BASEL (dpa-AFX) - Bei Novartis hat der negative Einfluss von Nachahmer-Präparaten im dritten Quartal weiter nachgelassen. Zugleich profitierte der Schweizer Pharmakonzern von Produktivitätsverbesserungen und verdiente dadurch - auf bereinigter Basis - mehr als gedacht. Konzernchef Vasant Narasimhan blickt deshalb nun optimistischer auf die Gewinnentwicklung in diesem Jahr als bisher. Getrübt wurde der Quartalsbericht zwar ein wenig durch hohe Wertminderungen, der Aktienkurs legte dennoch um rund 3 Prozent zu.
Wie Novartis am Dienstag in Basel mitteilte, soll das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis 2026 jetzt mindestens stagnieren oder im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigen. Hier hatte der Konzern bisher einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich prognostiziert. Im dritten Quartal war die Kennziffer um elf Prozent auf gut 6 Milliarden Dollar (5,4 Mrd Euro) gestiegen. Analysten hatten mit weniger gerechnet.
Die gute Kostenkontrolle sorge weiterhin für eine beschleunigte Gewinndynamik bei Novartis, kommentierte James Quigley von Goldman Sachs in einer ersten Einschätzung. Die neue Konzernprognose impliziere, dass die Markterwartungen hier um rund zwei Prozent steigen könnten. Jefferies-Analyst Michael Leuchten verwies derweil darauf, dass Vertriebs- und Verwaltungskosten deutlich niedriger als erwartet ausgefallen seien und die Forschungs- und Entwicklungsausgaben etwas niedriger. Auch beim Umsatz habe Novartis leicht positiv überrascht, vor allem dank älterer Produkte und einer starken Entwicklung des Schuppenflechte-Mittels Cosentyx.
Inklusive aller Effekte brach der operative Gewinn allerdings um rund 60 Prozent auf 1,84 Milliarden Dollar ein, und unter dem Strich sank der Überschuss auf 1,2 Milliarden Dollar nach 3,9 Milliarden im Vorjahr; hier schlugen sich Wertminderungen in Höhe von 1,9 Milliarden im Zusammenhang mit einer gescheiterten Medikamentenstudie mit dem Produktkandidaten Del-Desiran nieder.
Novartis hatte zuletzt gleich mit mehreren Misserfolgen bei Medikamententests in der späten Forschungsphase zu kämpfen, so etwa mit dem Herz-Kreislauf-Mittel Pelacarsen und Remibrutinib gegen die Autoimmunkrankheit Myasthenia gravis. Auch in einer Studie mit Del-Desiran gegen die seltene Muskelkrankheit myotone Dystrophie (Typ 1) verfehlten die Schweizer ihre Ziele. Novartis will aber trotz des Rückschlags das Mittel weiter vorantreiben, wie Konzernchef Narasimhan in einer morgendlichen Pressekonferenz mit Journalisten betonte.
Der Konzernerlös kletterte im Berichtszeitraum um 4 Prozent auf gut 14,5 Milliarden; damit nahm das Wachstum von Novartis weiter Fahrt auf. Nachdem das Unternehmen im ersten Quartal wegen der Markteinführung von Generika für wichtige Blockbuster noch ein Umsatzminus ausgewiesen hatte, war es bereits im zweiten Quartal auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Für das Gesamtjahr wird weiterhin ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet.
Novartis hatte zuletzt immer wieder hervorgehoben, dass die Erosion durch Nachahmer-Mittel ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte. Umsatzbringer wie Entresto, Promacta und Tasigna haben im vergangenen Jahr ihren Patentschutz verloren. Narasimhan hatte dabei betont, dass die negativen Auswirkungen in der ersten Jahreshälfte 2026 deutlich stärker ausfallen dürften als in der zweiten.
Trotz der jüngsten Studienmisserfolge rüttelt der Manager auch an der Mittelfristplanung für die Jahre 2025 bis 2030 nicht. Hier sei der Konzern weiter auf Kurs, sagte Narasimhan in der Pressekonferenz./tav/hr/AWP/mis/stk




