach 82 Zyklen auf 80% ihrer ursprünglichen Kapazität.
Eine zweite GMG-Zelle, die bei 10C geladen und entladen wurde, verlor nach 393 Zyklen lediglich rund 10% ihrer Kapazität.
Das sind noch keine Daten eines Serienprodukts. Aber sie adressieren genau einen der größten Konflikte moderner Batterien: Je aggressiver eine Zelle geladen wird, desto stärker kann häufig ihre Lebensdauer leiden.
48% mehr Energiedichte - aber noch kein Lithium-Ionen-Killer
Auch bei der Energiedichte meldet GMG Fortschritte. Sie stieg im aktuellen Versuch um 48% von zuvor 39 auf 58 Wh/kg. Gleichzeitig lag die Energieeffizienz bei 94%. Diese Zahl muss allerdings eingeordnet werden.
58 Wh/kg liegen weiterhin deutlich unter der Energiedichte vieler heutiger Lithium-Ionen-Batterien. Ein Elektroauto mit maximaler Reichweite dürfte daher kurzfristig kaum auf eine solche Aluminium-Ionen-Zelle wechseln.
GMG versucht aber auch nicht nur, Lithium-Ionen-Batterien in jedem Einsatzgebiet eins zu eins zu ersetzen. Der besondere Wert könnte dort entstehen, wo Ladegeschwindigkeit, sehr hohe Zyklenzahlen, Sicherheit und Leistungsabgabe wichtiger sind als maximale Energiedichte. Und genau hier kommt Rio Tinto ins Spiel.
Rio Tinto zahlt bis zu 6 Mio. AUD für einen konkreten Anwendungsfall
Rio Tinto (ISIN: AU000000RIO1) arbeitet seit 2023 über eine verbindliche Entwicklungsvereinbarung mit GMG zusammen. Der Rohstoffkonzern stellt technische Anforderungen und bis zu 6 Mio. AUD Entwicklungsfinanzierung bereit.
Das Ziel ist bemerkenswert praktisch. Die Batterien sollen unter anderem für schwere mobile Maschinen im Bergbau und für stationäre Energiespeicher untersucht werden. Gerade große Minenfahrzeuge stellen völlig andere Anforderungen als ein Smartphone oder ein Familienauto. Maschinen müssen möglichst lange verfügbar bleiben. Lange Ladepausen kosten Produktivität, und eine Batterie kann im täglichen Betrieb extrem viele Zyklen sammeln.
Eine Zelle, die Energie sehr schnell aufnehmen kann und gleichzeitig Tausende Zyklen übersteht, wäre deshalb besonders interessant.
Rio Tinto besitzt im Gegenzug bevorzugte Zugangsrechte und könnte die Technologie bei erfolgreicher Entwicklung selbst einsetzen. Das ist noch kein Beweis für eine spätere Serienbestellung. Es sorgt aber dafür, dass die Batterie nicht losgelöst von einem möglichen industriellen Anwender entwickelt wird.
First Graphene setzt bei einem ganz anderen Batterieproblem an
First Graphene verfolgt im Energiespeicherbereich eine andere technologische Route. Das Unternehmen besitzt in Großbritannien ein Patent für ein Verfahren, bei dem Graphen direkt auf Partikel für Batterieanoden aufgebracht werden kann. Besonders interessant ist Silizium.
Klassische Graphitanoden erreichen theoretisch ungefähr 400 mAh pro Gramm. Silizium kommt theoretisch auf rund 4.200 mAh pro Gramm - mehr als das Zehnfache. Genau deshalb gilt Silizium seit Jahren als einer der interessantesten Kandidaten für Batterien mit deutlich höherer Kapazität.
Der Haken liegt in der Mechanik. Silizium verändert sein Volumen beim Ein- und Auslagern von Lithium sehr stark. Die Partikel können dadurch degradieren, elektrische Kontakte verlieren und ihre Leistung über viele Zyklen hinweg einbüßen.
First Graphenes Idee besteht darin, die Siliziumpartikel mit leitfähigen Graphenplättchen zu umgeben. Graphen soll einerseits die elektrische Leitfähigkeit verbessern und andererseits helfen, die mechanische Belastung des Materials aufzufangen.
Das Verfahren arbeitet mit hydrodynamischer Kavitation und soll sich nach Unternehmensangaben unter deutlich milderen Bedingungen skalieren lassen als manche konventionellen Beschichtungsverfahren.
300% mehr Kapazität bei einer zweiten Technologie
First Graphene hat außerdem mit Graphenmaterialien für Superkondensatoren experimentiert.
In früheren Tests erreichten die PureGRAPH-basierten Hybridmaterialien eine spezifische Kapazität von rund 140 Farad pro Gramm. Vergleichbare Aktivkohle lag bei etwa 35 Farad pro Gramm. Das entsprach einer Verbesserung um 300%.
Durch Änderungen am Elektrolytsystem stieg die gemessene Energiedichte in weiteren Tests zusätzlich um 85%.
Superkondensatoren lösen wiederum ein anderes Problem als klassische Batterien. Sie können Energie ausgesprochen schnell aufnehmen und abgeben und überstehen sehr viele Ladezyklen, speichern aber deutlich weniger Energie. Gerade in Kombination mit Batterien könnten sie deshalb kurzfristige Leistungsspitzen übernehmen.
First Graphene führt Energiespeicherung auch 2026 weiterhin als einen seiner möglichen Anwendungsbereiche. Kommerzielle Großaufträge aus diesem Segment hat das Unternehmen bislang allerdings nicht gemeldet.
Drei australische Akteure - drei unterschiedliche Rollen
GMG entwickelt eine komplette neue Zellchemie. Rio Tinto bringt Kapital, reale Betriebsanforderungen und einen denkbaren Großanwender ein. First Graphene positioniert sich dagegen als Material- und Technologieanbieter für Elektroden und Energiespeicher. Eine Zusammenarbeit zwischen den drei Unternehmen existiert nicht.
Gerade deshalb ist der Vergleich interessant. Graphen ist keine einzelne Batterietechnologie. Das Material kann als aktiver Bestandteil eines völlig neuen Speichers dienen, eine Siliziumanode stabilisieren oder die Elektroden eines Superkondensators verändern.
Welche dieser Technologien am Ende wirtschaftlich relevant wird, ist offen. Die neue GMG-Zahl setzt trotzdem ein Ausrufezeichen: 1.000 Zyklen ohne gemeldeten Leistungsverlust bei extrem kurzen Ladezeiten sind weit genug von der üblichen Graphen-Theorie entfernt, um genauer hinzusehen.
Für First Graphene entsteht daraus keine automatische kommerzielle Chance. Aber wenn Graphen in einem Batteriesystem tatsächlich ein Problem wie Zyklenfestigkeit, Leitfähigkeit oder Schnellladefähigkeit lösen kann, steigt zugleich das industrielle Interesse an genau jener Materialklasse, in der First Graphene seit Jahren eigene Technologie entwickelt.
Sechs Minuten und 1.000 Zyklen sind deshalb noch kein Durchbruch der Graphen-Batterie. Sie sind aber eine ziemlich starke Zahl dafür, dass das Rennen noch lange nicht entschieden ist.
Quellen:
GMG - aktuelle Batteriedaten vom 8. Oktober 2026
GMG und Rio Tinto - Joint
Development Agreement
First
Graphene - Graphenbeschichtung für Siliziumanoden
First
Graphene - Supercapacitor-Ergebnisse
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