(neu: Kurs aktualisiert, Aussagen aus Calls, Details)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Autobauer BMW will in der Krise sein Sparprogramm verschärfen. Unter anderem sollen schneller und stärker Jobs wegfallen. Zudem wollen die Münchener den Umstieg der Modellpalette auf die profitablere neue Elektroauto-Modellgeneration "Neue Klasse" im derzeitigen Stromer-Boom in Europa beschleunigen. Die Gewinnaussichten für das laufende Jahr haben sich mit den dafür eingeplanten Sonderbelastungen allerdings zunächst weiter eingetrübt. Der seit rund einem halben Jahr amtierende Konzernchef Milan Nedeljkovic senkte bereits am Vorabend schon zum zweiten Mal in diesem Jahr den Ausblick für die von Investoren viel beachtete operative Marge im Autogeschäft. Die Anleger ließen die im Dax notierte Aktie in einem freundlicheren Branchenumfeld am Mittwoch allerdings steigen.
Das Papier legte am Vormittag um 1,7 Prozent auf 58,80 Euro zu. Im laufenden Jahr steht damit immer noch ein Kursverlust von mehr als einem Drittel zu Buche. Die Anleger dürften sich ganz auf die am Vorabend verkündeten Umbaumaßnahmen konzentrieren, schrieb Analyst Jose Asumendi von der US-Großbank JPMorgan am Morgen. Zwar habe BMW bei der Automarge im Quartal etwas besser als gedacht abgeschnitten, in der Finanzsparte aber schwächer. Zudem habe eine Vergleichsvereinbarung der Autosparte Rückenwind gegeben.
Nedeljkovic rechnet nun für 2026 nur noch mit einer Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von minus 0,5 bis plus 0,5 Prozent in der Autosparte, auch bei den Auslieferungen wird der Konzern etwas pessimistischer. Vorher standen noch 1 bis 3 Prozent Marge im Plan des Managements. Als Grund gaben die Bayern an, dass sie bei ihrem Sparkurs mit dem Stellenabbau schneller vorankommen als geplant und diesen Schwung für weitere Schritte nutzen wollen. Zudem soll die Umstellung der Angebotspalette auf die neue Elektroauto-Modellgeneration "Neue Klasse" angesichts guter Nachfrage rascher vonstatten gehen - damit werden Batteriemodelle mit älteren Antrieben eher auslaufen als bisher geplant.
Weitere Sonderkosten
Die Belastungen für Stellenabbau sowie Portfoliomaßnahmen würden die operative Automarge auf Jahressicht mit 2,5 Prozentpunkten belasten, hieß es vom Konzern. Bisher war beim Stellenabbau allein die Rede von 1,25 Prozentpunkten gewesen. Eine genauere Aufschlüsselung der nun genannten Belastungen auf Sparkurs und Modellmaßnahmen wollte Finanzchef Walter Mertl nicht machen. Er betonte, wegen schwächerer Verkaufsaussichten allein hätte die Prognose nicht gesenkt werden müssen. Bei der Festlegung von Dividende und möglichen Aktienrückkäufen will BMW die Spar- und Modellmaßnahmen berücksichtigen. Genaueres dazu gebe es aber erst im neuen Jahr, sagte Mertl.
Das im Sommer angekündigte Sparprogramm der Bayern war Anfang Oktober gestartet und nach nicht einmal drei Wochen bereits wieder geschlossen worden, weil das Interesse der Mitarbeiter, gegen eine oft deutlich sechsstellige Zahlung das Unternehmen zu verlassen, überraschend groß war.
Am Abbauprogramm hätten sich "genau die richtigen Personengruppen beteiligt", sagte Konzernchef Nedeljkovic in einer Telefonkonferenz. Das gebe BMW die Möglichkeit, "den Umbau dementsprechend schnell zu machen". Zudem könne man ihn gegenüber dem, was man sich vorgenommen habe, erweitern.
Soweit die Füße tragen
Im Sommer war aus Konzernkreisen zu hören, dass der weltweite Abbau bei rund 8.000 Jobs liegen könnte - mit einem Fokus auf Deutschland und dort wiederum auf München. Diese Zahl hat das Management nie bestätigt. Auch jetzt sagte Nedeljkovic nur, dass man den Umbau auf Sicht gestalte: "Wir gehen so weit, wie uns die Füße tragen. Und was für uns sinnvoll ist." Das aktuelle Jobabbauprogramm sei abgeschlossen, das Thema gehe aber weiter.
Finanzchef Mertl erklärte die Belastungen als Investition in die Zukunft. "Geschwindigkeit ist bei unserer geplanten Neuausrichtung ein Erfolgsfaktor. Deshalb intensivieren wir noch in diesem Jahr die Maßnahmen für mehr Effizienz und schlankere Strukturen", sagte er. "Damit wollen wir unsere künftigen Margen stärken."
China bleibt Achillesferse
Im Tagesgeschäft bekommt BMW weiter die Krise im Chinageschäft zu spüren. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um fast 6 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern gar um fast 30 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Die von Investoren stark beachtete Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern in der Autosparte sackte um 1,8 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent ab. Analysten hatten allerdings mit einem noch schwächeren Abschneiden gerechnet. Unter dem Strich machte BMW mit 1,45 Milliarden Euro knapp 15 Prozent weniger Gewinn.
Entscheidender Treiber für die Einbußen bei BMW ist das schlechte Geschäft in China. Wie alle deutschen Hersteller leidet BMW darunter, dass der weltweit wichtigste Automobilmarkt schrumpft und gleichzeitig von immer stärkerer Konkurrenz und heftigen Preiskämpfen geschüttelt wird. Auch BMW büßte dort rund ein Viertel seines Absatzes ein.
Demzufolge senkte die Firma auch die eigenen Erwartungen an den Autoverkauf 2026. Der Konzern geht jetzt von einem "moderaten" Rückgang der Auslieferungen aus - das entspricht zwischen 5 und 10 Prozent weniger als die 2,46 Millionen Autos im Vorjahr. Bisher hatte der Ausblick hier von einem "leichten" Rückgang gesprochen - das wären lediglich bis zu 5 Prozent Rückgang gewesen.
Die Prognose für den Gewinn vor Steuern ließ BMW unangetastet - hier geht der Konzern allerdings bereits seit der ersten Gewinnwarnung im Frühsommer von einem "deutlichen" Dämpfer aus. Das wären mehr als 15 Prozent Rückgang. Auch beim freien Mittelzufluss aus dem Autogeschäft (Free Cashflow) rechnet Mertl weiter mit mehr als 2,5 Milliarden Euro./men/ruc/niw/stk




