HAMBURG (dpa-AFX) - Rund vier Jahre nach dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee hat in Hamburg der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter begonnen. Der 50 Jahre alte Ukrainer Serhij K. muss sich vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts unter anderem wegen des Vorwurfs eines Kriegsverbrechens verantworten.
In der zu Prozessbeginn verlesenen Anklage wirft ihm die Bundesanwaltschaft zudem die Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen, Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe vor. Da er die Taten als Offizier der ukrainischen Armee und mit Kenntnis staatlicher Stellen der Ukraine begangen habe, seien sie als Kriegsverbrechen zu werten.
Großer Medienandrang zum Prozessauftakt
Die Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen hatten im September 2022 - wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine - weltweit für Schlagzeilen gesorgt.
Entsprechend groß war auch der Medienandrang vor dem Gerichtssaal. Mehr als 100 Journalisten hatten sich dem Gericht zufolge für den Prozess angemeldet, darunter von Medien aus Russland, der Ukraine, den USA, China und mehreren europäischen Ländern.
Angeklagter soll Sprengkommando geführt haben
Serhij K. soll laut Anklage zusammen mit weiteren Militärangehörigen und im Auftrag staatlicher Stellen der Ukraine den Plan entwickelt haben, die von Russland durch die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern verlaufenden Erdgasleitungen zu zerstören. Ziel sei es gewesen, zu verhindern, dass Russland Einnahmen aus dem Gashandel zur Finanzierung seines Angriffskrieges gegen die Ukraine nutzt.
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten rund 20 Ukrainer. Sie forderten, den Angeklagten nicht wegen Kriegsverbrechen zu verurteilen. Sein Land wisse nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg, was Kriegsverbrechen seien, sagte ein Sprecher. "Die Ukraine hat das Recht sich zu verteidigen, um zu überleben."/klm/DP/mis

