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Die Kursflaute bei der Aktie von KI-König Nvidia hält an. Das hat am Dienstag zu einem ersten Verkaufssignal geführt. Ein zweites könnte schon bald folgen.
Favoritenwechsel: Nvidia schaut der Halbleiterbranche inzwischen hinterher!
Auch nach der kurzen, aber umso empfindlicheren Zwischenkorrektur stehen Halbleiteraktien bei Anlegerinnen und Anlegern unverändert hoch im Kurs. Zwar geriet der Branchenindex Philadelphia Semiconductor am Dienstag erneut unter Druck, noch zum Wochenauftakt hatte er jedoch ein neues Rekordhoch erzielt, womit die seit dem Jahreswechsel erzielten Kursgewinne zwischenzeitlich bei fast 100 Prozent lagen.
Während vor allem Speicherchiphersteller, wie Micron, SanDisk und SK Hynix, dicht gefolgt von den CPU-Herstellern AMD und Intel von einem Hoch zum nächsten jagen, hat sich das Sentiment gegenüber KI-Überflieger Nvidia spürbar abgekühlt. Gegenüber dem Jahreswechsel stehen hier Kursgewinne von nur 11,2 Prozent zu Buche. Damit verdichten sich innerhalb der Halbleiterbranche die Anzeichen auf einen Favoritenwechsel.
Von der zurückliegenden Korrektur bei Halbleiterwerten ist die Nvidia-Aktie überdurchschnittlich stark betroffen gewesen, sie liegt um 12,3 Prozent unter ihren bisherigen Rekordnotierungen. Auch am Dienstag handelte sie mit Verlusten - genau das könnte den Anteilen jetzt zum Verhängnis werden, da durch erste Verkaufssignale vorliegen.

Trotz jüngster Rekordnotierungen wächst die Zahl der Warnsignale
Übergeordnet befindet sich die Nvidia-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Der hat Anlegerinnen und Anlegern unter dem Strich hohe Gewinne beschert. Doch seit etwa 10 Monaten ist die Dauerrallye der Aktie spürbar ins Stocken geraten. Nach einer längeren Seitwärtskonsolidierung zwischen 175 und 200 US-Dollar wurde die Geduld von Investoren zwar noch einmal mit neuen Allzeithochs belohnt.
Doch die neuen Rekordnotierungen, aus technischer Perspektive eigentlich ein klares Kaufsignal, haben der Aktie mehr Probleme als neue Erfolge beschert. Zum einen liegt nach der Kursentwicklung der vergangenen Wochen ein Doppel-Top vor, das durch bearishe Divergenzen im Relative-Stärke-Index als Vorboten einer möglichen Trendwende begleitet wird. Zum anderen ist auch über das Doppel-Top hinaus ein gefährliches Kursmuster entstanden.
Der Anstieg auf die neuen Allzeithochs erfolgte innerhalb eines sogenannten Broadening Ascending Wegde, also einer aufsteigenden Trompeten- beziehungsweise in älteren Lehrbüchern auch Megaphon-Formation. Die mit dem Kurs steigende Volatilität zeigt eine wachsende Verunsicherung der Anlegerinnen und Anleger bezüglich der Preisfindung an. Dieses Kursmuster steht damit häufig am Ende von Anstiegsbewegungen und läutet recht zuverlässig Trendwendebewegung ein.
Die Nvidia-Aktie könnte jetzt vor einer empfindlichen Korrektur stehen
Genau das ist bei Nvidia jetzt zu befürchten, nachdem die Aktie unter die Unterkante der Trompeten-Formation gefallen ist. Dazu kommt der Kampf um die 50-Tage-Linie. Verliert die Aktie diesen, was angesichts der inzwischen ausgeprägten Schwäche der technischen Indikatoren wahrscheinlich ist, liegt ein weiteres Verkaufssignal vor - zusätzlich zu dem, das im Trendstärkeindikator MACD bereits vorliegt, der unter seine Nulllinie gefallen ist und damit einen neuen Abwärtstrend anzeigt.
Im Bereich von 200 US-Dollar trifft die Aktie zwar auf eine weitere Unterstützung, ob diese ein drittes Mal hält, ist angesichts der wachsenden Abwärtsdynamik jedoch unsicher. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher darauf einstellen, dass die Aktie in den kommenden Wochen bis mindestens zur 200-Tage-Linie zurücksetzen könnte. Sollte sich das Gesamtmarktumfeld erneut eintrüben, steht auch ein Test des im vergangenen Jahr bewährten Unterstützungsbereiches zur Diskussion. Damit liegt ein Abwärtspotenzial von bis zu 20 Prozent vor. Für neue Impulse zur Oberseite und eine Entschärfung der aktuellen Gefahrenlage würde ein technisch bestätigter Anstieg über 220 beziehungsweise auf neue Allzeithochs beitragen.
Fazit: Kurzfristige Kursverluste könnten eine neue Einstiegschance schaffen
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung profitiert die Nvidia-Aktie von der aktuellen Kursflaute. Für 2027 ist die das Unternehmen inzwischen mit einem überschaubaren KGV von 23,2 bewertet, für 2028 steht sogar ein KGVe von nur 16,3 zu Buche. Das liegt deutlich unter den Bewertungsvielfachen der vergangenen Jahre sowie insbesondere auch der zuletzt besser gelaufenen Konkurrenten. Das dürfte die Abwärtsrisiken insgesamt reduzieren.
Solange es also keine Anzeichen für ein grundsätzliches Ende des KI- und Halbleiterbooms gibt - etwa, weil Hyperscaler ihre Investitionen plötzlich zurückfahren - bedeuten Rücksetzer bei der Aktie von Nvidia an prominente Unterstützungslinien und -bereiche Einstiegschancen. Die aktuellen Risse im Chartbild sollten daher als Möglichkeit begriffen werden, dass eine neue Anstiegschance aufgebaut werden könnte.
Gastautor: Max Gross

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