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Dr. Matthias Ramser (Reichmuth & Co): KI bleibt Treiber - Selektivität gewinnt an Bedeutung

07.08.2026 -

Führende US-Technologieunternehmen werden weiterhin erhebliche Summen in künstliche Intelligenz investieren.

  • KI-Investitionen bleiben hoch - wirtschaftlicher Erfolg wird entscheidend
  • Rotation verändert das Marktumfeld
  • Geopolitik und Saisonalität erhöhen das Rückschlagrisiko
  • Der Ausbau der für künstliche Intelligenz erforderlichen Infrastruktur bleibt dabei ein wesentlicher Investitionstreiber. Halbleiterhersteller profitieren weiterhin unmittelbar von den hohen Ausgaben. Bei einigen Unternehmen waren die Erwartungen an das zukünftige Wachstum allerdings bereits sehr hoch. Die jüngsten Kursrückgänge verstehen wir daher eher als Normalisierung der Bewertungen, denn als Ende des KI-Zyklus.

    Gleichzeitig erwarten wir, dass sich die Wertschöpfung zunehmend auf weitere Unternehmen entlang der Lieferkette ausweitet. Neben den direkten Infrastrukturanbietern dürften davon zukünftig vermehrt Unternehmen profitieren, die künstliche Intelligenz produktiv einsetzen. Diese Entwicklung könnte die nächste Phase des KI-Investitionszyklus prägen. Selektivität bleibt deshalb entscheidend.

    Ein Risiko sehen wir im technologischen Wettbewerb mit China. Die jüngsten Fortschritte chinesischer Anbieter zeigen, wie schnell diese zu führenden westlichen Modellen aufschliessen und vergleichbare Anwendungen günstiger betreiben können. Ausschlaggebend wird damit, welche Unternehmen ihre hohen KI-Investitionen in nachhaltiges Wachstum und steigende Gewinne umsetzen können.

    Rotation betrifft den gesamten Aktienmarkt

    Nach einem starken ersten Halbjahr hat sich die Dynamik an den Aktienmärkten verändert. Während hoch bewertete US-Technologie- und Halbleiterwerte seit Mitte Mai konsolidieren, wird die Marktentwicklung zunehmend von anderen Sektoren getragen - insbesondere von Pharma- und Finanzwerten.

    Diese Entwicklung werten wir grundsätzlich positiv. Ein Markt, der von mehreren Branchen getragen wird, steht auf einem stabileren Fundament als eine Rally, die von wenigen hoch bewerteten Unternehmen abhängt. Gleichzeitig zeigt die Rotation, dass allgemeine Wachstumserwartungen allein nicht mehr ausreichen. Gewinne, Cashflows und Bewertungen rücken wieder stärker in den Vordergrund.

    Geopolitik und Saisonalität als Risikofaktoren

    Trotz des weiterhin konstruktiven Marktumfelds bleiben die Risiken erhöht. Insbesondere die Entwicklung der langfristigen US-Zinsen verdient Aufmerksamkeit. Nach dem jüngsten Entscheid der US-Notenbank sind die Renditen von US-Staatsanleihen weiter gestiegen. Ein zusätzlicher deutlicher Renditeanstieg könnte die Aktienmärkte belasten.

    Auch die Lage im Nahen Osten bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Eine weitere Eskalation könnte sich auf die Energiepreise und die Inflationserwartungen auswirken.Hinzu kommt, dass die Schwankungen an den Aktienmärkten zwischen August und Oktober erfahrungsgemäss zunehmen. Im laufenden Jahr sorgen zudem die US-Zwischenwahlen für zusätzliche Unsicherheit. Die derzeit geringe Nervosität an den Märkten ist aus unserer Sicht daher eher ein Warnsignal als ein Grund zur Entwarnung.

    Selektivität und Absicherung

    Positives Gewinnmomentum und eine robuste Konjunktur sprechen mittelfristig weiterhin für Aktien. Je nach Risikoprofil empfehlen wir, an den unmittelbaren Profiteuren des KI-Trends festzuhalten. Die zu erwartende höhere Volatilität sollte zugleich für ein diszipliniertes Rebalancing genutzt werden, um die Balance im Portfolio zu wahren.

    Als besonders gut positioniert sehen wir den Pharma- und Biotechnologiesektor. Einerseits profitiert er zunehmend vom Einsatz künstlicher Intelligenz in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig verfügt der Sektor über eine vergleichsweise defensive Ertragsbasis, falls sich die Dynamik der KI-Investitionen abschwächen sollte.Beim Iran-Konflikt sehen wir weiterhin ein latentes Eskalationsrisiko. Dieses könnte nach den US-Zwischenwahlen zunehmen, da der innenpolitische Druck auf die US-Regierung, steigende Energiepreise möglichst zu vermeiden, tendenziell nachlässt. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir weiterhin, ein Engagement in konventionellen Energieunternehmen als strategische Absicherung beizubehalten.Insgesamt sprechen die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin für Aktien. Angesichts höherer Bewertungen und zunehmender geopolitischer Unsicherheiten gewinnen jedoch Diversifikation, Selektivität und diszipliniertes Rebalancing an Bedeutung.

    © 2026 Asset Standard
    Achtung, Korrektur!
    Die Börsen laufen heiß. Trotz geopolitischer Krisen und steigender Zinsen klettern viele Indizes weiter Richtung Allzeithoch. Doch unter der Oberfläche zeigen sich erste Risse: Der Abverkauf bei Halbleiter-, KI- und Space-Aktien macht deutlich, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.

    Besonders gefährlich ist die aktuelle Gemengelage aus schwacher Saisonalität, dünner Liquidität in den Sommermonaten und historisch hohen Bewertungen. Selbst vermeintlich sichere Blue Chips sind inzwischen teuer bewertet und damit anfällig für Korrekturen. Gleichzeitig liefern technische Indikatoren erste Warnsignale. So werden viele Rekordstände nicht mehr bestätigt.

    Für Anleger steigen die Risiken spürbar. Wer jetzt nicht genauer hinschaut, läuft Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

    In unserem aktuellen Spezialreport zeigen wir fünf Aktien, bei denen die Abwärtsrisiken besonders hoch sind – und wo sich Gewinnmitnahmen oder sogar Short-Strategien anbieten könnten.

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