Das Immobilienunternehmen Vonovia hat mit Vorlage der Neunmonatszahlen die gekappte Prognose für das Gesamtjahr 2026 bestätigt. Der Ausblick für 2027 und 2028 fällt vorsichtig aus. Während die Vergesellschaftungsfantasien in Berlin bislang nur auf die Stimmung drücken, belasten die gestiegenen Zinsen spürbar den Ertrag. Die Aktie ist eine Wette auf eine Zinswende. Doch die scheint noch fern.
Die Gleichung für steigende Vonovia-Kurse klang noch vor einem Jahr recht simpel: Immer mehr Menschen in Deutschland benötigen mehr Wohnraum - und den stellt unter anderem Vonovia zur Verfügung. Allerdings finanzieren sich Immobilienkonzerne, darunter auch Vonovia, mit Fremdkapital. Im Schnitt liegen die Fremdkapitalquoten bei 60 bis 75 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Finanzierung bei steigenden Zinsen mitunter empfindlich verteuert.
Das zeigt sich in den Neunmonatszahlen der Bochumer. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA stieg zwar um 3,3 Prozent auf 2.187,4 Mio. Euro, durch die höheren Finanzierungskosten sank das bereinigte EBT jedoch um 3,5 Prozent auf 1.408,0 Mio. Euro. Das Bereinigte Periodenergebnis für die Aktionäre verminderte sich um 6,6 Prozent auf 1.121,4 Mio. Euro oder 1,32 Euro/Aktie. Da hilft es aktuell nur bedingt, dass CFO Philip Grosse nach Unternehmensangaben günstige Marktphasen nutzte, um die Finanzierung für 2026 zu sichern.
Vorstandschef Luka Mucic hält die Debatte um eine Vergesellschaftung für den falschen Ansatz, um Investitionen in neuen Wohnraum zu fördern. Zudem verweist er auf die Folgekosten für Instandhaltung und Modernisierung. Ob und wann es tatsächlich zu einer Vergesellschaftung in Berlin kommt, ist völlig offen. Allerdings besitzt Vonovia in Berlin zusammen mit der Tochtergesellschaft Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen, die aktuell noch mit gut 20 Mrd. Euro bewertet werden. Investoren sehen dies als ein Risiko.
Die gestiegenen Zinsen lasten auf den Erträgen von Vonovia, die Vergesellschaftungspläne auf der Stimmung. Das ist keine gute Mischung für die Aktie. Niedrigere Erträge bedeuten zudem tendenziell sinkende Ausschüttungen an die Aktionäre. Die aktuelle Dividendenrendite von 7,5 Prozent zählt daher erst dann, wenn die erwartete Ausschüttung von 1,25 Euro/Aktie - analog zum Vorjahr - auch wirklich in dieser Höhe gezahlt wird. Andererseits ist bereits viel Risiko in der Aktie eingepreist. Hellt sich das Zinsumfeld auf, wird die Vonovia-Aktie wieder spannend. Bis dahin sollten Anleger mit einem Engagement aber noch abwarten.
(aktien-global.de, 04.11.2026, 12:35 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)




