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US-Konzern übernimmt Brasiliens Seltene-Erden-Produzenten: Wie sichert sich Europa seinen Nachschub?

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Am 3. September vollzog USA Rare Earth (ISIN: US91733P1075) den Zusammenschluss mit der Serra Verde Group. Damit holte sich das US-Unternehmen einen brasilianischen Betrieb ins Portfolio, der bereits Seltene Erden fördert. Für Europa stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie gewinnt die heimische Industrie Zugang zu neuen Lieferquellen, wenn internationale Wettbewerber bereits in produzierende Betriebe investieren?

Serra Verde nahm die kommerzielle Produktion an der Lagerstätte Pela Ema im brasilianischen Bundesstaat Goiás 2024 auf. Der Betrieb erzeugt ein gemischtes Seltene-Erden-Konzentrat. Für USA Rare Earth ist der Zusammenschluss deshalb ein Schritt in Richtung Rohstoffversorgung für die eigene Wertschöpfungskette. Zwischen einem Konzentrat aus Brasilien und einem fertigen Permanentmagneten liegen allerdings weitere Verarbeitungsschritte. Genau dort entscheidet sich, wie viel Unabhängigkeit eine neue Rohstoffquelle tatsächlich bringt.

Brüssel setzt auf 46 neue Projekte - Berlin sucht Partner in Brasilien

Am 9. Oktober nahm die EU-Kommission 46 weitere Vorhaben innerhalb der Europäischen Union in ihre Liste strategischer Projekte nach dem Critical Raw Materials Act auf. Das ist ein Signal für den Aufbau eigener Kapazitäten. Auch wenn Projekte in Europa vorankommen, bleibt die Frage, woher die Industrie zusätzliche Rohstoffe und Vorprodukte beziehen kann.

Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte Brasilien im Juli als wichtigen Partner für Deutschland bezeichnet. Seine Rede in Brasília beschrieb eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erkundung und Förderung bis zur Verarbeitung und zum Recycling. Für Brasilien eröffnet das die Möglichkeit, mehr Verarbeitung im eigenen Land anzusiedeln. Für deutsche Abnehmer könnte es langfristig zusätzliche Bezugswege schaffen.

Das geologische Potenzial ist erheblich. Der US Geological Survey beziffert Brasiliens Seltene-Erden-Reserven auf 21 Millionen Tonnen in Seltenerdoxid-Äquivalenten. Die geschätzte brasilianische Bergwerksproduktion lag 2025 bei rund 2.000 Tonnen. Die Zahlen messen unterschiedliche Dinge, machen aber deutlich, wie viel Aufbauarbeit zwischen einem großen nationalen Rohstoffbestand und einer breiten industriellen Versorgung liegt.

Araxá: Ein Projekt für zwei Rohstoffmärkte

In Minas Gerais entwickelt St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8) das vollständig eigene Araxá-Projekt. Der Quartalsbericht vom 30. Oktober weist eine Mineralressource von 111,2 Millionen Tonnen mit durchschnittlich 3,57 Prozent Gesamtseltenerdoxiden und 0,57 Prozent Niobpentoxid aus. Die Schätzung beruht auf einem Schwellenwert von zwei Prozent Gesamtseltenerdoxiden. Sie ist eine Projektressource und daher nicht mit der nationalen Reservenzahl vergleichbar.

Die Kombination spricht zwei unterschiedliche Märkte an. Neodym und Praseodym sind Ausgangsstoffe für leistungsfähige Permanentmagnete, etwa für Elektromotoren. Niob wird unter anderem eingesetzt, um hochfeste Stähle herzustellen. Für St George eröffnet das die Möglichkeit, zwei Produktströme aus einem Vorkommen zu entwickeln. Ob sich daraus ein wirtschaftlicher Vorteil ergibt, hängt von der Aufbereitung und den erzielbaren Ausbeuten ab.

Warum die Verarbeitung in Brasilien mitentscheidet

St George arbeitet mit dem Bundesstaat Minas Gerais und der Industriegruppe Lima & Pergher an einem Konzept für ein Seltene-Erden-Verarbeitungszentrum in Uberlândia. Die Initiative greift eine Frage auf, die auch für Europa relevant ist: Welche Verarbeitungsschritte lassen sich nahe der Rohstoffquelle ansiedeln, und welche Vorprodukte könnten anschließend an die Industrie geliefert werden?

Das Zentrum ist ein vorgeschlagenes Vorhaben. Welches Material dort verarbeitet werden könnte und in welcher Form es das Werk verlassen würde, ist für potenzielle Abnehmer entscheidend. Je nach Produkt wären weitere Trenn- und Veredelungsschritte erforderlich. Für Anleger lohnt sich daher der Blick auf die geplante Produktspezifikation ebenso wie auf die Größe der Lagerstätte.

Parallel dazu hat St George die Umweltunterlagen für Araxá bei der zuständigen Behörde in Minas Gerais eingereicht. Damit hat das Genehmigungsverfahren begonnen. Wie der Betrieb ausgelegt werden könnte und welche Investitionen dafür nötig wären, soll die Machbarkeitsarbeit klären.

Fazit

Der Zusammenschluss von USA Rare Earth und Serra Verde zeigt, dass der Wettbewerb um brasilianische Seltene Erden bereits zu konkreten Transaktionen führt. Europas Strategie verfolgt zwei Wege: eigene Projekte voranbringen und Partnerschaften mit Rohstoffländern vertiefen. Brasilien ist dafür interessant, weil dort sowohl Rohstoffvorkommen als auch erste industrielle Lieferquellen vorhanden sind.

Araxá könnte dieses Angebot perspektivisch um Seltene Erden und Niob erweitern. Die Ressource und das Bergbauumfeld bieten eine Grundlage für die weitere Entwicklung. Ein europäischer Liefervertrag oder eine EU-Förderung für St George lässt sich daraus nicht ableiten. Für Anleger sind die nächsten überprüfbaren Schritte die Ergebnisse der Aufbereitungstests, der Fortschritt im Genehmigungsverfahren und die Frage, welche Produkte eine spätere Anlage zu welchen Kosten liefern könnte. Serra Verde zeigt, welchen Stellenwert laufende Produktion im Wettbewerb um Lieferquellen hat. Für St George liegt die Aufgabe darin, zu zeigen, wie Araxá diesen Punkt erreichen kann.


Quellen

USA Rare Earth: "USA Rare Earth Completes Combination with Serra Verde Group", 4. September 2026. 07:00
https://investors.usare.com/news-releases/news-release-details/usa-rare-earth-completes-combination-serra-verde-group

Europäische Kommission: "Selected strategic projects", zweite EU-Projektliste vom 9. Oktober 2026. single-market-economy.ec.europa.eu
https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/raw-materials/areas-specific-interest/critical-raw-materials/strategic-projects-under-crma/selected-projects_en

Auswärtiges Amt: Rede von Bundesaußenminister Johann Wadephul zu Lieferketten für Seltene Erden zwischen Brasilien, Deutschland und der EU, 3. Juli 2026. Federal Foreign Office
https://www.auswaertiges-amt.de/en/newsroom/news/2776976-2776976

U.S. Geological Survey: "Mineral Commodity Summaries 2026 - Rare Earths" und Länderübersicht Brasilien. pubs.usgs.gov
https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-rare-earths.pdf
https://www.usgs.gov/centers/national-minerals-information-center/brazil

St George Mining: "Quarterly Activities and Cashflow Report", 30. Oktober 2026. stgm.com.au
https://www.stgm.com.au/pdf/41471e8d-eeb3-4cf4-8675-738c1a53ec47/Platform/ListPage/Quarterly-Activities-and-Cashflow-Report.pdf

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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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