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Über viele Jahre führten Seltene Erden eher ein Nischendasein an den Rohstoffmärkten und standen vor allem bei Bergbauspezialisten und Industrieunternehmen im Fokus. Heute sind sie zum Zentrum einer weitaus größeren Geschichte geworden - einer Geschichte, die Verteidigung, künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und Geopolitik miteinander verbindet. Regierungen auf der ganzen Welt betrachten den Zugang zu kritischen Rohstoffen zunehmend als strategische Priorität, und Investoren erkennen immer stärker, dass ein neuer globaler Rohstoffwettlauf bereits begonnen haben könnte.
Ein aktuelles Beispiel dafür lieferte in diesem Monat das US-Verteidigungsministerium, das eine Investition von 25 Millionen US-Dollar in ReElement Technologies ankündigte. Das Unternehmen baut im US-Bundesstaat Indiana Kapazitäten zur Verarbeitung von Seltenen Erden auf. Nach Angaben von Reuters soll die Anlage künftig Magnete recyceln und neben Seltenen Erden auch Germanium und Gallium verarbeiten - Rohstoffe, die für Halbleiter und moderne militärische Systeme unverzichtbar sind.
Der jüngste Schritt des Pentagons unterstreicht die wachsende Sorge in Washington: Der Westen ist bei den Rohstoffen, die moderne Volkswirtschaften und Verteidigungsindustrien antreiben, nach wie vor stark von China abhängig.
Warum Seltene Erden plötzlich so wichtig sind
Seltene Erden umfassen eine Gruppe von 17 Metallen mit besonderen magnetischen, elektrochemischen und lumineszierenden Eigenschaften. Obwohl diese Elemente in der Erdkruste nicht außergewöhnlich selten vorkommen, sind wirtschaftlich nutzbare Lagerstätten begrenzt und ihre Verarbeitung technisch anspruchsvoll.
Ihre Bedeutung kann jedoch kaum überschätzt werden. Seltene Erden kommen in Tausenden Produkten zum Einsatz - von Smartphones und Elektrofahrzeugen bis hin zu medizinischen Geräten und Industrieanlagen. Nach Analysen von Sprott entfallen wertmäßig mehr als 80 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Seltenen Erden auf Permanentmagnete. Diese basieren vor allem auf Elementen wie Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium, die leichte und hitzebeständige Magnetsysteme ermöglichen.
Genau diese Magnete stehen im Zentrum einiger der wichtigsten Wachstumsbranchen der Welt. Rechenzentren für künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien und die Luft- und Raumfahrtindustrie benötigen große Mengen an Seltenen Erden. Gleichzeitig steigt die Nachfrage aus dem Verteidigungssektor kontinuierlich.
Nach Schätzungen von Benchmark Mineral Intelligence enthält ein Kampfflugzeug vom Typ F-35 rund 418 Kilogramm Seltene Erden, die unter anderem in Radarsystemen, Lenkwaffen und Lasertechnologien eingesetzt werden. Noch höher ist der Bedarf bei Marineeinheiten: Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse benötigt etwa 2.600 Kilogramm, ein U-Boot der Virginia-Klasse sogar rund 4.600 Kilogramm.
Die Herausforderung für westliche Regierungen besteht darin, dass China sowohl bei der Förderung als auch bei der Weiterverarbeitung weiterhin dominiert. Wie Sprott hervorhebt, kontrolliert Peking einen erheblichen Teil der globalen Lieferketten für Seltene Erden - zu einer Zeit, in der geopolitische Spannungen zunehmen und immer mehr Staaten nach strategischer Unabhängigkeit streben.
Regierungen bauen neue Lieferketten auf
Die Reaktion der USA hat sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt.
Neben der jüngsten Investition in ReElement hat die US-Armee das Unternehmen REalloys ausgewählt, um auf einem Militärgelände in Utah eine kommerzielle Anlage zur Verarbeitung Seltener Erden aufzubauen. Zudem sollen neue Beschaffungsregeln, die 2027 in Kraft treten, die Verwendung chinesischer Seltene-Erden-Materialien in amerikanischen Verteidigungssystemen einschränken.
Von dieser Entwicklung profitieren bereits große Industrieunternehmen. MP Materials, Betreiber der Mountain-Pass-Mine in Kalifornien, gilt inzwischen als Aushängeschild der amerikanischen Strategie für Seltene Erden. Im vergangenen Jahr wurde das US-Verteidigungsministerium durch eine Investition von 400 Millionen US-Dollar zu einem der größten Aktionäre des Unternehmens und sicherte sich langfristigen Zugang zur Produktion von Neodym und Praseodym. Gleichzeitig baut MP Materials seine Kapazitäten zur Magnetproduktion im Bundesstaat Texas aus.
Auch USA Rare Earth und REalloys verfolgen ähnliche Pläne und arbeiten daran, vertikal integrierte Lieferketten aufzubauen, die vom Bergbau über die Raffination bis hin zur Magnetproduktion reichen. Dennoch sind sich Analysten weitgehend einig, dass der Aufbau einer vollständig unabhängigen westlichen Lieferkette erhebliche Investitionen und viele Jahre Entwicklungszeit erfordern wird.
Vor diesem Hintergrund richten Investoren ihren Blick zunehmend auf Unternehmen mit großen Lagerstätten außerhalb Chinas.
St George Mining rückt in den Fokus
Zu den Unternehmen, die von diesem Trend profitieren möchten, gehört St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8), das das Seltene-Erden- und Niobium-Projekt Araxá in Brasilien entwickelt.
Der Zeitpunkt scheint günstig. Im Juni gab das Unternehmen bekannt, dass es Finanzierungszusagen über 60 Millionen australische Dollar erhalten hat, um die Entwicklungsstudien für Araxá zu beschleunigen. Der bestehende Ankerinvestor Hancock Prospecting, der von der australischen Bergbauunternehmerin Gina Rinehart kontrolliert wird, beteiligte sich mit 20 Millionen australischen Dollar an der Kapitalerhöhung und dürfte seinen Anteil auf rund 10,5 Prozent erhöhen. Die Mittel sollen unter anderem in Machbarkeitsstudien und die Vorbereitung einer späteren Investitionsentscheidung fließen.
Auch der Umfang des Projekts ist deutlich gewachsen. Anfang dieses Jahres erhöhte St George die JORC-konforme Ressourcenschätzung für Araxá auf 70,91 Millionen Tonnen mit einem Gehalt von 4,06 Prozent Gesamt-Seltenerdoxiden. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich damit um die größte karbonatitgebundene Hartgestein-Lagerstätte für Seltene Erden in Südamerika.
Besonders wichtig ist dabei, dass die Lagerstätte geologische Ähnlichkeiten mit einigen der bedeutendsten Seltene-Erden-Projekte der Welt aufweist, darunter die Mountain-Pass-Mine von MP Materials und das Mt-Weld-Projekt von Lynas Rare Earths.
Darüber hinaus enthält Araxá bedeutende Niobiumvorkommen und bietet damit Zugang zu einem weiteren strategischen Rohstoff, der unter anderem in Luft- und Raumfahrtlegierungen, Spezialstählen und Verteidigungsanwendungen eingesetzt wird.
Auch der Standort könnte sich als Vorteil erweisen. Araxá liegt im Bundesstaat Minas Gerais, einer der traditionsreichsten Bergbauregionen Brasiliens, mit guter Straßen- und Bahninfrastruktur sowie einer erfahrenen lokalen Belegschaft. Die Regionalregierung hat bereits eine Vereinbarung zur Unterstützung der Projektentwicklung unterzeichnet.
Von der Explorationsgeschichte zum geopolitischen Vermögenswert
Die technische Entwicklung des Projekts schreitet weiter voran. Jüngste metallurgische Tests zeigten, dass sowohl Niobium- als auch Seltene-Erden-Produkte aus demselben Erz gewonnen werden können. Offene Flotationstests lieferten Niobiumkonzentrate mit Gehalten von rund 40 Prozent Nb2O5, während die Konzentrate der Seltenen Erden Gehalte von 15,7 Prozent Gesamt-Seltenerdoxiden bei einer Gewinnungsrate von etwa 82 Prozent erreichten.
Analysten von Canaccord Genuity sehen darin eine Bestätigung der Strategie von St George, einen Betrieb mit zwei Rohstoffen aufzubauen, und halten derzeit an ihrer spekulativen Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 0,23 australischen Dollar fest.
Natürlich befindet sich St George weiterhin in der Entwicklungsphase, und erhebliche Risiken bleiben bestehen. Finanzierungsbedarf, Genehmigungsverfahren und die Volatilität der Rohstoffpreise werden den weiteren Projektverlauf maßgeblich beeinflussen.
Dennoch lässt sich der übergeordnete Trend zunehmend schwer ignorieren. Seltene Erden haben sich von wenig beachteten Industriemetallen zu zentralen Bausteinen der nationalen Sicherheit, moderner Technologien und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit entwickelt.
Während Regierungen weltweit darum konkurrieren, ihre Lieferketten zu sichern und ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren, könnten Unternehmen, die die nächste Generation kritischer Rohstoffe liefern, im Mittelpunkt einer der prägendsten Rohstoffgeschichten dieses Jahrzehnts stehen.
Quellen
https://wcsecure.weblink.com.au/pdf/ARU/03092779.pdf
https://www.stgm.com.au/
https://www.reuters.com/world/asia-pacific/china-targets-us-rare-earth-other-firms-with-export-controls-2026-06-22/
https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/pentagon-invests-25-million-into-rare-earths-startup-reelement-technologies-2026-07-13/
https://www.prnewswire.com/news-releases/the-us-is-increasing-efforts-to-rebuild-its-rare-earth-supply-chain-302818837.html
https://sprott.com/insights/why-the-world-is-racing-to-secure-rare-earths/
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St George Mining
Land: Australien
ISIN: AU000000SGQ8
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