
© Foto: von Afif Ramdhasuma auf Unsplash
Mehr als minus 30 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kurs klebt regelrecht am Jahrestief. Und jetzt auch noch das: China bricht weg, und im Heimatland droht Streit um Werksschließungen. Dabei gibt es auch gute Nachrichten. Die E-Autos laufen so gut wie nie zuvor. Doch reicht das? Die Aktie liegt unter dem 50er und dem 200er SMA. Viele sprechen von einem fallenden Messer, wiederum andere wittern eine Chance. Wir schauen nach, was hinter dem Absturz steckt, was der Chart aussagt und was Anleger jetzt tun können.
Absatz bricht ein und die Sorgen wachsen
Das dritte Quartal hat bei Mercedes-Benz wehgetan. Der Konzern verkaufte 407.200 Pkw, 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Schuld daran ist vor allem China, denn dort gingen nur noch 86.800 Autos weg, fast ein Drittel weniger und auch das Luxussegment mit S-Klasse, Maybach und AMG verlor gut ein Fünftel. Ein Plus in den USA und in Deutschland half zwar, reichte aber nicht aus um zu kompensieren. Einen Lichtblick gibt es dennoch, denn fast jeder dritte Neuwagen in Europa fuhr vollelektrisch. So viele E-Autos hat Mercedes noch nie in einem Quartal verkauft. Außerhalb Chinas wuchs der Absatz das dritte Quartal in Folge. Dazu kommt jedoch der Streit daheim. Das Management will 38 statt 35 Stunden ohne Lohnausgleich, ansonsten, so die Drohung, könnten zwei Werke schließen. Beschlossen ist bisher aber noch nichts. Mercedes möchte spürbar sparen und auch eine Sonderzahlung wurde verschoben. Vollzeitkräfte sollen bis zu vier Tage pro Woche im Büro sitzen. Das Abfindungsprogramm läuft wieder an. Angeblich freiwillig, aber es scheint schon mit Druck im Hintergrund gearbeitet zu werden. Gleichzeitig kauft der Konzern eigene Aktien zurück, allein in einer Woche 875.000 Stück.
Charttechnik
Da gibt es nichts zu beschönigen! Der Chart sieht schlecht aus! Die Aktie notiert aktuell bei rund 40 Euro und liegt unter dem 50er- und unter dem 200er SMA. Das ist ein klares Schwächezeichen. Seit Jahresbeginn fehlen über 30 Prozent, allein im letzten Monat fast 20 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 62,34 Euro wirkt mittlerweile meilenweit entfernt und quasi aus einer anderen Zeit entsprungen, einer noch besseren Zeit mit mehr Hoffnung. Im Moment haben die Verkäufer das Sagen. Das Jahrestief liegt je nach Handelsplatz bei etwa 38,90 bis 40 Euro. Der Kurs klebt direkt daran. Fällt diese Marke nachhaltig, gibt es im Chart kaum noch Halt und das macht die Lage nicht einfacher, sondern noch heikler. Wer jetzt kauft, greift möglicherweise nach einem fallenden Messer, bzw. gleich direkt hinein. Erst wenn der Kurs die beiden Durchschnittslinien zurückerobert, hellt sich das Bild auf. Davon ist die Aktie noch ein gutes Stück entfernt.

Was tun?
Die Nachrichtenlage ist nicht ganz schlecht, eher durchwachsen. Citi hat das Kursziel von 51 auf 42 Euro gesenkt und rechnet mit einer schwachen Pkw-Marge. Die Deutsche Bank bleibt bei "Buy", Ziel 70 Euro. Aber ist das realistisch? Es läuft ein Aktienrückkauf, bislang knapp 3,9 Millionen Papiere. Auch die US-Debatte über chinesische Anteile bleibt ein Risiko. Der Konzern wirkt recht angeschlagen, aber nicht kaputt. Unterm Strich passt Vorsicht. Der Trend zeigt klar nach unten, und die Marge wackelt. Das was helfen könnte wären vielleicht Übernahmegerüchte. Aber ist das realistisch? Besonders Mutige warten auf einen Boden und steigen dann gestaffelt ein. Vorsichtige schauen zu, bis die Aktie ihre Durchschnittslinien zurückholt und überwindet. Die Quartalszahlen am 28. Oktober können die Richtung vorgeben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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