(neu: Details, Aussagen aus der Pressekonferenz)
ERLANGEN (dpa-AFX) - Im Zuge der Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens stellt sich der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers neu auf. So wird der Traditionsname Siemens verschwinden. Zudem leitete Healthineers die seit Längerem erwartete Trennung von dem schwächelnden Geschäft mit der Labordiagnostik ein. Um die Kosten dafür aufzufangen, legte das Unternehmen ein neues Restrukturierungsprogramm auf. Für das neue Geschäftsjahr zeigte sich das Management um Konzernchef Bernd Montag angesichts der Fülle von Strukturthemen zunächst vorsichtig.
Die Aktien von Siemens Healthineers zollten am Donnerstag vorerst ihrem starken Lauf Tribut. So rutschten sie zuletzt um rund drei Prozent ab. Die Papiere hatten seit Anfang Oktober eine Rally hingelegt, mit einem Kursgewinn von 18 Prozent und damit ihre zeitweise deutlichen Verluste seit Jahresbeginn wettgemacht.
Mit der Entflechtung von Siemens will sich der Konzern künftig nur noch Healthineers nennen. Dabei soll es eine Übergangsfrist von drei Jahren geben, teilte das Unternehmen im Rahmen der Veröffentlichung seiner Jahreszahlen in Erlangen mit. "Siemens ist, woher wir kommen, und bleibt ein wichtiger und geschätzter Teil unseres Erbes", sagte Konzernchef Bernd Montag. Der Name Healthineers beschreibe jedoch, was das Unternehmen sei.
Siemens hatte angekündigt, sich von der Mehrheit an seiner Tochter trennen zu wollen. Dies soll im Rahmen einer Abspaltung geschehen. So sollen die Aktionäre beider Unternehmen auf den Hauptversammlungen im kommenden Februar darüber abstimmen. Weitere Details hatte Siemens für die Jahreszahlen in der kommenden Woche angekündigt. Der Münchner Konzern strebt mittelfristig eine reine Finanzbeteiligung an. Siemens hat Healthineers 2018 an die Börse gebracht und hält derzeit, letzten Angaben zufolge, noch rund 67 Prozent. Bereits am Mittwoch hatte Healthineers einen Umbau des Aufsichtsrats angekündigt. Unter anderem werden Siemens-Chef Roland Busch und seine Finanzchefin Veronika Bienert das Gremium verlassen.
Healthineers will sich zudem künftig auf sein Geschäft mit der Bildgebung sowie der Präzisionstherapie konzentrieren. So wurde eine grundsätzliche Entscheidung über die Ausgliederung des Geschäfts mit Laborstraßen getroffen. Healthineers hatte den Bereich schon seit Längerem zur Disposition gestellt. Das neue Unternehmen soll künftig Olyrian Diagnostics heißen und bleibe während des Übergangs Teil von Healthineers. Der Prozess soll bis zur Mitte des Kalenderjahres 2028 abgeschlossen werden.
Der Bereich ist schon länger das Sorgenkind von Healthineers. Das China-Geschäft bleibt dort schwierig und das sukzessive Auslaufen älterer Analyse-Systeme belastet. So musste Healthineers wegen der schlechten Entwicklung im Sommer den Umsatzausblick senken. Zudem gibt es keine Synergien zu den anderen Geschäftsbereichen. Das Geschäft befindet sich derzeit im Umbau, Finanzchef Jochen Schmitz kündigte in einer Analystenkonferenz eine Fortsetzung des Effizienzprogramms an, das mittelfristig zusätzlich 400 Millionen Euro sparen soll.
Insgesamt kommen auf Healthineers in den kommenden Jahren millionenschwere Kosten zu. Das Unternehmen kündigte in diesem Zusammenhang ein neues Sparprogramm für die Geschäftsjahre 2028 bis 2030 an. Allein durch die Entflechtung von Siemens, die Ausgliederung der Labordiagnostik sowie die bereits bekannte teilweise Einstellung des Ultraschallgeschäfts dürften Siemens Healthineers jährlich mit rund 300 Millionen Euro belasten. Zudem sorgt die Inflation für Gegenwind.
So sollen die Strukturen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die künftige Aufstellung soll schlanker werden. Mit Details zum neuen Programm hielten sich Montag und Schmitz zurück. So sollen die Maßnahmen im kommenden Jahr erarbeitet werden und bis 2030 nachhaltige Einsparungen bringen, sagte Schmitz in der Bilanzpresskonferenz. Dabei werde das Programm auch Arbeitsplätze treffen, räumte der Manager ein. Montag geht davon aus, dass die Maßnahmen die erwarteten Belastungen vollständig ausgleichen werden.
Mit diesen Strukturthemen im Rücken gab Healthineers einen vorsichtigen Ausblick auf das laufende Jahr. So dürften unter anderem die Kosten für die Entflechtung von Siemens sowie die Einstellung von Ultraschallgeschäften den Gewinn belasten. Dazu kommt die höhere Inflation. So dürfte der bereinigte Gewinn je Aktie von 2,42 Euro auf 2,20 bis 2,40 Euro sinken. Analysten haben derzeit im Konsens 2,37 auf dem Zettel.
Das vergleichbare Umsatzwachstum erwartet der Konzern bei 4 bis 5 Prozent, was unter den Erwartungen der Analysten von 5,5 Prozent liegt. Dabei zeigte sich Healthineers für die Entwicklung in China vorsichtig. Im ersten Quartal dürfte das Wachstum in der Bandbreite der Jahresprognose liegen.
Die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr rückten in den Hintergrund. 2025/26 stieg der vergleichbare Umsatz um vier Prozent auf 23,63 Milliarden Euro, was am oberen Ende der Unternehmensprognose lag. Nominal betrug das Plus 1,1 Prozent. Unter dem Strich verdiente Siemens Healthineers gut 2,2 Milliarden Euro und damit 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei profitierte Siemens Healthineers auch von Zollrückerstattungen aus den USA.
Dabei beschleunigte sich das Wachstum im vierten Quartal. Vergleichbar erzielte das Unternehmen ein Plus von 5,9 Prozent auf knapp 6,8 Milliarden Euro Umsatz. Getrieben wurde die Entwicklung von einem zweistelligen Umsatzplus in der Bildgebung - hier hatte Healthineers bereits zum dritten Quartal angekündigt, dass sich Umsätze in die letzten drei Monate des Geschäftsjahres verschieben würden. Die Sparte Precision Therapy mit dem Krebsspezialisten Varian legte um 4,8 Prozent zu. Dagegen musste der Bereich Labordiagnostik erneut einen Rückgang hinnehmen.
Für das vergangene Geschäftsjahr will Siemens Healthineers eine unveränderte Dividende von einem Euro je Aktie zahlen./nas/niw/stk




