
© Foto: Willians Huerta auf Pexels (Symbolbild)
Bei Thyssenkrupp sollten die kommenden Ereignisse positiver Natur sein. Der Essener Konzern treibt seinen Umbau zur Finanzholding mit großen Schritten voran, und die Börse dürfte das honorieren. Am 7. August entscheiden die Aktionäre über die Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis, kurz danach folgen die nächsten Quartalszahlen. Die Deutsche Bank traut der Aktie inzwischen deutlich mehr zu und hat ihr Kursziel angehoben. Auch charttechnisch tut sich einiges, der Titel nähert sich einer wichtigen Marke. Wir schauen uns an, was hinter der Rally steckt und wie es weitergehen könnte.
Konzernumbau nimmt Fahrt auf
Bei Thyssenkrupp geht es vielleicht schon bald Schlag auf Schlag. Am kommenden Freitag stimmen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis ab, früher als Materials Services bekannt. Der Plan steht schon länger fest, jetzt wird er konkret. Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien gibt es künftig eine Aktie der neuen Gesellschaft, der Mutterkonzern behält vorerst 51 Prozent und damit die Zügel in der Hand. Die Eintragung ins Handelsregister soll bis Ende August erfolgen, rechtswirksam wird die Trennung dann Ende Oktober. Konzernchef Miguel Lopez treibt damit sein Ziel voran, aus dem Ruhrkonzern eine schlanke Finanzholding zu machen, in der die einzelnen Sparten eigenständig am Kapitalmarkt agieren. Nach der Wasserstofftochter Nucera und der Marinesparte TKMS wäre tk accelis bereits der dritte große Baustein. Die abgespaltene Sparte bringt Substanz mit: Rund 15.500 Beschäftigte, mehr als 400 Standorte und zuletzt 11,4 Milliarden Euro Umsatz sprechen für sich. Auch operativ läuft es rund, im zweiten Geschäftsquartal sprang das bereinigte Ergebnis um 179 Prozent nach oben. Mittelfristig peilt tk accelis eine Marge von vier bis fünf Prozent an, vor allem das margenstärkere Dienstleistungsgeschäft rund um Logistik und digitales Lieferkettenmanagement soll dabei kräftig zulegen.
Die Deutsche Bank honorierte die Entwicklung bereits und hob ihr Kursziel von 14,50 auf 16,00 Euro an, verbunden mit einem Kaufvotum.

Charttechnik
Der Chart zeigt Rückenwind. Die Aktie hat sich klar über ihren 200-Tage-Durchschnitt geschoben und nähert sich jetzt der Marke von 12,60 Euro. Knackt sie diesen Widerstand, wäre der Weg in Richtung des Analysten-Kursziels bei 16 Euro frei. Ein Ausbruch liegt förmlich in der Luft. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits mehr als 30 Prozent zugelegt, das alte Jahreshoch ist in Reichweite. Der RSI bewegt sich mit 65 Punkten in einem Bereich knapp vor dem überkauften Bereich. Dennoch ist noch Luft nach oben vorhanden und oftmals bewegt sich die Aktie dann auch im überkauften Bereich weiter nach oben.
Was tun?
Die operative Entwicklung stimmt, der Umbau zur Holding nimmt Gestalt an und die anstehende Abspaltung könnte verborgene Werte sichtbar machen. Charttechnisch spricht der intakte Aufwärtstrend für weiteres Potenzial, auch wenn die Bewertung der Stahlsparte weiter mit Unsicherheiten behaftet bleibt. Mit der Hauptversammlung und gleich zwei Quartalsberichten binnen weniger Tage könnte im August ordentlich Bewegung in den Titel kommen. Wer an die Story vom schlanken, transparenteren Konzern glaubt, findet hier einen spannenden Einstiegspunkt, sollte die Termine im August aber als möglichen Kurstreiber im Blick behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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