1. bis 7. August 2026
Internationale Aktien legen diese Woche kräftig zu, nicht zuletzt wegen der weiter steigenden US-Unternehmensgewinne. Hinzu kamen die schwachen Arbeitsmarktdaten, die Zinserhöhungen in den USA bis zum Jahresende unwahrscheinlicher machen. Die US-Zehnjahresrendite fiel von 4,73% auf 4,64%. Das Barrel Rohöl der Seite West Texas Intermediate verbilligte sich um 8 US-Dollar auf 77,22 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 18,6 auf 15,1.
Konjunktur
Überraschend schwache Beschäftigungszahlen wecken Zweifel am US-Arbeitsmarkt
Auch im Juli war der US-Arbeitsmarktbericht schwach. Die Beschäftigung (ohne Landwirtschaft) stieg nicht wie erwartet um gut 80.000, sondern ging um 23.000 zurück. Außerdem wurden die Mai- und Junizahlen um zusammen 103.000 Stellen nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote ging dennoch leicht von 4,2% auf 4,1% zurück, was aber vor allem an einer geringeren Partizipationsquote von nur noch 61,4% lag - so wenig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Die Löhne stiegen ebenfalls langsamer; im Vorjahresvergleich legten sie im Juli nur noch um 3,2% zu, nach 3,5% im Juni. Offensichtlich lässt der Lohndruck nach.
Das bestätigten auch andere Indikatoren. Der JOLTS Index, ein Maß für die offenen Stellen, blieb im Juni leicht hinter den Erwartungen zurück, und der Maiwert wurde um 57.000 nach unten korrigiert. Es wurden 0,1% mehr neue Mitarbeiter eingestellt als im Vormonat, während die Zahl der Kündigungen - durch Arbeitnehmer wie Arbeitgeber - im Wesentlichen unverändert blieb. Auch die Privatwirtschaft stellte nur wenige neue Mitarbeiter ein; im Juli waren es nach dem ADP-Beschäftigungsbericht gerade einmal 44.000. Das liegt deutlich unter den Erwartungen und ist zugleich der geringste monatliche Zuwachs seit Januar. Allerdings gab es weniger Entlassungen. Nach dem Challenger Report gingen sie im Juli um 27% auf 33.429 zurück, und es wurden 47% mehr Neueinstellungen angekündigt als im Monat zuvor. Ein wichtiges Thema blieben aber KI-bedingte Umstrukturierungen, die jetzt schon den fünften Monat in Folge etwa ein Drittel der angekündigten Entlassungen ausmachten. Ermutigend waren hingegen die Produktivitätszahlen: Im 2. Quartal stieg die Produktivität um 1,4% z.Vq., deutlich über den erwarteten 0,6% und dem revidierten Erstquartalswert von 0,8%.
Trump setzt Angriffe aus, Verhandlungen über die Straße von Hormus gehen voran
Am Wochenende hat US-Präsident Trump die geplanten Angriffe auf den Iran auf Wunsch Teherans und der amerikanischen Verbündeten im Nahen Osten erst einmal ausgesetzt. Laut den USA habe man sich über die Grundzüge eines Abkommens verständigt, auch wenn die weiteren Schritte unklar blieben. Der Iran äußerte sich widersprüchlich: Einerseits bestritt er Gespräche mit den USA, andererseits bestätigte er ein baldiges Abkommen mit dem Oman über eine neue Route durch die Meerenge.
Mitte der Woche kam es zu neuen Spannungen, als der Iran eine US-Militärbasis in Kuwait mit einer Drohne angriff. Trump sprach daraufhin von einer "letzten Chance" für Teheran, sich doch noch mit den USA zu einigen. Anderenfalls drohe eine "Enthauptung". Am Donnerstag entspannte sich die Lage wieder etwas. Der Iran berichtete über eine Einigung mit dem Oman über eine Schiffsroute durch die Straße von Hormus, und Trump signalisierte ebenfalls eine bevorstehende Einigung. Die Märkte reagierten; WTI-Öl wurde wegen der Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung deutlich billiger. Dennoch bleibt Skepsis. Anleger zweifeln an der Stabilität einer Zwischenlösung und sind auch für die bevorstehenden Nuklearverhandlungen wenig zuversichtlich.
USA und Japan koordinieren Interventionen zugunsten des schwachen Yen
Diese Woche haben die USA und Japan koordiniert am Devisenmarkt interveniert, um den Yen zu stützen. Ende letzten Monats war er gegenüber dem US-Dollar fast auf ein 40-Jahres-Tief gefallen. Japans Finanzministerium bestätigte die gemeinsamen Yen-Käufe am Freitag, die ersten koordinierten Devisenmarktinterventionen beider Länder seit 2011. Zuvor war Japans Währung fast auf 164 Yen je US-Dollar gefallen. Zweifel an der Finanzstabilität waren aufgekommen, man fürchtete einen Inflationsimport und schloss Auswirkungen auf die Märkte weltweit nicht mehr aus. US-Finanzminister Scott Bessent sagte, dass man Maßnahmen gegen "ungeordnete" Währungsschwankungen begrüße, und Japan signalisierte bei Bedarf die Bereitschaft zu weiteren Interventionen. Durch die Yen-Erholung haben sich die Devisenmärkte generell stabilisiert. Der beliebte Yen-Carry-Trade geriet unter Druck, die Ölpreise fielen, und weltweit reagierten die Anleihenrenditen. Aktieninvestoren zeigt die Intervention erneut, dass Währungsschwankungen und koordinierte Interventionen Marktstimmung und internationale Kapitalströme immer stärker bestimmen.
Wird KI zur Massenware? Neue Bedenken wegen chinesischer Open-Weight-Modelle
Die Veröffentlichung mehrerer chinesischer Open-Weight-Modelle weckte neue Befürchtungen, dass KI zur Massenware werden könnte. DeepSeek veröffentlichte ein neues Modell mit einem Preis deutlich unter dem vieler amerikanischer Wettbewerber. Alibaba führte sein bislang größtes Modell ein, das es nach eigenen Angaben mit den derzeitigen Marktführern aufnehmen könne. Umso mehr fürchtet man jetzt, dass sich die Leistungen der KI-Modelle einander annähern und die Kosten weiter fallen. Der Wettbewerb würde intensiver, und Modellentwickler könnten ihre Marktmacht verlieren. Die neuen Befürchtungen, dass KI zu einem Standardprodukt wird, schadeten KI-Aktien, vor allem den stark überkauften Infrastruktur- und Halbleiterwerten. Anleger fragten sich erneut, ob man mit KI auf Dauer wirklich viel verdienen kann.
Kurz gefasst
Im Juli signalisierten die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) der großen Volkswirtschaften weiter Wachstum. Offensichtlich ist die Weltkonjunktur noch immer stabil.

Der Bull-&-Bear-Indikator der Bank of America stieg auf 9,7, den höchsten Wert seit 2021. Demnach werden die Anleger immer optimistischer.
Kanadas Arbeitslosenquote fiel im Juli auf ein 2-Jahres-Tief von 6,4%. Es wurden 75.000 neue Stellen geschaffen.
Die deutschen Einzelhandelsumsätze sind im Juni real um 1,1% z.Vm. gefallen, vor allem wegen des Rückgangs im Lebensmittelsektor um 1,4%.
Die Schweizer Inflation fiel im Juli leicht auf 0,4% z.Vj., etwas weniger als erwartet. Im Monatsvergleich gingen die Preise sogar um 0,1% zurück, vor allem wegen Flugtickets, Diesel und Benzin.
Die amerikanischen Bauinvestitionen fielen im Juni um 0,1% z.Vm. Man hatte mit einem leichten Anstieg gerechnet.
Nach dem Senior Loan Officer Opinion Survey der Fed blieben die Kreditbedingungen für Unternehmens- und Industriekredite im Juli weitgehend unverändert. Die Kreditnachfrage großer und mittelgroßer Unternehmen stieg, bei kleineren Unternehmen änderte sich nur wenig.
Brasiliens Notenbank hat ihren Leitzins zum vierten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf jetzt 14,0% gesenkt, 100 Basispunkte weniger als im März. Sie schloss sowohl eine weitere Senkung als auch unveränderte Leitzinsen nicht aus.
EY warnte vor einer Rezession in Großbritannien, wenn die Straße von Hormus noch länger unpassierbar bliebe.
Im Juni stiegen die Bestellungen langlebiger Güter in den USA um 0,5%, das dritte Plus in vier Monaten. Die Auftragseingänge gingen hingegen um 0,3% zurück, das zweite Minus in Folge.
Die australischen Hauspreise fielen im Juli um 0,7%, der stärkste monatliche Rückgang seit Dezember 2022.
Kanadas Handelsbilanzüberschuss stieg im Juni auf 3,9 Milliarden Dollar. Die Exporte legten um 0,4% zu, der fünfte monatliche Anstieg in Folge. Die Importe stiegen um 0,2% auf ein Rekordhoch von 76,6 Milliarden Dollar.
Im Euroraum stiegen die Produzentenpreise im Juni um 4,6% z.Vj. Das entsprach den Erwartungen und lag unter den 5,9% vom Mai.
Mexikos Notenbank ließ ihren Leitzins unverändert bei 6,5% und deutete an, dass sich daran auch in der nächsten Sitzung nichts ändern werde.
In Japan stiegen die Löhne im Juni weitgehend wie erwartet um 3,4% z.Vj.
Die Reserve Bank of India ließ wie allgemein erwartet ihren Reposatz unverändert bei 5,25%.
Der Citi Eurozone Economic Surprise Index stieg Ende Juli auf den höchsten Wert seit über zwei Jahren.
Im Euroraum legten die Einzelhandelsumsätze im Juni um 0,7% z.Vj. zu. Der Wert lag sowohl unter den Konsenserwartungen als auch unter dem revidierten Vormonatswert von 1,9%.
In Deutschland stiegen die Auftragseingänge im Juni um hohe 3,1%. Das lag deutlich über den Erwartungen und über den 0,3% vom Mai.
Gewinnmeldungen
Bislang haben etwa 88% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 2. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen gut 12% sind die Gewinne laut FactSet um 50,3% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze haben im Vorjahresvergleich um 15,0% zugelegt.
Nächste Woche
Montag: Sentix Economic Index für den Euroraum
Dienstag: Notenbanksitzung in Australien; Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA
Mittwoch: ausländische Direktinvestitionen in China, Verbraucherpreise in Deutschland, Italien, Indien und den USA
Donnerstag: BIP, Industrieproduktion und Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Großbritannien, spanische Verbraucherpreise, Industrieproduktion im Euroraum, Erstanträge auf Arbeitslosengeld und Produzentenpreisindex in den USA
Freitag: französische Inflation, Euroraum-BIP, amerikanische Einzelhandelsumsätze
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
