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Jamie Coleman (MFS): Unveränderte Leitzinsen, steigende Langfristrenditen

25. bis 31. Juli 2026

Wegen der außergewöhnlich guten US-Unternehmenszahlen lagen internationale Aktien diese Woche im Plus. Die US-Zehnjahresrendite stieg leicht von 4,68% auf 4,73%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 4 US-Dollar auf 85,60 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 19,1 auf 18,6.

Konjunktur

Unveränderte Leitzinsen, unzufriedene Anleger

Vor der Offenmarktausschusssitzung am Mittwoch waren sich die Anleger uneins wie selten. Am Terminmarkt schätzte man die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf etwa 35%. In den letzten Jahren hatten Investoren Zinsentscheidungen meist richtig prognostiziert. Am Ende stimmte der Offenmarktausschuss mit 9:3 gegen eine Zinsänderung; lediglich drei regionale Fed-Präsidenten wollten eine Erhöhung. Der Zinsentscheid selbst kam nicht überraschend, wohl aber die erstaunlich milden Äußerungen von Notenbankchef Kevin Warsh. Er deutete auch in keiner Weise an, dass eine Zinserhöhung im September schon ausgemacht sei. Trotz anhaltender Inflationsrisiken scheinen höhere Zinsen also gar nicht so sicher wie von vielen Anlegern vermutet. Das war eine wichtige Erkenntnis der Pressekonferenz.

Warsh sagte auch, dass sowohl die realen als auch die nominalen Renditen seit der Junisitzung stark gestiegen seien - vielleicht wegen seiner zurückhaltenderen Forward Guidance, so der Notenbankchef. Möglicherweise reagiere der Markt jetzt stärker auf die Konjunktur als auf die Notenbank, was er sehr gut fände. Die steigenden Renditen machten die Finanzbedingungen straffer und nähmen der Fed damit Arbeit ab. Da Investoren die Pressekonferenz als zu milde wahrnahmen, legten die Langfristrenditen kräftig zu. Erstmals seit 2007 stieg die 30-Jahres-Rendite auf über 5,20%. Zwischen zwei und 30 Jahren wurde die Zinsstrukturkurve damit deutlich steiler.

Die Notenbankauguren sind von Warshs zurückhaltendem Kommunikationsstil nicht allzu begeistert. Viele beschwerten sich, dass die Reaktionsfunktion der Fed im Unklaren bliebe und die Märkte dadurch volatiler würden. Jetzt wartet man gespannt darauf, was Warsh Ende August in Jackson Hole sagt. Vielleicht sind wir dann schlauer.

Importe bremsen das ansonsten ordentliche US-Wachstum

Mit 1,5% annualisiertem Wachstum blieb die erste Schätzung für das amerikanische Zweitquartals-BIP hinter den Erwartungen zurück. Das hatte aber vor allem mit höheren Importen und niedrigeren Lagerinvestitionen zu tun. Das Kern-BIP (also die Käufe inländischer Unternehmen und Haushalte) stieg um ordentliche 3,9%, aber der Gesamtwert litt unter den umfangreichen Importen von KI-Bauteilen. Der Konsum hat sich mit annualisiert 3,2% von seiner Schwäche im 1. Quartal wieder erholt.

Die PCE-Kerninflation betrug nicht wie erwartet 0,2% z.Vm., sondern nur 0,1%. Im Vorjahresvergleich fiel sie von 3,4% auf 3,3%, der erste Rückgang seit Februar.

Kein Durchbruch beim Irankrieg

Anfang der Woche stellten die USA ihre Angriffe nahe der Straße von Hormus erst einmal wieder ein. Es hieß, der Oman hätte mit Unterstützung der Golfstaaten freiwillige Mautzahlungen anstelle der vom Iran geforderten verpflichtenden Zahlungen vorgeschlagen. Der Iran lehnte das ab; es würde seinen Bedürfnissen nicht gerecht. Man wolle die Einfahrt in den Persischen Golf weiterhin kontrollieren.

Die Gefechtspause war aber nur von kurzer Dauer. Schnell griff der Iran wieder amerikanische Militärbasen an, woraufhin sich die USA revanchierten. Außerdem sanktionierten die USA diese Woche zwei von den Iranischen Revolutionsgarden unterstützte Organisationen. Sie würden Schiffe zum Abschluss von Versicherungen zwingen und damit die Passage der Meerenge erschweren. Außerdem attackierten die USA und Saudi-Arabien diese Woche iranische Verbündete im Irak.

Ölexporteure reagieren auf die Probleme am Persischen Golf. So werden Öllieferungen jetzt über ägyptische Häfen und durch den Suezkanal umgeleitet, da die Drohungen der Huthi das Rote Meer unsicher machen. Mittlerweile hat der Streit um die Straße von Hormus auch Auswirkungen auf den russisch-ukrainischen Krieg. Ukrainische Drohnen griffen Frachtschiffe im Kaspischen Meer an, über das der Iran Russland beliefert. Damit will der Iran die amerikanische Seeblockade seiner Häfen am Persischen Golf und im nördlichen Arabischen Meer umgehen.

Dem Vernehmen nach erwägen die USA abschließende 10- bis 14-tägige Luftangriffe gegen iranische Raketenfabriken in der Hoffnung, sie zu zerstören.

KOSPI weiter mit starken Schwankungen

Südkoreas KOSPI war diese Woche sehr volatil. Zunächst war er wegen starker Verluste der koreanischen Halbleiterschwergewichte sehr schwach, doch am Freitag legte er um fast 18% zu. Dennoch lag er diese Woche insgesamt um etwa 1,4% im Minus.

Die südkoreanischen Aufsichtsbehörden haben diese Woche versucht, die Spekulation mit gehebelten Einzelaktien-ETFs einzudämmen. Sie wollen den Aktienmarkt stabilisieren, hoben die Margin-Anforderungen für diese Anlagevehikel an und wollen vielleicht auch ihren Handel verteuern.

Kurz gefasst

Mit etwa 11,6% Verlust seit dem Junihoch drohte dem NASDAQ 100 Mitte der Woche kurzzeitig eine Korrektur. Am Donnerstag erholte er sich dann aber wieder kräftig. Berichten zufolge hatte ein gehebelter Hedgefonds eines KI-Wunderkinds in den Zwanzigern den fremdfinanzierten Teil seines Aktienportfolios verkaufen müssen, um die Margin Calls zu erfüllen. Es heißt, sein Unternehmen Situational Awareness habe in der ersten Jahreshälfte 439% Ertrag erzielt, bevor die Performance beim KI-Ausverkauf im Juli einbrach.

Am Donnerstag hat das japanische Finanzministerium vermutlich 53 Milliarden US-Dollar verkauft, um den Yen zu stärken. Er war auf ein 40-Jahres-Tief gefallen. Am Freitag deutete Japans Notenbank dann Zinserhöhungen im September an, um die Währung weiter zu stabilisieren.

Die Bank of England stimmte mit 6:3 für unveränderte Leitzinsen. Drei Ausschussmitglieder wollten eine Erhöhung. Wie US-Notenbankchef Kevin Warsh signalisierte auch sein britischer Kollege Andrew Bailey auf der Pressekonferenz keine Zinserhöhung im September.

Japans Premierministerin Sanae Takaichi will die japanische Mehrwertsteuer auf Lebensmittel dem Vernehmen nach für zwei Jahre von 8% auf 1% senken.

Im Juni stiegen die Bestellungen langlebiger Güter in den USA nur um 0,3% statt der erwarteten 1,8%. Die Kernrate (ohne Flugzeuge) betrug überraschend starke 1,9% statt der erwarteten 0,6%.

Im 2. Quartal war die Euroraum-Wirtschaft mit 0,4% Wachstum z.Vq. und 1,0% z.Vj. erstaunlich stark. Man hatte mit 0,2% bzw. 0,7% gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 6,2% im Mai auf 6,3% im Juni.

Nach einer Zeit der Zurückhaltung stellen große US-Unternehmen Berichten zufolge wieder Personal ein. Künstliche Intelligenz allein reicht offensichtlich nicht. Anders als befürchtet werden wieder mehr Hochschulabsolventen und Softwareentwickler rekrutiert.

Laut FactSet übertreffen noch immer knapp 87% der Unternehmen die Gewinnerwartungen, ein sehr hoher Wert.

Russland verlängerte das Exportverbot für Diesel bis zum 1. September und das Exportverbot für Benzin bis zum 31. Januar. Die Regierung reagiert damit auf den Treibstoffmangel im Land.

Laut Reuters erhält der Iran in den nächsten Wochen die ersten von bis zu 400 tragbaren chinesischen Flugabwehrsystemen. Wenn das stimme, sei er "sehr enttäuscht", sagte US-Präsident Donald Trump. Peking dementierte.

Eine Reihe kleinerer Unternehmen wollen gegen Trumps neue Zölle gemäß Section 301 gerichtlich vorgehen.

Die Trump-Administration hat Einfuhrverbote für hoch entwickelte ausländische - vor allem chinesische - Roboter und Batteriewechselrichter eingeführt. Die Sicherheitsbehörden sprachen von Lieferkettenrisiken. China will sich revanchieren.

Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im Juli um 2,9% z.Vj. gestiegen, etwas stärker als erwartet.

Am Donnerstag erklärte Präsident Trump, dass die Hamas zur Abgabe ihrer Waffen bereit sei und sich Israel nach und nach aus dem Gazastreifen zurückziehen wolle. Die von Trumps "Friedensrat" eingefädelte Vereinbarung sieht die Entwaffnung aller Terrorgruppen in der Region und ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm vor, um den Krieg zwischen Israel und der Hamas endgültig zu beenden.

Nach Angaben von US-Finanzminister Scott Bessent wurde für 7 Millionen Kinder ein sogenanntes Trump-Konto eröffnet. Mit diesen neuen steuerbegünstigten Spar- und Investmentdepots können bis zu 5.000 US-Dollar jährlich je Kind in ETFs auf den S&P 500 investiert werden.

Die Trump-Administration will ein Zuschussprogramm für Arzneimitteltarife im Rahmen von Medicare auslaufen lassen. Es würde Versicherungen zu Prämienerhöhungen veranlassen und sei nicht mehr nötig.

Wie Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj mitteilte, hat er sich mit Präsident Trump über Lizenzen für Patriot-Raketen und andere Maßnahmen geeinigt. Man wünsche sich eine engere Zusammenarbeit.

Im Mai stieg das kanadische BIP um 1,7% z.Vj. Man hatte lediglich mit 1,4% gerechnet.

Saudi-Arabien beschoss nach Drohnen- und Raketenangriffen auf seine Energieinfrastruktur Huthi-Stellungen. Die Iranischen Revolutionsgarden forderten unterdessen Saudi-Arabien auf, die Blockade des Jemen zu beenden.

GEWINNMELDUNGEN

Bislang haben etwa 60% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 2. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen gut 40% sind die Gewinne laut FactSet um etwa 47,3% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze haben im Vorjahresvergleich um 13,9% zugelegt. An der Spitze stehen Anbieter von Cloud-Computing mit einem außergewöhnlichen Gewinnwachstum, sodass ihre enormen Investitionen jetzt weniger irritieren.

Nächste Woche

Montag: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das Verarbeitende Gewerbe weltweit

Dienstag: Auftragseingänge, Handelsbilanz und JOLTS-Index in den USA

Mittwoch: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für den Dienstleistungssektor weltweit

Donnerstag: Einzelhandelsumsätze im Euroraum, Produktivität in den USA

Freitag: US-Arbeitsmarktbericht

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

Diese Informationen sowie Nennungen von Unternehmen und Einzelwerten dürfen nicht als Anlageberatung, Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Hinweis auf die Kauf- oder Verkaufsabsichten eines MFS-Produkts aufgefasst werden.

Die hier genannten Einzelwerte können, aber müssen nicht in MFS-Fonds enthalten sein. Eine vollständige Liste aller Einzelwerte von MFS-Portfolios finden Sie in deren aktuellen Jahres-, Halbjahres- oder Quartalsberichten. Vollständige Bestandsübersichten finden Sie auch in den Fondsübersichten im Abschnitt "Produkte" auf mfs.com.

Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Prognosen sind keine Garantien.

Die Performance der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.

© 2026 Asset Standard
Achtung, Korrektur!
Die Börsen laufen heiß. Trotz geopolitischer Krisen und steigender Zinsen klettern viele Indizes weiter Richtung Allzeithoch. Doch unter der Oberfläche zeigen sich erste Risse: Der Abverkauf bei Halbleiter-, KI- und Space-Aktien macht deutlich, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.

Besonders gefährlich ist die aktuelle Gemengelage aus schwacher Saisonalität, dünner Liquidität in den Sommermonaten und historisch hohen Bewertungen. Selbst vermeintlich sichere Blue Chips sind inzwischen teuer bewertet und damit anfällig für Korrekturen. Gleichzeitig liefern technische Indikatoren erste Warnsignale. So werden viele Rekordstände nicht mehr bestätigt.

Für Anleger steigen die Risiken spürbar. Wer jetzt nicht genauer hinschaut, läuft Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

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