FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt haben zum Start in die neue Woche doch wieder KI- und Inflationssorgen das Geschehen etwas stärker bestimmt. Der Dax weitete seine Verluste bis gegen Montagmittag auf gut ein Prozent aus, bei einem Stand von 25.356,12 Punkten. Der MDax mit den mittelgroßen Börsenkonzernen sank um 0,4 Prozent auf 30.545,69 Punkte.
Damit behauptete der Dax aber weiterhin seinen Freitagsausbruch nach oben aus dem Korrekturtrend, den er nach dem Rekord von 26.618 Punkten Ende August eingeschlagen hatte. Für Zurückhaltung sorgt nun zum Wochenstart vor allem der neuerliche Kursrutsch im US-Tech-Sektor, der den Nasdaq 100 am Freitagabend auf das tiefste Niveau seit vier Wochen zurückgeworfen hatte.
"An der Wall Street macht sich zunehmend Ernüchterung breit, denn die Anleger stellen immer häufiger die Frage, ob sich die gigantischen Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz am Ende überhaupt rechnen", erklärt Marktexperte Jürgen Molnar vom Broker RoboMarket die aktuell angeschlagene Stimmung. Hinzu komme der weiterhin hohe Ölpreis.
Da der Dax aber weit weniger von KI-Aktien beeinflusst wird als US-Indizes, hatte er sich schon jüngst teils besser geschlagen als diese. "Sollte nun auch noch die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine konkreter werden, könnte der deutsche Aktienmarkt zusätzlichen Rückenwind bekommen", so Molnar. Für Fantasie sorgte hier ein Bericht des "Wall Street Journal", demzufolge Russlands Präsident Wladimir Putin einen Dreiergipfel mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping vorgeschlagen haben soll, um über ein Ende seines Angriffskriegs gegen die Ukraine zu verhandeln.
Auf der Unternehmensseite richteten sich die Blicke der Anleger zum Wochenstart auf die DHL Group . Der Logistikkonzern hob nach einem Ergebnisanstieg im dritten Quartal zwar seine Prognose für den operativen Gewinn des laufenden Jahres an, der Aktienkurs sank dennoch um gut zwei Prozent. Ein Händler wertete den neuen Ausblick positiv, eine komplette Überraschung sei er aber nicht. Zudem waren die Papiere zuletzt schon gut gelaufen.
Schwach waren auch die Anteilsscheine des Immobilienkonzerns Vonovia, der in Berlin stark vertreten ist, mit minus 1,7 Prozent. Die Anleger schauen nervös Richtung Berlin, wo die Grünen und die SPD bald über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei entscheiden. Im Falle einer rot-rot-grünen Regierung droht in der Hauptstadt die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände, wie das Sondierungspapier der drei Parteien verrät. Nachdem das Thema Vergesellschaftung nach Querelen zwischen den Parteien etwas in den Hintergrund gerückt war, haben es die Anleger an der Börse nun wieder stärker auf dem Schirm.
Norma Group stellte indes ihre Strategie bis 2031 vor. Der Verbindungstechnikhersteller und Autozulieferer will mit seiner neuen Aufstellung leicht wachsen und dabei deutlich profitabler werden. Für etwas Verstimmung sorgte bei den Anlegern aber die Aussicht auf eine geringere Dividende. Ab 2027 sollen nämlich nur noch mindestens 10 Prozent des bereinigten Konzernjahresergebnisses ausgeschüttet werden anstelle der bisher versprochenen 30 bis 35 Prozent. Der Aktienkurs sank um rund dreieinhalb Prozent.
Eine Empfehlung der Citigroup lieferte den Aktien des Autozulieferers Aumovio Rückenwind. Ihr Kurs stieg um 1,6 Prozent, nachdem die Analysten die Bewertung bei einem Kursziel von 56 Euro mit "Buy" aufgenommen hatten. Analyst Ross MacDonald setzt bei Autozulieferern vor allem auf jene mit antriebsneutralen Geschäftsmodellen, sauberen Bilanzen und Wachstumsoptionen abseits der Fahrzeugbranche.
An der Spitze des Nebenwerteindex SDax setzten die Aktien des Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB ihre Rally mit einem Anstieg um 8 Prozent fort. Jüngst hatte eine Einschränkung des Starlink-Satellitennetzes der US-Firma SpaceX für die Ukraine zu Problemen im Abwehrkampf des Landes gegen den Aggressor Russland geführt. Das verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig es für Europa ist, die eigene Satellitenflotte deutlich auszubauen./mis/stk
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